Das ganze Land beschäftigt sich mit dem antisemitischen Flugblatt, das Bayerns Vize Aiwanger verfasst haben soll. Doch was ist der genaue Inhalt?
München – War er es, oder war er es nicht? Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger soll in der elften Klasse ein antisemitisches Flugblatt verfasst und verbreitet haben. So die Recherche der Süddeutschen Zeitung, die Ende vergangener Woche veröffentlicht wurde. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe meldete sich sein Bruder, der Waffenhändler Helmut Aiwanger als Urheber. Daran gibt es aufgrund von Augenzeugenberichten jedoch Zweifel.
Ehemaliger Mitschüler berichten, dass der heutige Chef der Freien Wähler früher Hitlergrüße und Judenwitze gemacht haben soll, letzteres sogar beim Besuch des Konzentrationslagers Dachau. Nach Einschätzung eines ehemaligen Mitschülers soll Aiwangers politische Orientierung „damals auf jeden Fall deutlich rechts der CSU angesiedelt und von nationalsozialistischem Gedankengut geprägt“ gewesen sein.
Aiwanger-Affäre: Flugblatt-Skandal überschattet anstehende Bayern-Wahl
Kurz vor der bayerischen Landtagswahl am 8. Oktober ist eine Diskussion um den Vize-Ministerpräsidenten entbrannt. Unterstützende sagen, dass der Vorfall um das Flugblatt zu lange her sei, um heute noch Schlüsse auf seine politische Gesinnung schließen zu können. Andere sagen wiederum, dass das Flugblatt kein entschuldbarer Jugendstreich sei.
In eigener Sache
Als Redaktion distanzieren wir uns klar und deutlich vom Inhalt des Flugblattes. Wir haben lange abgewogen, ob wir den darin enthaltenen Antisemitismus durch eine Zitierung reproduzieren. Da es hier jedoch ein relevantes öffentliches Interesse an der Sache gibt, ist es unsere journalistische Pflicht, den Inhalt zu dokumentieren und allen Menschen barrierefrei zukommen zu lassen.
War es Hubert Aiwanger? Das steht im antisemitischen Flugblatt
Was steht eigentlich in dem Flugblatt, das die Landesregierung in eine Krise stoßen könnte? Wir haben es hier im Wortlaut:
„BUNDESWETTBEWERB:
Wer ist der größte Vaterlandsverräter?
TEILNAHMEBERECHTIGT: Jeder, der Deutscher ist und sich auf deutschem Boden aufhält.
TERMINSCHLUSS: 1.1.88
BEWERBER: Melden sich im Konzentrationslager Dachau zu einem Vorstellungsgespräch.
PREISVERLEIHUNG: Die Beleger der Plätze 1-1000 dieses Wettbewerbes werden noch im Laufe des Januars abgeholt.
Und nun die zu gewinnenden Preise im Einzelnen:
1. Preis: Ein Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz.
2. ´´ : Ein lebenslänglicher Aufenthalt im Massengrab.
3. ´´ : Ein kostenloser Genickschuß.
4. ´´ : Einjähriger Aufenthalt in Dachau.
(Freie Kost und Logie.)
5. ´´ : Eine kostenlose Kopfamputation durch Fallbeil.
6. ´´ : Eine Fahrkarte in die ewigen Jagdgründe.
(Erfüllungsort ebenfalls das Vergnügungsviertel Auschwitz und Nebenlager.)
7. -1000. Preis: Eine Nacht Aufenthalt im Gestapokeller, dann ab nach Dachau.
Wir hoffen auf zahlreiche Teilnahme und wünschen viel Vergnügen den Gewinnern der Plätze 1-1000!“
Die @SZ berichtet, dass Hubert Aiwanger wahrscheinlich Urheber dieses widerlichen antisemitischen Flugblatts ist. pic.twitter.com/FC8jORoL6l
— Krsto Lazarević (@Krstorevic) August 25, 2023
Söder fordert Aufklärung von Aiwanger
Auf jeden Fall trifft dieses Politikum die bayerische Regierung aus CSU und Freien Wählern. Am Dienstag gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekannt, schriftlich 25 offene Fragen an Hubert Aiwanger gestellt zu haben. „Da darf jetzt nichts mehr dazukommen“, sagte Söder. Aiwanger bleibe aber im Amt als Vize-Ministerpräsident Bayerns. (Baha Kirlidokme)
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