Soziale Klimapolitik

Schuldenpaket von Union und SPD reicht nicht: „Wir brauchen eine Milliardärssteuer“

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Umweltexperte Hennicke fordert von der künftigen Bundesregierung eine soziale Klimapolitik. Der Ökonom spricht sich für eine Milliardärssteuer aus.

Peter Hennicke ist Co-Autor des aktuellen Buches „KlimaGerecht – Warum wir ökologische und soziale Fragen konsequent verbinden müssen“. Im Interview spricht der Ökonom über die unzureichenden Klimainvestitionen der künftigen Großen Koalition, die Verantwortung der Superreichen, das Ende klimaschädlicher Subventionen – und dass es ohne Genügsamkeit nicht funktionieren wird.

Herr Hennicke, die künftige Bundesregierung von Union und SPD hat sich 500 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln für die Sanierung der Infrastruktur und den Klimaschutz gesichert. Erlaubt das einen guten Start, um zukunftsfähig zu werden?
Die 500 Milliarden Euro sind vorgesehen für zwölf Jahre, es sind also knapp 42 Milliarden jährlich. Dies ist eine begrüßenswerte Anschubfinanzierung für das notwendige, tatsächlich weit umfassendere Zukunftsinvestitionsprogramm. Nach allen vorliegenden Studien ist diese Summe nicht ausreichend für einen wirklich großen Sprung in Richtung Klimaneutralität bis 2045 und für den grundsätzlichen sozial-ökologischen Umbau, wie wir ihn in unserem Buch „Earth4All Deutschland“ vorschlagen.
Wenn Sie sagen, das Geld ist immer noch knapp – woher können die Mittel dann kommen?
Deutschland braucht erstens eine Reform der Schuldenbremse nicht nur zur Finanzierung von Verteidigungsausgaben, sondern auch generell für die Abwehr akuter ökologischer und sozialer Risiken und für die sozial-ökologische Transformation hin zu einer „Wohlergehensgesellschaft“. Zweitens können und müssen Superreiche weit mehr als bisher zur Finanzierung des Gemeinwohls und des Klima- und Ressourcenschutzes beitragen. Weitsichtige Reiche, organisiert etwa in der NGO Taxmenow, fordern dies schon lange. In einer bedrohlichen Krisenwelt lebt es sich auch als Reicher wenig komfortabel. Und drittens müssen die jährlich 65 Milliarden Euro an klimaschädlichen Subventionen abgeschafft werden, wie etwa das Dienstwagenprivileg.

Umweltexperte sieht Bedrohung für die Demokratie

Tax the rich? Mit der Union ist das nicht zu machen. Sie hat Steuererhöhungen kategorisch ausgeschlossen ...
Das hat die CDU bei der Schuldenbremse auch gesagt, aber gegen geopolitische Realitäten und gegen gesellschaftliche Mehrheiten helfen keine politischen Glaubenssätze. Eine weltweite Meinungsumfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos belegt: In allen G20-Ländern gibt es breite Mehrheiten für Millionärssteuern. Steuern- und Abgabenentlastung für die, die es wirklich brauchen, und mehr Finanzierungsverantwortung der Superreichen für das Gemeinwohl sind mehrheitsfähig. Und demokratische Parteien halte ich grundsätzlich für lernfähig.

Wen holt Friedrich Merz in sein Kabinett? Diese Minister stehen bereit

Wahlkampf CDU - Halle/Saale
Der CDU-Vorsitzende und Kanzler in spe Friedrich Merz muss sein Kabinett zusammenstellen. Nach mehreren Medienberichten sollen plus dem CDU-Kanzler Merz insgesamt sieben Minister von der CDU, fünf von der SPD und drei von der CSU gestellt werden. Wie ein mögliches schwarz-rotes Kabinett unter Merz aussehen kann, zeigt die folgende Bilderstrecke.  © Hendrik Schmidt/dpa
Die Vorstandsvorsitzender des Energiedienstkleisters Westenergie AG - Katherina Reiche - am 11. März 2024 während einer
Katherina Reiche (CDU) © Manngold/Imago
CDU-Politikerin Nina Warken spricht am 15. Mai 2024 im Bundestag
CDU-Politikerin Nina Warken  © Christoph Soeder/dpa
Wolfram Weimer zu Gast bei „Maischberger“ am 18. Februar 2025
Wolfram Weimer zu Gast bei „Maischberger“ am 18. Februar 2025  © HMB-Media/Imago
Karsten Wildberger
AFP_43QG68H.jpg © Tobias Schwarz/AFP
Merz‘ Kabinett: Christiane Schenderlein (CDU)
dpa_urn_binary_dpa_com_20090101_250428-935-552616-FILED.jpg © Christiane Schenderlein/dpa
Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD
SPD-Chef Lars Klingbeil führt zusammen mit der Co-Vorsitzenden Saskia Esken die Verhandlungsdelegation der Sozialdemokraten an. Berichten zufolge könnte er das Finanzministerium übernehmen. © Kay Nietfeld/dpa
Michaela Kaniber (CSU), Landwirtschaftsministerin von Bayern,
Michaela Kaniber (CSU) könnte auf Wunsch Markus Söder aus Bayern nach Berlin gerufen werden. Medienberichten zufolge wird sie als Agrarministerin gehandelt.  © Sven Hoppe/picture alliance/dpa
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
SPD-Chefin Saskia Esken ist auch parteiintern nicht unumstritten. Dennoch wird spekuliert, ob sie zukünftig ein Ministerium übernehmen könnte. © Christophe Gateau/dpa
Friedrich Merz‘ treuer Generalsekretär Carsten Linnemann gilt als Minister fast schon gesetzt. Er käme wohl für das Wirtschaftsministerium infrage, wo er die gewünschte Reform des Bürgergelds vorantreiben könne. Linnemann ist Volkswirt.
Friedrich Merz’ treuer Generalsekretär Carsten Linnemann galt als Minister fast schon als gesetzt. Der Volkswirt teilte jedoch überraschend mit, dass er sich gegen ein Ministeramt entschieden habe. Der CDU-Politiker wurde in der Vergangenheit als aussichtsreicher Kandidat für das Wirtschafts- oder Arbeitsministerium gehandelt. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett ebenfalls als gesetzt, wenn es mit Schwarz-Rot klappt. Laut Medienberichten könnte er eine zweite Amtszeit als Verteidigungsminister erhalten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Roland Koch
Der ehemalige hessische Ministerpräsident und Merz-Vertraute Roland Koch wird ebenfalls als möglicher Minister gehandelt. © Sebastian Gollnow/dpa
Christina Sinemus – von der CDU aus Hessen – könnte zukünftig Digitalministerin werden
Kristina Sinemus – von der CDU aus Hessen – könnte zukünftig Digitalministerin werden ©  IMAGO / Jörg Halisch
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Berichten zufolge könnte Spahn bei der Vergabe der Ministerien unter Friedrich Merz leer ausgehen und stattdessen den Vorsitz der CDU/CSU Fraktion im Bundestag übernehmen.  © IMAGO/Jens Schicke
Überraschen könnte Merz mit einer Besetzung des Innenministeriums von außerhalb der Politik. Möglicher Kandidat wäre Dieter Romann, Chef der Bundespolizei, von dem sich Merz häufig beraten lässt und der in Asylfragen versiert ist.
Überraschen könnte die schwarz-rote Regierung mit einer Besetzung des Innenministeriums von außerhalb der Politik. Ein möglicher Kandidat wäre Dieter Romann, Chef der Bundespolizei. Von diesem lässt sich auch Kanzler in spe Friedrich Merz häufig beraten. Romann soll in Asylfragen besonders versiert sein.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Johann Wadephul, bisher Vize-Fraktionschef der CDU. ist als Verteidigungsminister denkbar, sollte Pistorius weichen. Im Dezember war er gemeinsam mit Merz in Kiew und besuchte mit ihm auch die Siko in München.
Johann Wadephul war bisher Vize-Fraktionschef der CDU. Nun wird er Berichten zufolge, auch als Außenminister für die schwarz-rote Koalition gehandelt. Im Dezember war er gemeinsam mit Friedrich Merz in Kiew. Im Februar besuchte der 62-Jährige mit dem Kanzler in spe die Sicherheitskonferenz in München.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Tino Sorge, gesundheitspolitischer Sprecher der Union, zum Cannabis-Gesetz
Tino Sorge war bislang gesundheitspolitischer Sprecher der Union. Er könnte zukünftig als Gesundheitsminister unter Kanzler Friedrich Merz fungieren, und die Cannabislegalisierung rückgängig machen. Im November erläuterte er unserer Redaktion im Interview: „Wenn es möglich ist, werden wir die Cannabislegalisierung in einer neuen Regierungskonstellation rückgängig machen.“ © Philip Dulian/picture alliance
Die niedersächsischen Fraktionsvize Silvia Breher hat Außenseiterchancen auf das Digitalministerium unter Friedrich Merz. Die 51-Jährige ist gelernte Juristin.
Die niedersächsischen Fraktionsvize Silvia Breher hat Außenseiterchancen auf das Familienministerium unter Friedrich Merz. Die 51-Jährige ist gelernte Juristin. Im Jahr 2021 war Silvia Breher noch Teil des achtköpfigen „Zukunftsteams“ von dem damaligen Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Bereits dort vertrat sie das Thema Familie. Laschet verlor das Rennen um die Kanzlerschaft gegen Olaf Scholz.  © IMAGO/Jakub Porzycki
Die Brandenburger Richterin Sonja Eichwede könnte für die SPD in das Justizministerium einziehen.
Die Brandenburger Richterin Sonja Eichwede könnte nach Medienberichten für die SPD in das Justizministerium einziehen. Sie ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestags, seitdem ruht auch ihr Richteramt. Sie ist die Tochter des Historikers und Professors für Politik und Zeitgeschichte Osteuropas Wolfgang Eichwede. Die 37-Jährige hat einen Sohn. ©  IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Die CSU hat als Schwesterpartei der CDU Anspruch auf Ressorts in Merz‘ Kabinett. An allererster Stelle ist hier Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef. Er soll ein mächtiges Ministerium wie das Finanz-, Innen- oder Verteidigungsministerium bekommen.
Die CSU hat als Schwesterpartei der CDU Anspruch auf Ressorts in Merz‘ Kabinett. An allererster Stelle ist hier Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef. In Merz neuem schwarz-roten Kabinett soll er ein mächtiges Ministerium wie das Innenministerium bekommen. Dobrindt war bereits von Dezember 2013 bis Oktober 2017 Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Fortsetzung der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD
Die frühere Bundestagspräsidentin Bärbel Bas könnte in Merz schwarz-roter Koalition das Ministerium für Arbeit übernehmen. Ob Soziales mit in das Ministerium aufgefasst wird, bleibt derweil offen. Unterdessen wurde Bas laut Medienberichten, auch als neue Parteivorsitzende der SPD gehandelt. Zuvor hatten bereits Manuela Schwesig und Anke Rehlinger abgelehnt.  © Kay Nietfeld/dpa
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, darf sich auf einen einflussreichen Posten in der neuen Regierung unter Merz freuen. Denkbar wäre das Innenressort, da Frei in dem Bereich als versiert gilt. Er könnte aber auch Kanzleramtschef werden oder den Fraktionsvorsitz übernehmen.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, darf sich auf einen einflussreichen Posten in der neuen Regierung unter Kanzler Friedrich Merz freuen. Er könnte in einer schwarz-roten Koalition unter Merz den wichtigen Posten des Kanzleramtschefs übernehmen. Zuvor hielt diesen Posten Wolfgang Schmidt von der SPD inne.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo ist für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei. Er könnte zukünftig im schwarz-roten Kabinett unter Friedrich Merz Staatsminister für Kultur im Bundeskanzleramt werden. Der 54-jährige CDUler würde in dieser Funktion Claudia Roth von den Grünen folgen.  © Jörg Carstensen/dpa
Klara Geywitz (SPD) war unter Olaf Scholz Bauministerin. Sie wird als mögliche Arbeitsministerin in einem Kabinett Merz gehandelt.
Klara Geywitz (SPD) war unter Olaf Scholz Bauministerin. Sie wird als mögliche Arbeitsministerin in einem Kabinett von Kanzler Friedrich Merz gehandelt. Geywitz hatte 2019 erfolglos mit Ex-Kanzler Olaf Scholz um den SPD-Vorsitz kandidiert. Im Dezember 2019 wurde sie zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD.  © IMAGO/Rüdiger Wölk
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet. Nach der verlorenen Wahl wurde Laschet 2022 Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Friedrich Merz plant für sein Kabinett wohl auch ein Digitalministerium. Es wird gemunkelt, dass er es mit einer Expertin oder einem Experten von außen besetzen will. Auf die Beraterin Julia Jäkel würde dies zutreffen.
Friedrich Merz plant für sein schwarz-rotes Kabinett wohl auch ein Digitalministerium. Es wird gemunkelt, dass er es mit einer Expertin oder einem Experten von außen besetzen will. Auf die Beraterin Julia Jäkel würde dies zutreffen. Julia Jäkel ist Managerin und Verlegerin. Sie ist in mehreren Aufsichtsräten aktiv.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Die Chefin des Start-up-Verbandes, Verena Pausder, könnte Digitalministerin in der neuen Regierung von Merz werden. Ihr wird ein gutes Verhältnis zum CDU-Chef nachgesagt.
Die Chefin des Start-up-Verbandes, Verena Pausder, könnte Digitalministerin in der neuen Regierung von Friedrich Merz werden. Ihr wird ein gutes Verhältnis zum CDU-Chef nachgesagt. Die 46-jährige Verena Pausder war im Aufsichtsratsmitglied bei der Commerzbank-Tochter comdirect. © IMAGO/Emmanuele Contini
Merz wird sich auch einen Politiker aus dem großen CDU-Landesverband Niedersachsen als Minister in die Regierung holen. Hendrik Hoppenstedt wäre hierfür ein Kandidat. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion und arbeitete unter Angela Merkel im Kanzleramt.
Merz wird sich auch einen Politiker aus dem großen CDU-Landesverband Niedersachsen als Minister in die Regierung holen. Hendrik Hoppenstedt wäre hierfür ein Kandidat. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion und arbeitete unter Angela Merkel im Kanzleramt.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Mathias Middelberg (CDU) gilt als Haushaltsexperte. Ist er ein möglicher neuer Finanzminister im Kabinett von Friedrich Merz? Middelberg ist Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik und Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen.
Mathias Middelberg (CDU) gilt als Haushaltsexperte. Ist er ein möglicher neuer Finanzminister im Kabinett von Friedrich Merz? Middelberg ist Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik und Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen.  © IMAGO
Dorothee Bär (CSU) war bei der Bundestagswahl 2025 Stimmkreiskönigin und holte als einzige Kandidatin über 50 Prozent der Erststimmen. Belohnt Merz sie mit einem Ministeramt? Am ehesten käme wohl das Digitalministerium infrage. Bär war schon Digitalstaatsministerin unter Angela Merkel.
Dorothee Bär (CSU) war bei der Bundestagswahl 2025 Stimmkreiskönigin und holte als einzige Kandidatin über 50 Prozent der Erststimmen. Belohnt Friedrich Merz sie mit einem Ministeramt? Am ehesten käme wohl das Bildungsministerium infrage. In dem schwarz-roten Kabinett könnte sie eine sinnvolle Ergänzung darstellen – Regierungserfahrung besitzt sie bereits: Bär war schon Digitalstaatsministerin unter Angela Merkel.  © IMAGO/M. Popow
Als Umweltminister käme Andreas Jung (CD) infrage. Er gilt als Liberaler und stammt aus Baden-Württemberg. Merz will das Umwelt- und Klimaministerium wieder aus dem Wirtschaftsministerium herauslösen.
Als Umweltminister käme Andreas Jung (CD) infrage. Er gilt als Liberaler und stammt aus Baden-Württemberg. Kanzler Friedrich Merz will das Umwelt- und Klimaministerium wieder aus dem Wirtschaftsministerium herauslösen. Der deutsche Rechtsanwalt könnte in diesem schwarz-roten Kabinett eine passende Besetzung sein.  © IMAGO/M. Popow
Dirk Wiese von der SPD wird bei einer schwarz-roten Koalition als neuer Arbeitsminister gehandelt. Wiese ist Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion. Der gelernte Jurist war früher Mitarbeiter von Franz Müntefering.
Dirk Wiese von der SPD wird bei einer schwarz-roten Koalition als neuer Arbeitsminister gehandelt. Wiese ist Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion. Der gelernte Jurist war früher Mitarbeiter von Franz Müntefering.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Noch eine mögliche Digitalministerin im Kabinett von Merz: Katrin Suder, Vorsitzende des Digitalrats der Bundesregierung. Sie war früher Unternehmensberaterin.
Noch eine mögliche Digitalministerin im Kabinett von Merz: Katrin Suder, Vorsitzende des Digitalrats der Bundesregierung. Sie war früher Unternehmensberaterin.  © M. Popow via www.imago-images.de
Svenja Schulze
Svenja Schulze könnte Berichten zufolge das Ministerium für Entwicklungshilfe übernehmen. Die 56-jährige SPDlerin wäre für Friedrich Merz schwarz-rotes Kabinett, eine Kandidatin mit Regierungserfahrung. Bis 2021 war Schulze Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland unter Kanzler Olaf Scholz.  © Thomas Banneyer/dpa
Sie gilt als Geheimtipp als mögliche Ministerin: Ex-Verfassungsschützerin Felor Badenberg. Sie ist Justizsenatorin in Berlin. Möglich wären das Justiz- oder Innenressort. Badenberg ist im Iran geboren und wäre eine Kandidatin mit Migrationshintergrund, die Chancen unter Merz hat.
Sie gilt als Geheimtipp als mögliche Ministerin: Ex-Verfassungsschützerin Felor Badenberg. Sie ist Justizsenatorin in Berlin. Möglich wären das Justiz- oder Innenressort. Badenberg ist im Iran geboren und wäre eine Kandidatin mit Migrationshintergrund, die Chancen unter Merz hat.  © IMAGO
Auf Ines Claus (CDU) soll Merz große Stücke halten. Sie wäre eine denkbare Justiz- oder Familienministerin. Claus ist Fraktionschefin in Hessen. Die 47-Jährige ist gelernte Juristin und gilt als konservativ und bodenständig.
Auf Ines Claus (CDU) soll Merz große Stücke halten. Sie wäre eine denkbare Justiz- oder Familienministerin. Claus ist Fraktionschefin in Hessen. Die 47-Jährige ist gelernte Juristin und gilt als konservativ und bodenständig.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Als mögliche Newcomerin in einem Kabinett von Friedrich Merz gilt Dagmar Schmidt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD und Historikerin. Sie könnte Arbeitsministerin werden.
Als mögliche Newcomerin in einem Kabinett von Friedrich Merz gilt Dagmar Schmidt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD und Historikerin. Sie könnte Arbeitsministerin werden.  © IMAGO/Juliane Sonntag
CSU-Mann Klaus Holetschek ist bislang Gesundheitsminister n Bayern. Geht es für ihn im gleichen Amt nach Berlin? Ambitionen auf einen Kabinettsposten unter Merz werden ihm nachgesagt. In der Gesundheitsbranche gilt er als gut vernetzt.
CSU-Mann Klaus Holetschek war bereits Gesundheitsminister in Bayern. Geht es für den Vorsitzenden der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag im gleichen Amt nach Berlin? Ambitionen auf einen Kabinettsposten unter Merz werden ihm nachgesagt. In der Gesundheitsbranche gilt er als gut vernetzt.  © IMAGO/Rolf Poss
Karin Prien kommt innerhalb der CDU als Bildungsministerium infrage. Als Merz während des Wahlkampfs gemeinsam mit der AfD im Bundestag abstimmte, verteidigte Karin Prien ihn leidenschaftlich. Prien ist derzeit Bildungsministerin in Schleswig-Holstein.
Karin Prien kommt innerhalb der CDU als Bildungsministerium infrage, für das schwarz-rote Kabinett infrage. Als Merz während des Wahlkampfs gemeinsam mit der AfD im Bundestag abstimmte, verteidigte Karin Prien ihn leidenschaftlich. Prien ist derzeit Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. © IMAGO/teutopress GmbH
Ist das der Weg, die Besteuerung auf ganz neue Füße zu stellen?
Der übermäßige ökologische Fußabdruck der Superreichen, die massive Vermögensungleichheit und die damit verbundene Sprengkraft für die Demokratie sind so gewaltig angewachsen, dass eine progressive Steuerreform jetzt notwendig ist. Elon Musk ist ja nicht der einzige Systemsprenger. Eine progressive Vermögens- und Erbschaftssteuer für Hochvermögende zur Förderung gerechter Mobilität, für bezahlbaren Wohnraum und für Bildung, Kranken- und Altenversorgung schafft mehr ausgleichende Gerechtigkeit und immunisiert gegen Demokratieverdrossenheit. International sind Steueroasen und Anreize für Steuerflucht zu stoppen. Die Milliardärssteuer, wie sie der G20-Gipfel 2024 in Brasilien empfohlen hat, sollte rasch umgesetzt werden. Zwei Prozent Besteuerung des Vermögens von nur 3000 der weltweit reichsten Milliardäre bringt 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr – ein wichtiger Beitrag, um die „Verluste und Schäden“ des Globalen Südens durch den Klimawandel und Fluchtursachen zumindest etwas einzudämmen.
Zurück zur künftigen Großen Koalition unter Friedrich Merz. Vor allem die Union, aber auch die SPD setzt darauf, dass der steigende CO₂-Preis die Menschen zum Umstieg auf E-Autos und Öko-Heizungen sowie zur Sanierung der Häuser animieren wird. Geht diese Rechnung auf?
Ökonomen haben lange nur die Steuerungswirkung steigender CO₂-Preise betont. Aber gut 40 Prozent der deutschen Haushalte verfügen über kein Vermögen, um den Umstieg auf Öko-Heizung oder E-Auto aus eigener Kraft zu schaffen. Wer über Energie- oder CO₂-Preise steuern möchte, muss daher durch soziale Flankierung und Sicherung von bezahlbaren Mobilitäts- und Wohnalternativen ermöglichen, dass wirklich jeder umsteigen kann. Rückzahlung eines Teils der CO₂-Steuereinnahmen in der Form des Klimageldes an wirklich Bedürftige wäre dafür eine notwendige, aber keineswegs ausreichende Hilfestellung.

Ökonom fordert stärkere soziale Gerechtigkeit

Sie fordern einen Sozialcheck für alle Klimagesetze. Wie soll das genau funktionieren?
Klimaschutzgesetze benötigen eine proaktive Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik gegen soziale Ungleichheit. Eine sozial-ökologische Transformation zur Klimaneutralität wird am Widerstand und an sozialen Verwerfungen scheitern, wenn sie die bestehenden massiven Ungleichheiten verstärkt. Der Energie- und Klimapolitik-Mix aus Preisanreizen, Förderprogrammen und Regulierung muss daher auf den Prüfstand nach Kriterien der Verteilungsgerechtigkeit. Das ist der „Sozialcheck“. Basierend auf Einkommensdaten der Finanzämter können zum Beispiel beim Heizungstausch Haushalte mit sehr hohem Einkommen mit null Prozent, Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen mit 30 Prozent und besonders einkommensschwache Haushalte mit 100 Prozent gefördert werden. Das ist auch der Vorschlag der Stiftung Klimaneutralität.
Während des Weltwirtschaftsforums in Davos fordern Protestler eine Milliardärssteuer.
Wäre es richtig, Habecks Heizungsgesetz und den Vorrang für die Wärmepumpe abzuschaffen, wie es vor allem die Union durchsetzen will?
Es gibt das gesetzliche Ziel der Klimaneutralität im Gebäudesektor. Technikoffenheit ist zwar immer wünschenswert, aber damit für das unbezahlbare Ziel Wasserstoff als Heizenergie oder gar indirekt für die Weiternutzung von Erdgas zu plädieren, verunsichert die Menschen und verursacht Fehlinvestitionen. Nahwärmenetze oder individuelle Heizungssysteme, die durch Wärmepumpen, Abwärme oder regenerative Energiequellen gespeist werden, sind ökologisch und ökonomisch am sinnvollsten. Gleichzeitig sollten im Gebäudebestand alle Energiesparoptionen ausgeschöpft werden.
Union und SPD halten am Ziel Klimaneutralität bis 2045 fest. Ist das angesichts des schleppenden Umbaus bei Heizung, E-Mobilität und Wasserstoffnutzung in der Industrie denn überhaupt zu schaffen? Es bleiben nur noch 20 Jahre ...
Klimaneutralität bis 2045 ist in Deutschland gesetzlich festgelegt. Es liegen zahlreiche Szenarien vor, dass Klimaneutralität bis 2045 nicht nur technisch, sondern auch kosteneffizient möglich ist. Weiter Abwarten ist teurer und wirkt gesamtwirtschaftlich rezessiv. Den Investitions- und Innovationsschub, den Wirtschaft und Gesellschaft jetzt brauchen, kann nur eine entschlossene Klimapolitik auslösen. Szenarien vermitteln bestmögliches Zukunftswissen, es in mutigeres Handeln umsetzen, müssen aber Politik, Wirtschaft und wir alle.

Privater Autogebrauch belastet Umwelt

Jüngst hat ein Kommentator im Berliner Tagesspiegel vorgeschlagen, in der Hauptstadt alle Privatautos abzuschaffen und durch halb so viele Carsharing-Wagen zu ersetzen. Ein radikaler Ansatz. Hat so etwas eine Chance?
In dieser zugespitzten Form nur dann, wenn gleichzeitig zusätzliche bezahlbare Mobilitätsalternativen – Busse, Bahnen, Fahrrad – für jedermann ermöglicht werden. Studien und unzählige Beispiele in reformbereiten Städten und Kommunen zeigen: Lebens-, Natur- und Stadtqualität leiden durch das Übermaß an privater Automobilität. Aber das ist änderbar. Die Vision ist: Eine Halbierung der Autoflotte bis 2045 und gleichzeitig bezahlbarer Zugang und gerechte Mobilität für alle in Stadt und Land. Es gibt zahlreiche Beispiele, was europaweit etwa in Paris, Barcelona, Kopenhagen oder Freiburg schon umgesetzt wird.
Sie sagen generell, ohne Suffizienz, also Genügsamkeit, geht es nicht. Was heißt das konkret?
Mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind zwei unverzichtbare technische Pfeiler für Klimaneutralität. Sie reichen aber nicht. Denn Wachstums- und Wohlstandseffekte haben die erwünschte CO₂-Minderung gebremst und teilweise sogar ins Gegenteil verkehrt. Effizienzgewinne bei Autos oder bei Gebäuden werden durch PS-Hochrüstung und steigende Wohnfläche neutralisiert. Daher muss ein gesellschaftlicher Dialog über diese Fragen geführt werden: Wie viel ist genug für wen und wer braucht mehr für ein würdiges Leben? In unseren Büchern „Earth4All Deutschland“ und „KlimaGerecht“ zeigen wir für Mobilität und Wohnen, wie durch Suffizienzpolitik ein Gewinn an Lebensqualität für alle möglich wird und wie die Einhaltung der planetaren Grenzen durch den Abbau von Ungleichheit erreicht werden kann.

Experte fordert nachhaltigere Wirtschaft

Aber wie kann man die Menschen davon überzeugen? Bisher geht es doch in die Gegenrichtung. Mehr ist besser als weniger ...
Das Narrativ und die Anreize müssen sich ändern. Es muss heißen: Anders ist besser. Denn das Immer-mehr – besonders für Superreiche – ist riskant und teuer für uns alle. Damit sind wir mitten in der Verteilungsproblematik. Spätestens jetzt, wo die Multikrisen sich häufen, kann den Fragen nach hauptsächlicher Krisenverursachung, Schadensbelastung und Lösungsverantwortung nicht mehr ausgewichen werden. Die relativ Wenigen, die zu viel haben, können teilen für das Gemeinwohl. Wirtschaftswachstum, das nicht mehr das Lebensglück aller steigert, brauchen wir nicht. Mit anderen Worten: Unsere Art des Wirtschaftens auf Kosten von Um-, Mit- und Nachwelt muss sich ändern. Wir brauchen einen Dialog über das gesellschaftspolitische Ziel der Transformation und die Wege zu einer Wohlergehensgesellschaft.
Gibt es Ansätze, wie die Transformation gelingen könnte?
Es existieren weltweit buchstäblich Tausende guter Praxis-Beispiele. Das Hauptproblem ist aber, dass die heutigen nicht nachhaltigen Eigentums-, Produktions- und Konsumverhältnisse eine Hochskalierung zu einer Wohlergehensgesellschaft derzeit nicht erlauben. Deswegen plädieren wir auch für einen großen gesellschaftlichen Dialog über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums und über Vergesellschaftung, wie im Grundgesetz angelegt. Wenn die (noch) bestehende Gleichheit vor dem Recht und die Demokratie zunehmend durch ausufernde ökonomische Ungleichheit und Macht ausgehebelt wird, dann helfen keine politischen Trippelschritte. Wir brauchen neue Visionen für das Land, in dem wir leben wollen. (Interview: Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © Michael Buholzer/dpa

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