Konkurrenz in eigenen Reihen

Midterm-Pleite: Trump-Team will „große Ankündigung“ nun verschieben - und setzt alles auf eine Karte

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Der ehemalige US-Präsident Donald Trump während einer Wahlparty in Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida am Dienstag, 8. November 2022.

Womöglich wollte Donald Trump kommende Woche seine erneute Präsidentschaftskandidatur ankündigen. Nach dem Wahl-Debakel bei den Midterms wohl keine gute Idee.

Mar-a-Lago - Der ehemalige US-Präsident Donald Trump erlebte bei den Midterm-Wahlen in den USA eine Pleite. Vor der Wahl hatte der 76-Jährige noch siegessicher für den 15. November eine „sehr große Mitteilung“ angekündigt. Es wurde vermutet, dass es dabei um seine Präsidentschaftskandidatur gehen könnte. Doch nach der enttäuschenden Wahlnacht raten ihm offenbar selbst sein Team und Parteikollegen dazu, die geplante Ankündigung zu verschieben, wie die Washington Post am Dienstag berichtete.

Wahlschlappe für Donald Trump: Weshalb die Unterstützung für den Ex-Präsidenten bröckelt

Traditionellerweise nutzen viele Wahlberechtigte in den USA die Zwischenwahlen als Möglichkeit, dem US-Präsidenten zur Hälfte seiner Amtszeit einen „Denkzettel“ zu verpassen. Doch anders als erwartet, blieb eine Erfolgswelle der Republikaner bei den Midterm-Wahlen aus. Stattdessen fuhren viele der von Trump unterstützten Kandidaten schlechte Ergebnisse ein. Etwa der letztlich unterlegende Kandidat TV-Doktor Mehmet Oz, den Trump im Rennen um einen Senatssitz unterstützt hatte.

Indes bestätigten die Wähler Floridas Gouverneur Ron DeSantis mit einem Erdrutschsieg in seinem Amt. Sein Vorsprung von etwa 20 Prozentpunkten brachte DeSantis auch als ernstzunehmenden Rivalen im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ins Gespräch. Der Gouverneur Floridas besuchte die Elite-Unis Yale und Harvard und gehört zum rechten Flügel der republikanischen Partei, was ihm von manchen den Spitznamen „Trump mit Gehirn“ einbrachte. Der 44-jährige rechte Hardliner könnte zu einem ernsthaften Problem für den ehemaligen Präsidenten werden.

Parteikollegen und Berater empfehlen Trump, Ankündigung zu verschieben

Berater des Immobilienmoguls rieten ihm offenbar, mit seiner „sehr großen Ankündigung“ bis nach der Senatswahl in Georgia am 6. Dezember zu warten, wo der von Trump unterstützte Kandidat Herschel Walker antritt. An Georgias Wahlurnen könnte sich entscheiden, ob Demokraten oder Republikaner künftig den Senat kontrollieren. Nach einem Republikaner-Sieg hier könnte demnach dann die „große Ankündigung“ Trumps erfolgen. Er empfehle dem ehemaligen Präsidenten, bis nach dem Rennen in Georgia zu warten, sagte etwa der republikanische Parteikollege Jason Miller. Niemand im Umfeld des Ex-Präsidenten wolle, dass er am ursprünglichen Plan festhalte, so Miller weiter - darunter offenbar auch fünf Berater, die regelmäßig mit Trump in Kontakt stünden.

Ob der ehemalige Präsident dem Ratschlag seines Teams folgen wird, ist unklar. Ein Insider verriet der US-Zeitung Washington Post offenbar, dass der 76-Jährige seine Berater nach ihrer Meinung gefragt, sich aber noch nicht entschieden hätte. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News am Mittwochabend säte Trump dann Zweifel an einer Verschiebung der Ankündigung mit den Worten: „Wir hatten enormen Erfolg. Warum sollte sich etwas ändern?“

Trump verunglimpfte Konkurrent Ron DeSantis schon vor dessen Erdrutschsieg in Florida

Floridas Gouverneur Ron DeSantis winkt während seiner Wahlparty im Tampa Convention Center am Dienstag, 8. November 2022 einer Menge von Anhängern zu.

Am Mittwoch äußerte sich auch der Trump-Vertraute David Urban kritisch: „Republikanische Vorsitzende in einem breiten Spektrum von Staaten haben darauf vertraut, dass Donald Trump ihnen gestern Abend den Sieg beschert, und er hat es nicht getan. Sie sind enttäuscht“, so der ehemalige Berater Trumps im Präsidentschaftswahlkampf 2016 laut Washington Post. „Es ist klar, dass der Schwerpunkt der Republikanischen Partei im Bundesstaat Florida liegt, und ich meine nicht Mar-a-Lago“, sagte Urban in Anspielung auf Ron DeSantis.

Trump hatte den erfolgreichen Gouverneur aus Florida offenbar schon vor den Wahlen als Gefahr gesehen. In der vergangenen Woche verspottete er ihn als „Ron DeSanctimonious“, was zu Deutsch so viel wie „Ron Scheinheilig“ bedeutet - eine Strategie, die Trump bereits gegen Ted Cruz im Jahr 2016 Erfolg brachte. Laut Wall Street Journal drohte der Ex-Präsident am Montag zudem damit, schädliche Informationen über DeSantis zu veröffentlichen, sollte er als Kandidat antreten. „Ich weiß mehr über ihn als jeder andere - mit Ausnahme vielleicht von seiner Frau“, betonte Trump auch gegenüber dem Sender Fox News.

Der Gouverneur von Florida reagierte darauf zunächst nicht, hielt aber am Samstag seine eigene Wahlkampfveranstaltung ab und konkurrierte damit mit einer Trump-Kundgebung in Miami. Im Jahr 2018 hatte Trump den konservativen DeSantis bei seiner Kandidatur als Gouverneur von Florida unterstützt. Damit ist es jetzt vorbei: Der US-Sender CNN spricht bereits von einem „Kalten Krieg“ zwischen Trump und DeSantis.

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