Frankfurter Rundschau vor Ort

Klare Gaza-Botschaft von Klingbeil im Regierungsflieger nach Washington: „Möglichst schnell“

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Vizekanzler Klingbeil und Entwicklungsministerin Alabali Radovan reisen nach Washington. Der Zeitpunkt könnte kaum bemerkenswerter sein.

Washington, D.C. – Lars Klingbeil hätte sich kaum einen historisch bedeutenderen Zeitpunkt für seine Premiere aussuchen können: Zum ersten Mal reist er als Vizekanzler und Bundesfinanzminister zur Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington, D.C. – in Begleitung von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (beide SPD); nur zwei Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Friedensplan für Gaza in die Tat umsetzen konnte. Der Wiederaufbau dort ist neben Ukraine-Hilfen jetzt eines der zentralen Themen im Hauptquartier von IWF und Weltbank.

Vizekanzler Lars Klingbeil und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan im Regierungsflieger auf dem Weg nach Washington.

75 Milliarden Dollar wird es kosten, Gaza nach den monatelangen Bombardements wieder einigermaßen zu stabilisieren, schätzen IWF-Experten. Deutschland will sich dem Vernehmen nach mit einem dreistelligen Millionenbetrag beteiligen, Details wollte Ministerin Alabali Radovan noch nicht nennen. Klingbeil machte aber noch im Regierungsflieger nach Washington in der Nacht auf Mittwoch deutlich: „Deutschland übernimmt Verantwortung. Das gilt aktuell besonders für die Ukraine und Gaza.“ Es gehe jetzt vor allem darum, dass die humanitäre Hilfe vor Ort „möglichst schnell“ erfolge, und dann der eigentliche Wiederaufbau beginnen könne.

Klingbeil bei IWF-Tagung in Washington: Gaza im Fokus

Alabali Radovan und Klingbeil vermittelten auf dem Weg in die US-Hauptstadt das Bild eines eingespielten Teams. Die Botschaft: Der Vizekanzler weiß – nicht zuletzt angesichts der unsicheren Weltlage – durchaus um die Bedeutung des Entwicklungsministeriums. Auch wenn er als Finanzminister und Verwalter eines völlig durchlöcherten Haushalts wiederum zuletzt Budget-Einschnitte verlangen musste. Alabali Radovan wiederum hatte ihrerseits schon kurz nach Amtsantritt im Interview mit dieser Redaktion deutlich gemacht: Sie will um jeden Cent kämpfen. Und ihrem Ministerium, das oft als stiefmütterlich behandelt galt, zu einer prominenteren Rolle verhelfen.

Derweil ist die Lage in Gaza noch unübersichtlich: Die Frage, wie der Frieden, der sich im Moment zart andeutet, dauerhaft gehalten werden kann, ist noch lange nicht beantwortet. Ungeklärt ist unter anderem etwa, wer die Entwaffnung der Hamas übernimmt und wie sie vonstatten geht, wie Truppenabzüge organisiert werden sollen – und auf welche Weise Hilfsgelder in die Region gelangen, ohne dass sich Hamas-Leute Teile davon in die eigenen Taschen stecken.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Eine schnelle Stabilisierung Gazas ist wohl auch für die Stabilität Deutschlands wichtig. Denn die überaus prekäre Lage in Palästina könnte viele Menschen zur Flucht zwingen – und sowohl Jordanien als auch Ägypten haben bereits deutlich gemacht, dass sie keineswegs bereit sind, Geflüchtete in großem Stil aufzunehmen. Sich auf den Weg nach Deutschland zu machen, dürfte für viele eine Option sein.

Klingbeil hofft in den USA auf Investoren: „Außensicht auf Deutschland ist doch besser“

Fluchtursachen zu vermeiden, hat sich Alabali Radovan indes auf die Fahnen geschrieben – auch als Gegenentwurf oder zumindest Ergänzung zur Hardliner-Migrationspolitik von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Sie betonte: „Alte Allianzen werden infrage gestellt, neue formieren sich. Umso wichtiger bleiben die internationale Zusammenarbeit und mit ihr die Institutionen, die die Welt zusammenhalten.“

Der Vizekanzler geht bei der IWF-Tagung auch auf Investorensuche, auch dazu will er in Washington viele Gespräche führen. Deutschland gelte als Zielland Nummer eins vieler Investmentfonds. „Die Außensicht auf Deutschland ist doch besser, als es die Innensicht manchmal vermuten lässt“, sagt Klingbeil. Etwaige Gespräche vor Ort mit hohen US-Regierungsbeamten könnten indes angesichts des noch immer laufenden Shutdowns schwierig werden. (Aus Washington berichtet Peter Sieben)

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