Banaszak will Aus für Rente mit 63

Grüne lassen Merz im Rentenstreit abblitzen: „Betreutes Regieren ist vorbei“

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Die Grünen wollen Merz‘ Rentenpaket im Bundestag keine Mehrheit verschaffen. Banaszak präsentiert stattdessen eigene Vorschläge zur Rente.

Berlin – Grünen-Co-Parteichef Felix Banaszak nutzt ein Interview, um der schwarz-roten Koalition eine klare Absage im Rentenstreit zu erteilen. Während die Junge Gruppe der Union offen mit einem Nein droht, macht Banaszak deutlich, dass die Grünen nicht als Mehrheitsbeschaffer für Kanzler Friedrich Merz im Bundestag einspringen werden. Der Vorsitzende betont, die Regierung müsse ihre parlamentarischen Probleme selbst lösen.

Die Grünen unter Chef Felix Banaszak (l.) wollen Friedrich Merz beim Rentenpaket der Regierung keine Mehrheit im Bundestag verschaffen.

Zugleich weist Banaszak darauf hin, dass die derzeitige politische Stimmung eine Herausforderung für alle demokratischen Parteien sei. Trotz der Unzufriedenheit mit der Merz-Regierung profitiere keine der etablierten Kräfte davon, was er als Zeichen einer „schweren Zeit für grüne Politik“ wertet. Im Gespräch mit der Bild am Sonntag beschreibt er, dass ökologische und integrative Politik in dieser Phase besonders unter Druck stünden. Dies erklärt seiner Ansicht nach auch, warum die Grünen in Umfragen stabil, aber nicht stärker auftreten.

Grüne geben Merz im Renten-Streit Kontra

Im Zentrum des Interviews steht aber eine kompromisslose Absage an die Rentenpläne der Regierung. Banaszak sagt: „Wir stimmen gegen dieses Rentenpaket, weil es im Gesamten kein sinnvoller Umgang mit Geld ist und die Strukturprobleme überhaupt nicht anfasst.“ Er hält fest: „Ich halte dieses Rentenpaket in der Summe auch für falsch.“ Für die Koalition ist diese Klarheit ein Rückschlag, denn ohne die Zustimmung der Jungen Gruppe in der Union fehlt ihr die Mehrheit. Auf zuätzliche Stimmen der Grünen kann Merz nun nicht mehr hoffen. Die Linke hat sich eine Zustimmung zum Rentenpaket im Bundestag zuletzt offen gehalten.

Die Kritik des Grünen-Chefs richtet sich besonders an Kanzler Friedrich Merz (CDU). Mit dem Satz: „Betreutes Regieren ist jetzt vorbei. Die müssen das jetzt hinkriegen“ spricht Banaszak der Koalition jede Erwartungshaltung an die Opposition ab. Zugleich erinnert er daran, dass Merz Parteien, auf die er nun angewiesen sein könnte, kurz vor der Wahl noch als „Spinner“ bezeichnet habe. Vor diesem Hintergrund stellt der Grünen-Chef die Führungsfähigkeit des Kanzlers offen infrage.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Renten-Zoff: Merz unter Druck, Union ringt intern um Einigung

Während Banaszak klare Kante zeigt, arbeitet die Regierung fieberhaft an einer Lösung im Rentenstreit. Die Junge Gruppe der Union stellt zentrale Teile des Rentenpakets erneut infrage, darunter Haltelinie, Mütterrente, Aktivrente und Frühstartrente. Bei der CSU-Klausur in München mahnte Parteichef Markus Söder öffentlich zur Einigung und sagte gemäß der Süddeutschen Zeitung: „Daran darf eine Koalition niemals scheitern.“

Parallel dazu wird in Berlin ein drastischeres Mittel diskutiert: die mögliche Verknüpfung der Rentenabstimmung mit einer Vertrauensfrage. Strategische Berater halten dies für einen letzten Ausweg, sollte die Junge Gruppe ihre Blockade aufrechterhalten, schreibt der Spiegel. Für Merz wäre eine solche Eskalation riskant, weil sie seine eigene Schwäche offenlegen würde. Gleichzeitig könnte sie aber die Fraktion zu Geschlossenheit zwingen. Die Lage bleibt damit brisant und volatiler als jede andere soziale Reform in den vergangenen Jahren.

Porträt über Felix Banaszak

Banaszak
Felix Banaszak im Landschaftspark Nord, einem stillgelegten Hüttenwerk in Duisburg. „Diese Ruhrpott-Folklore fand ich früher rückwärtsgewandt. Aber mittlerweile weiß ich das als Teil unserer Identität wertzuschätzen.“  © Peter Sieben
Banaszak
Der Fotografierte wird zum Fotograf. Schon als Schüler „zwischen Klassenclown und Klassensprecher.“  © Peter Sieben
Banaszak in Duisburg
„Bier mit Banaszak“ heißt eine regelmäßige Runde in Duisburg. Oft wird es voll.  © Peter Sieben
Banaszak in Duisburg
„Bier mit Banaszak“.  © Peter Sieben
Banaszak
Felix Banaszak trifft seinen ehemaligen Mathelehrer. „Der Felix“ habe sich immer für Schwächere eingesetzt, erzählt der.  © Peter Sieben
Banaszak
Der Grünen-Chef sucht ein Kinderbuch für seine Tochter – als Geschenk, wenn er wieder nach Hause kommt.  © Peter Sieben
Banaszak
Banaszak in Duisburg. © Peter Sieben
Banaszak
Das Handy legt er selten aus der Hand.  © Peter Sieben
Banaszak mit Handy
Irgendwer will immer irgendwas – und der Chef reagiert.  © Peter Sieben
Banaszak
„Ich hatte mal einen Tag lang mein Handy verlegt, das war der Himmel auf Erden“, sagt Felix Banaszak. © Peter Sieben
Banaszak
Manchmal, wenn am Wochenende Zeit ist, zieht sich Banaszak mit seiner Familie zurück – an einen Ort ohne guten Handyempfang.  © Peter Sieben
Banaszak
Mittagspause beim Italiener. Wenn es mit der Politikkarriere vorbei ist, will er ein Restaurant aufmachen – oder eine Kneipe.  © Peter Sieben
Felix Banaszak, Zafer Sirakaya und Max Lucks (v.l.) bei der AKP in Ankara.
Treffen mit Ausblick: Felix Banaszak, Zafer Sirakaya und Max Lucks (v.l.) bei der AKP in Ankara.  © Peter Sieben
Max Lucks zusammen mit Grünen-Chef Felix Banaszak und der Vorsitzenden der Grünen im EU-Parlament, Terry Reintke, bei der CHP in Istanbul.
Max Lucks zusammen mit Grünen-Chef Felix Banaszak und der Vorsitzenden der Grünen im EU-Parlament, Terry Reintke, bei der CHP in Istanbul.  © Peter Sieben
Felix Banaszak und Max Lucks
Auf dem Weg zur AKP-Zentrale: natürlich mit Schlips.  © Peter Sieben
Banaszak
Kurzes Interview am Rande einer Wirtschaftskonferenz im Ruhrgebiet – dann geht es weiter.  © Peter Sieben
Banaszak
Social-Content-Produktion mit der Grünen-NRW-Fraktionschefin Verena Schäffer in Düsseldorf. © Peter Sieben
Banaszak
Entspannt in der Stammkneipe – manchmal sitzt er hier auch mit Bärbel Bas.  © Peter Sieben

Streit um Rente: Grüne wollen Rente mit 63 abschaffen

Die Ablehnung der Grünen bleibt derweil nicht bei reiner Kritik stehen. Sie präsentierten zuletzt ein eigenes Konzept. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung, die „Rente mit 63“ ab 2030 schrittweise ausschließlich jenen zu gewähren, die aus gesundheitlichen Gründen früher ausscheiden müssen. Die Grünen argumentieren, dass aktuelle Frühverrentungsprogramme die Fachkräftelage zusätzlich verschärften.

Gleichzeitig verlangen sie eine dauerhafte Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent, deutlich über die Jahr-2031-Grenze hinaus, die die Koalition anpeilt. „Richtig wäre, Menschen endlich die Sicherheit zu geben, dass das Rentenniveau dauerhaft nicht unter 48 Prozent sinkt“, heißt es im Grünen-Papier. Das Ziel: ein verlässliches und zukunftsfestes Alterseinkommen.

Grüne zum Rentenstreit: Auch Beamte und Selbstständige sollen einzahlen

Ein dritter zentraler Punkt betrifft die Finanzierung. Die Grünen wollen das System auf breitere Schultern stellen und künftig auch neue Beamte, Abgeordnete und nicht abgesicherte Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. Für die Partei ist das ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit – und zu langfristiger Stabilität des Systems.

Das steckt im grünen Gegenmodell zur Rente

Kernpunkte der Grünen

- „Rente mit 63“ ab 2030 nur noch bei gesundheitlichen Gründen
- Dauerhafte Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent
- Einbeziehung von neuen Beamten, Abgeordneten und Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung
- Weniger Frühverrentung – mehr Anreize für längeres Arbeiten
- Breitere Finanzierung statt kurzfristiger Steuererleichterungen

Banaszaks Kritik an Merz’ Auftritt in Brasilien

Im Bild-Interview attackiert Banaszak den Kanzler indes nicht nur in der Rentenfrage, sondern auch für dessen internationales Auftreten. Über Merz’ Besuch bei der Klimakonferenz in Brasilien sagt er: „Das Einzige, was von seinem Auftritt in Erinnerung bleibt, ist ein blöder Witz über den Austragungsort.“ Er warnt ferner, dass Deutschland außenpolitisch an Vertrauen verliere.

Auch bei der Finanzierung des Regenwaldfonds als ein Ergebnis des COP30 hält Banaszak deutliche Gegenargumente bereit. Die deutsche Milliarde sei unzureichend, sagt er: „Natürlich reicht das nicht. Norwegen, das einen wesentlich kleineren Haushalt und eine kleinere Volkswirtschaft hat, bezahlt das Dreifache.“

Grüne Selbstkritik von Banaszak: „Jedes Zerrbild hat einen wahren Kern“

Neben der Kritik an der Regierung äußert Banaszak im Interview selbstkritische Töne zur Wahrnehmung seiner Partei. Er sagt: „Jedes Zerrbild, so verzerrt es ist, hat irgendwo einen wahren Kern.“ Damit spielt er auf das Bild der „Belehrpartei“ an, das die Grünen seit vielen Jahren begleitet. Diese Einsicht gehört zu den seltenen Momenten, in denen Parteispitzen öffentlich über eigene kommunikative Schwächen sprechen.

Der Grünen-Chef beschreibt zudem, dass viele Mitglieder seiner Partei „geprägt von Leuten“ seien, „denen es vergleichsweise gut geht“. Dadurch entstehe leicht der Eindruck, man wisse es besser als andere Gruppen der Gesellschaft. Sein Gegenrezept fasst er in einem markanten Satz zusammen: „Nimm die Leute, wie sie sind. Du hast nur die. Du musst Politik mit den Leuten und für die Leute machen.“

Neue Perspektive: Banaszak bei „Illner“ und die Frage nach der Rolle der Opposition

Zusätzliche Klarheit zu seiner Rentenposition brachte Banaszak in der zurückliegenden Woche auch in der ZDF-Sendung „maybrit illner“. Bereits dort wies er ausdrücklich zurück, dass die Grünen als Ersatzmehrheit für die Koalition infrage kämen. Auf die Frage, ob seine Partei erneut einspringen würde, sagte er: „Nein, wir sind nicht der Lückenfüller an der Stelle. Dieses Rentenpaket ist so nicht gut.“

In der gleichen Sendung versuchte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Lage zu beruhigen und konstatierte, dass ein Koalitionsbruch gar nicht zur Debatte stehe. Gleichzeitig lobte er die Junge Gruppe dafür, dass sie „eine mehr als notwendige“ Diskussion angestoßen habe.

Auch politische Beobachter wiesen in der Sendung auf die fragile Lage hin. Journalist Michael Bröcker erklärte: „Die Koalition kann schon auf der Kippe stehen“, während Strafrechtlerin Elisa Hoven dafür plädierte, Konflikte nicht zu dramatisieren: „Wenn wir jeden Konflikt gleich hochstilisieren, da drohe der Koalitionsbruch – damit tun wir dem Land nichts Gutes.“ (Quellen: Bild am Sonntag, dpa, Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel, ZDF) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Imago/Carsten Koall/dpa (Montage)

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