Widerstand gegen Merz: Union streitet über Israel-Entscheidung – CSU arbeitet an „Exit-Strategie“
VonFabian Hartmann
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Mit dem Exportstopp von Rüstungsgütern an Israel brachte Kanzler Merz die eigenen Reihen gegen sich auf. Nun erhöht die CSU den Druck und will eine Kehrtwende.
Am Freitag verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass die Rüstungsexporte nach Israel vorerst eingeschränkt werden. Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigt, Gaza Stadt vollständig unter israelische Kontrolle bringen zu wollen. Diese Entscheidung der Bundesregierung wird von vielen als bedeutender Einschnitt in den deutsch-israelischen Beziehungen gesehen. Auch innerhalb der eigenen Partei von Merz gibt es erheblichen Widerstand. Der Zuspruch aus der Union ist begrenzt. Der Kanzler erhält sowohl von CDU-Parteikollegen als auch von der CSU, insbesondere von Horst Seehofer, erheblichen Gegenwind. Die Kritik an Merz’ Entscheidung nimmt auch Tage nach der Ankündigung nicht ab, sondern verstärkt sich sogar.
Bislang hält Merz trotz reichlich Gegenwind am Israel-Rüstungsexportstopp fest
Am Sonntag verteidigte Bundeskanzler Merz seine Entscheidung, die Rüstungsexporte nach Israel zu stoppen. „Ich habe diese Entscheidung nicht allein getroffen“, erklärte er in den ARD-Tagesthemen. Damit widersprach er den Stimmen aus der CSU, die behaupteten, die Partei sei bei der Entscheidungsfindung übergangen worden. Dennoch fügte Merz hinzu: „Aber es ist dann am Ende des Tages eine Entscheidung, die ich allein verantworten muss. Und ich verantworte sie auch allein.“
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung äußerte CSU-Politiker Stephan Mayer Zweifel und betonte, dass zwischen offensiven und defensiven Waffensystemen unterschieden werden müsse. Gegenüber dem Tagesspiegel bekräftigte Mayer seine Kritik: Obwohl er und der Bundeskanzler in der Analyse der Situation in Gaza „nicht auseinander“ seien, stelle sich die Frage, ob der partielle Waffenlieferungsstopp die richtige Antwort sei.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
„Da habe ich und viele andere Kollegen eine andere Auffassung“, betonte Mayer und fügte hinzu: „Da haben wir einen Dissens.“ Er wies darauf hin, dass die Entscheidung der Regierung vorläufig sei. „Ich hoffe, dass er sich schon in einigen Wochen in der Lage sieht, eine Revision der Entscheidung vorzunehmen“, sagte Mayer.
CSU macht Merz einen Merkel-Vorwurf und hofft auf eine Israel-Kehrtwende des Kanzlers
Die CSU setzt auf eine „Exit-Strategie“, um den vorläufigen Rüstungsexportstopp nach Israel rückgängig zu machen, wie die Bild-Zeitung aus Parteikreisen berichtet. Die CSU wirft Merz vor, die Entscheidung ohne Absprache mit CSU-Abgeordneten und insbesondere CSU-Chef Markus Söder getroffen zu haben, ähnlich wie Angela Merkel 2015 während der Flüchtlingskrise. Damals hatte Merkel das Asylrecht an den deutschen Außengrenzen ohne Rücksprache mit dem damaligen CSU-Chef Seehofer außer Kraft gesetzt.
Das historische Zerwürfnis zwischen CDU und CSU, das aus Merkels damaligem Schritt resultierte, wird nun von der CSU als Warnung an Merz genutzt. Laut der Bild-Zeitung hoffen CSU-Vertreter, dass der Druck auf den Kanzler ihn zu einer Neubewertung der Lage in Israel und Gaza bewegen könnte. Die CSU hofft zudem auf mildere Reaktionen von Netanjahu bezüglich des Rüstungsexportstopps. Die Bild-Zeitung berichtet, dass viele Parteivertreter auf eine neue Einschätzung der Lage im Bundessicherheitsrat hoffen. Auch wird erwartet, dass Israels Ministerpräsident Netanjahu seine anfängliche scharfe Reaktion überdenkt. Nach der Ankündigung vom Freitag zeigte sich Netanjahu verärgert und meinte, die Entscheidung der Bundesregierung spiele der Hamas in die Karten.
Am Sonntagabend äußerte sich Netanjahu gemäßigter: Merz sei „ein guter Freund Israels“, der „unter dem Druck falscher Fernsehberichte“ nachgegeben habe, zitierte ihn die Times of Israel. „Wir werden tun, was wir tun müssen, und ich hoffe, dass Bundeskanzler Merz seine Politik ändert. Und wissen Sie, wann er seine Politik mit Sicherheit ändern wird? Wenn wir gewinnen“, erklärte Netanjahu.