VonDaniel Dillmannschließen
Im Amazonas sollen die Weichen für den Kampf gegen den Klimawandel gestellt werden. Wird Kanzler Merz auf der COP30 plötzlich zum Klimaschützer?
Update vom 7. November, 22 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Klimagipfel in Brasilien eine „globale Kraftanstrengung“ im Kampf gegen die Erderwärmung gefordert und neue Finanzmittel für den Schutz des tropischen Regenwalds zugesagt. An einem neuartigen Milliardenfonds, der die Abholzung in Ländern wie Brasilien oder Kongo bremsen soll, werde sich Deutschland mit einem „namhaften Betrag“ beteiligen, sagte der CDU-Chef in seiner Rede.
„Wir stehen in diesen Tagen an einer Weggabelung“, sagte Merz. Später fügte er vor Journalisten an: „Hier im Amazonasbecken schärft sich eben noch einmal unser Blick auch auf diese wahre Menschheitsaufgabe. Wir sind uns alle der Verantwortung bewusst, die wir tragen, mit unserer Welt für unser Zusammenleben.“
Merz bei COP30: Bundeskanzler mit deutlichen Aussagen – „Auf Deutschland ist Verlass“
Jedes Land müsse entscheiden, wie es der Erderwärmung begegnen wolle. Für Deutschland sei die Entscheidung klar: „Wir setzen auf Innovation und auf Technologie, um eben dem Klimawandel erfolgreich Einhalt zu gebieten. Unsere Wirtschaft ist nicht das Problem, unsere Wirtschaft ist der Schlüssel, um unser Klima noch besser zu schützen“, sagte Merz.
Merz stellt sich also einen Klimaschutz vor, der wirtschaftliche Aktivität fördert und nicht behindert. Man müsse sicherstellen, dass Energie langfristig günstig, sicher und verlässlich sei. Es gehe darum, Wettbewerbsfähigkeit mit Klimaschutz und sozialer Ausgewogenheit zu verbinden. Später sagte er vor Journalisten: „Wir wollen den Klimaschutz in Deutschland und in Europa nicht gegen die Wirtschaft machen, sondern mit der Wirtschaft.“ Ein Denken in Dogmen bringe aber keinen voran. „Wir gehen hier nicht ideologisch an dieses Thema, sondern wir gehen sehr pragmatisch an dieses Thema ran.“
Zu den deutschen und europäischen Klimaschutzzielen bekannte sich Merz: „Auf Deutschland ist Verlass“, sagte er, betonte aber auch die globale Verantwortung. Deutschland habe 2024 rund sechs Milliarden Euro öffentliche Klimafinanzierung bereitgestellt - doch müssten auch andere stärker mitziehen.
„Alle Länder mit den ökonomischen Möglichkeiten und hohen Emissionen sind - und wir gehören dazu - sind dazu aufgefordert, eben dazu beizutragen“, sagte er. Damit knüpft Merz an Forderungen früherer Bundesregierungen an, dass etwa China, Saudi-Arabien und andere Golfstaaten, die mit Öl, Gas und Kohle viel verdient haben, in den Geberkreis für arme Staaten gehören.
Erstmeldung: Belém – Alle Augen richten sich auf die brasilianische Amazonas-Metropole Belém: die 30. Weltklimakonferenz COP30 steht vor der Tür. Vom 10. November an werden dort rund 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 190 Ländern elf Tage lang bis zum 21. November über die Zukunft im globalen Kampf gegen den Klimawandel verhandeln. Bereits im Vorfeld dabei ist Friedrich Merz (CDU). Für den Bundeskanzler ist es die erste große internationale Klimakonferenz seit seinem Amtsantritt – und damit eine echte Bewährungsprobe.
Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen hat sich die Klimakrise dramatisch zugespitzt. Laut aktueller UN-Prognose steuert die Welt auf 2,8 Grad Erwärmung bis zum Jahrhundert-Ende zu. Das international vereinbarte 1,5-Grad-Ziel würde bereits innerhalb des nächsten Jahrzehnts gerissen werden. Die weltweiten Emissionen steigen an – im vergangenen Jahr sogar so drastisch wie seit Beginn der modernen Messungen 1957 nicht, so die Weltwetterorganisation laut eines Berichts der dpa.
COP30 in Brasilien: Kanzler Merz hält Rede im Rahmen der Klimakonferenz
Bereits vor dem offiziellen Start der COP30 treffen mehrere Staats- und Regierungschefs in Brasilien zusammen. Darunter auch Kanzler Merz. Der CDU-Chef will laut eines Berichts der Deutschen Welle noch am Freitag (7.11.2025) vor Ort eine Rede halten.
Die Wahl Beléms als Austragungsort für die COP30 hat hohen symbolischen Wert. Gastgeberland Brasilien will die Bedeutung des Amazonas nutzen, um der Welt die Dringlichkeit vor Augen zu führen. Vorab warnte der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser eindringlich: Der Regenwald drohe zur Savanne zu werden, wenn die dortige Entwaldung auch nur um einige Prozent zunehmen. Die weltweiten Folgen wären fatal, so der Umweltschützer gegenüber der dpa: „Dann kippt das globale Klima. Ohne den Schutz des Amazonas gibt‘s keinen Klimaschutz.“
Umweltorganisationen sehen deshalb die COP30-Konferenz als entscheidende Bewährungsprobe, auch für die deutsche Klimapolitik der Merz-Regierung. Gegenüber der Nachrichtenagentur epd fordete Viviane Raddatz, Sprecherin der Klima-Allianz Deutschland, von der deutschen Delegation um Kanzler Merz und Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) „auf dieser internationalen Bühne wirklich stark aufzutreten“.
COP30 kompakt: Alles, was Sie über die Klimakonferenz in Brasilien wissen müssen
| Ereignis | COP30 - Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen |
|---|---|
| Datum | 10.11.2025 bis 21.11.2025 |
| Ort | Belém, Brasilien |
| Teilnehmer | 50.000 Delegierte und Vertreter aus über 190 Ländern |
| Vorab | Treffen von Staats- und Regierungschefs am 7./8.11.2025 |
Lange Zeit war unklar, ob Merz überhaupt zur COP30 nach Brasilien reisen würde. Der Klimaschutz hatte bislang keinen zentralen Platz auf seiner Agenda. Statt eigene Klimaschutzprogramme zu bewerben, betonte er im Wahlkampf vor der Bundestagswahl und seit Beginn seiner Amtszeit dagegen immer wieder, dass Deutschland den Klimawandel allein ohnehin nicht aufhalten könne. Nun berichtet die dpa aus dem Umfeld des Kanzlers, Merz wolle in Brasilien die Bedeutung des Klimaschutzes für die Bundesregierung unterstreichen und sich zu den Klimaschutzzielen der Europäischen Union (EU) bekennen.
Klimafinanzierung im Fokus: COP30 will 1,3 Billionen US-Dollar für den Klimaschutz
Zentrales Thema für Merz und Co. auf der Weltklimakonferenz wird die Klimafinanzierung werden. Laut eines Fahrplans des COP-Präsidenten für die Konferenz, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert und der vor Beginn der Verhandlungen veröffentlicht wurde, stünden bis zu 1,3 Billionen Dollar zur Verfügung. Mit dem Geld sollen vom Klimawandel besonders betroffene Länder unterstützt werden. „Dieser Fahrplan soll als Katalysator und Grundlage für die nächste Phase der Klimaschutzmaßnahmen dienen“, erklärten der Präsident der COP29, Muchtar Babajew, und der Präsident der COP30, André Corrêa do Lago, im Vorwort des 81 Seiten langen Berichts.
Sollte es auf der COP30 wirklich gelingen, eine Summe in dieser Größenordnung für die Finanzierung des globalen Klimaschutzes bereitzustellen, würden die enttäuschenden Ergebnisse der COP29 in Baku (Aserbaidschan) wohl in Vergessenheit geraten. Die letzte Klimakonferenz endete mit dem Versprechen der Industrienationen, den ärmeren Ländern bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar bereitzustellen. Zusätzlich setzten sie sich das weniger konkrete Ziel, jährlich 1,3 Billionen US-Dollar aus öffentlichen und privaten Quellen aufzubringen. Klimaforscher zeigten sich enttäuscht. Mojib Latif, Professor für Ozean-Zikulation und Klimadynamik an der Universität Kiel, beantwortete die Frage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media, ob die Klimakonferenz in Baku dem realen Klima geholfen habe, mit: „Eben nicht. Alle messbaren Parameter zeigen in die falsche Richtung.“
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Aus Sicht der Wirtschaft spielt bei der erfolgreichen Finanzierung des Kampfs gegen den Klimawandel aber auch noch andere Faktoren eine große Rolle. „Entscheidend ist nicht die Höhe der Zusagen, sondern dass die Mittel schnell, transparent und lokal in die Unternehmen fließen. Nur dann entfalten sie auch in Europa und Deutschland Wirkung“, sagt Dr. Johannes Feist vom Finanzdienstleister Mikro Kapital Management gegenüber Fr.de von Ippen.Media.
Die Erwartungen an COP30 fallen bei Fachleuten gering aus. „Es wird in Brasilien eine schöne Abschlusserklärung voller hehrer Absichten geben“, sagte Klimaforscher Latif gegenüber der Mediengruppe Bayern. Ein starkes Signal für den Klimaschutz seitens der EU blieb vor dem Gipfel in Brasilien aus.
Trump schwänzt COP30-Gipfel in Brasilien
Aus den USA ist eine Initiative für mehr Klimaschutz derzeit ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Merz wird US-Präsident Donald Trump nicht nach Brasilien reisen und laut einer Bekanntgabe auch keine ranghohen Vertreter seiner Regierung entsenden. Laut eines CNN-Berichts ist möglich, dass die USA – zweitgrößter CO²-Produzent der Welt und allein verantwortlich für über 13 Prozent der weltweiten Emmissionen – auf der COP30 gar nicht vertreten sein werden. „Präsident Trump wird die wirtschaftliche und nationale Sicherheit unseres Landes nicht gefährden, um vage Klimaziele zu verfolgen, die andere Länder ruinieren“, sagte Taylor Rogers, Sprecherin des Weißen Hauses, gegenüber CNN. Stattdessen verhandle der US-Präsident lieber direkt mit den Staatschefs.
Präsident Trump wird die wirtschaftliche und nationale Sicherheit unseres Landes nicht gefährden, um vage Klimaziele zu verfolgen, die andere Länder ruinieren.
Den Klimawandel selbst streitet Trump seit jeher ab. Bereits im Jahr 2012 hatte der damalige Immobilienmakler aus dem winterlichen New York getwittert: „Es ist eiskalt und schneit. Wir brauchen die globale Erwärmung!“ Folgerichtig unterzeichnete der Republikaner schon am ersten Tag seines Amtsantritts im Januar 2025 den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Wirksam wird dieser Austritt zwar erst ein Jahr später. Er wirft aber schon jetzt seinen Schatten auf die COP30. (Verwendete Quellen: CNN, AFP, DPA, Deutsche Welle, EPD, Mediengruppe Bayern, eigene Recherche) (dil)
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