Opposition in Russland macht sich Mut: Hoffnung auf Putin-Sturz nach der Wahl lebt
VonNils Thomas Hinsberger
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Im März finden Präsidentschaftswahlen in Russland statt. Der Sieg von Präsident Putin gilt als sicher. Könnte er dennoch scheitern?
Moskau – Mitten im Ukraine-Krieg wird in Russland ein neuer Präsident gewählt. Aber wird er das wirklich? Die Wahrscheinlichkeit, dass Wladimir Putin die Wahlen im März 2024 verliert, sind laut Umfragen eher gering. Die russische Opposition versucht dennoch, Russlands Machthaber bei den anstehenden Wahlen zu stürzen.
Umfragen zur Russland-Wahl sehen deutlichen Vorsprung für Putin
Für das Staatsinstitut „Allrussisches Meinungsforschungszentrum“ (WZIOM) steht der Sieg Putins allerdings bereits fest. Im November 2023 sprachen sich laut WZIOM 78,8 Prozent der russischen Bevölkerung für den amtierenden Präsidenten Putin aus. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das ist zwar ein leichter Rückgang von 0,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Ergebnis der Vorwoche, übertrifft aber das Wahlergebnis von Putins letztem Sieg. 2018 erreichte er knapp 77 Prozent der Stimmen.
Der Krieg gegen die Ukraine scheint dem Ansehen Putins also keinen allzu großen Schaden zugefügt zu haben. Ebenso wie seiner Unterstützerpartei „Einiges Russland“, die von WZIOM auf 40,1 Prozent geschätzt wird, sollten nächsten Sonntag Wahlen stattfinden. Die Statistik-Plattform Polit Pro sieht die Partei sogar bei über 50 Prozent. Mehr noch scheint Putin den Krieg für seine Kandidatur auszunutzen. Seine Kampagne wurde laut Associate Press (AP) von einem Kriegsveteranen in Gang gesetzt, der im Ukraine-Krieg einen Sohn verloren habe.
„Letztlich wird es also nur um den Krieg gehen“, merkt Nigel Gould-Davies, ehemaliger britischer Botschafter für Russland und Eurasien, am Intenational Institute for Strategic Studys in London, an.
Opposition hofft auf Putin-Umsturz nach Russland-Wahl
Von den aussichtsreichen Umfrageergebnissen für Putins Kandidatur lassen sich aber nicht alle Menschen in Russland entmutigen. Innerhalb der Opposition regt sich Widerstand. Nach wie vor hofft man, den Präsidenten aus seinem Amt befördern zu können. Die prominenteste Anti-Putin-Stimme gehört wohl Alexej Nawalny. Vor der Wahl rief er dazu auf, „jeden außer Putin“ zu wählen. Zudem betonte er die Notwendigkeit, Putin endlich aus seinem Amt als Präsident zu entfernen.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern
Erfolgversprechend sind die Umsturz-Versuche aber nicht. Fachleute haben bereits 2018 festgestellt, dass zwar alle Parteien grundlegend ungestörten Wahlkampf betreiben konnten, aber durch die Berichterstattung russischer Medien einen ungleichen Kampf gegen Putin führen. Einschränkungen im Versammlungsrecht, der Meinungsäußerung und der Kandidatenregistrierung hätten die Wahl zusätzlich erschwert. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters.
Ebenfalls sei die russische Wahlbeobachtungsbewegung Golos massiv unter Druck geraten. Angriffe und die Verhaftung des Chefs von Golos hätten darauf abgezielt, die Wahlbeobachtung zu untergraben.
Hat Putin ernsthafte Konkurrenz bei Russland-Wahl?
Putins Umfrageergebnisse lassen kaum Spielraum für weitere Kandidaten. Damit scheint der Sieger schon längst festzustehen. Die Umfrageergebnisse lassen sich zwar nicht unabhängig prüfen, vergleicht man aber die Ergebnisse der vergangenen Wahl scheinen die Angaben durchaus realistisch. Putins Konkurrenz muss zur Wahl außerdem erst einmal zugelassen werden. Daran scheiterten in der Vergangenheit bereits einige russische Oppositionelle.
Name
Wladimir Putin
Geburtsdaten
07.10.1952, St. Petersburg
Politisches Amt
Präsident Russland seit 2012
Partei
Einiges Russland
Der erste ist nun kurz davor, diese Hürde zu nehmen. Menschenrechtler und Rechtsanwalt Boris Nadeschdin dürfe jetzt damit beginnen, Unterschriften für seine Kandidatur zu sammeln. Außerdem kann er ein Spendenkonto eröffnen, was neben 100.000 Unterschriften eine Bedingung für seine Kandidatur darstellt. Der Kandidat der Partei „Bürgerinitiative“ gibt sich bislang optimistisch und sagte: „Wir schaffen das.“
Für die anstehende Wahl hat Putin sogar die Verfassung ändern lassen, um eine fünfte Amtszeit zu ermöglichen. Sollte er gewinnen, wäre eine Präsidentschaft bis 2036 möglich. Damit könnte der 71-Jährige erneut 13 Jahre im Amt bleiben und seine Präsidentschaft auf mehr als 33 Jahre ausdehnen. (nhi)