Die Linke boomt: Partei hat jetzt fast doppelt so viele Mitglieder wie die AfD
VonFabian Scheuermann
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Die Linkspartei hat nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl erneut Grund zum Jubel: Sie meldet einen Rekordanstieg bei den Mitgliedern.
Berlin – Wenige Tage nach dem überraschend starken Abschneiden bei der Bundestagswahl mit 8,8 Prozent jubelt man bei der Partei Die Linke erneut: Wie die Frankfurter Rundschau am Dienstag (25. Februar) aus Parteikreisen erfuhr, knackte die Partei kurz nach der Wahl die Marke von hunderttausend Mitglieder: 102.412 waren es am Dienstag. So viele Mitglieder hatte die Linke noch nie. 43.250 Menschen seien seit Jahresbeginn beigetreten, heißt es.
„Wir erleben eine unglaubliche Entwicklung, Zehntausende hochmotivierte Mitglieder strömen in die Partei“, kommentierte Ko-Parteichef Jan van Aken am Dienstag die Zahlen. Und jedes neue Mitglied sei „ein Mensch mehr, der sich mit uns für die Themen der Menschen einsetzt“.
Linke meldete erst vor zwei Wochen einen Rekord bei Mitgliederzahlen
Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass die Linkspartei schon einmal einen Rekord bei den Mitgliederzahlen verkündete: Nach der gemeinsamen Migrations-Abstimmung der Union mit AfD, FDP und BSW Ende Januar war die Mitgliederzahl der Linken auf ein Allzeit-Hoch von 81.200 geklettert.
Wachstum wurde dabei in allen Teilen der Republik gemeldet – in Thüringen genauso wie in Hessen oder Berlin. Bei der Wahl am Sonntag hatte die Linke mit Berlin-Neukölln auch erstmals einen Wahlkreis im ehemaligen Westen direkt gewonnen. „Alle zusammen gegen den Faschismus“, rief der dort mit 30 Prozent der Erststimmen siegreiche Kandidat Ferat Koçak am Wahlabend in die jubelnden Menge.
Die klare Kante gegen rechts ist eines der Hauptthemen, das den aktuellen Aufschwung der Partei mit erklären kann. Während nach Aschaffenburg und München Politiker:innen aus alle anderen Parteien, sogar manche Grüne, nach mehr Abschiebungen von ausländischen Straftäter:innen riefen, forderte die Linkspartei, dass diese ihre Haft im hiesigen Rechtsstaat verbüßen sollen. Dem Mantra nach mehr Abschottung an den EU-Grenzen stellt die Linke die Forderung nach einer staatlichen Seenotrettung entgegen. Und sie fordert einen gut ausgestatteten Fonds für Kommunen, die viele Geflüchtete aufnehmen.
Linke gewinnt bei Bundestagswahl viele Grünen-Stimmen
Diese Positionen kommen an – auch wenn die Partei selbst gar keinen Migrationswahlkampf gemacht hat, sondern auf Themen wie bezahlbares Wohnen und höhere Steuern für Reiche gesetzt hatte. Viele Neumitglieder hätten gesagt, dass sie in die Partei eintreten, weil sie gegen das derzeitige dominierende rechte politische Klima aufsteht, berichtete am Montag der niedersächsische Linken-Landeschef Thorben Peters.
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Viele neue Mitglieder bei den Linken treibt die Klimakrise um
Auch in Niedersachsen, wo die Linke bisher nicht sonderlich erfolgreich war, stieg die Mitgliederzahl seit Jahresbeginn deutlich – von 3470 auf mehr als 7000. Viele der neuen – oft jungen – Mitglieder treibe auch die Klimakrise um, viele wünschten sich zudem eine Partei, die das Leben wieder bezahlbar mache, sagte Peters. Daten zur Wählerwanderung zeigen, dass die Linke im Vergleich zu 2021 rund 700.000 Stimmen von den Grünen gewinnen konnte.
„Wir hören zu, wir helfen praktisch, etwa mit der Heizkosten-Aktion, und wir unterstützen die Menschen vor Ort dabei, sich für ihre eigenen Interessen zu organisieren“, sagt Jan van Aken.
Die Linke hat nun etwa doppelt so viele Mitglieder wie die AfD, die diesen Monat bei 52.000 stand. Zum Vergleich: Die SPD hatte 2023 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) etwa 365.000 Mitglieder, die Unionsparteien 494.000 (2024) und die Grünen 169.000. (mit dpa/cd/coe)