„Ein Weg ins Nichts“

Moskau: Sicherheitsgarantien für Ukraine ausschließlich mit USA, China – und Russland

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Die USA und Europa sprechen über Kiews Schutz, Moskau signalisiert Bereitschaft zu Sicherheitsgarantien. Aber nur mit sich selbst als Partner.

Moskau – Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat erklärt, dass Moskau grundsätzlich bereit sei, Sicherheitsgarantien für die Ukraine mitzutragen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Diese müssten „auf gleicher Basis“ durch mehrere Vetomächte des UN-Sicherheitsrates gestellt werden: Die USA, China, Großbritannien und Frankreich.

Lawrow: Sicherheitsgarantien für Ukraine nur mit USA, China – und Russland

Russland selbst müsse ebenfalls Teil eines solchen Arrangements sein. „Darüber hinaus ist die Erörterung irgendeiner Frage ohne Moskaus Beteiligung unangebracht“, betonte Lawrow gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Ohne Russland seien Sicherheitslösungen für die Ukraine „ein Weg ins Nichts“.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem jordanischen Außenminister Ayman Safadi unterstrich Lawrow, dass Moskau jede Lösung im Ukraine-Krieg ablehne, die Russland ausklammere. „Wir können nicht zustimmen, dass Fragen kollektiver Sicherheit ohne Russland entschieden werden. Das wird nicht funktionieren. Unsere legitimen Interessen werden wir fest und hart verteidigen“, erklärte er.

Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern

Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus.
Wolodymyr Selenskyj ist zurück im Weißen Haus. Auf Einladung Donald Trumps verhandelt der ukrainische Präsident dort über einen möglichen Frieden im Krieg mit Russland. © afp
Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg
Der Gipfel im Weißen Haus zum Ukraine-Krieg wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Noch vor wenigen Tagen war nichts über ein Treffen Trumps mit Selenskyj bekannt gewesen. © imago
Trump und Putin in Alaska
Dem Treffen Trumps mit Selenskyj ging der historische Gipfel des US-Präsidenten mit Russlands Machthaber Wladimir Putin in Alaska zuvor. Die beiden Staatsoberhäupter berieten im nördlichsten US-Bundesstaat über den Ukraine-Krieg und einen möglichen Frieden. © afp
Ukraine Gipfel in Washington
Die Erwartungen an den Ukraine-Gipfel sind so hoch wie die Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wird. Ursache sind unter anderem Selenskyjs letzter Besuch im Weißen Haus und die Dynamik, die seit Trumps Treffen mit Putin in die Ukraine-Verhandlungen gekommen zu sein scheint. © dpa
Selenskyj bei Trump
Im Gegensatz zum letzten Treffen Trumps mit Selenskyj im Weißen Haus war die Atmosphäre diesmal deutlich besser. Endete der letzte Auftritt noch im hitzigen Wortgefecht und im diplomatischen Debakel, waren beide diesmal um eine freundliche Beziehung bemüht. © afp
Selensky und Trump im Oval Office
Brian Glenn, Journalist beim rechtsextremen Sender Real America, hatte Wolodymyr Selenskyj beim letzten Besuch noch für seine Kleidung kritisiert. Der ukrainische Präsident erschien damals in einem Millitär-Pullover. Diesmal trug Selenskyj Anzug und Hemd. „Sie sehen in diesem Anzug fantastisch aus“, kommentierte Glenn Selenskyjs Outfit. Mit seiner Antwort hatte der ukrainische Präsident die Lacher auf seiner Seite. „Sie tragen denselben Anzug. Ich habe mich umgezogen, Sie offenbar nicht“, so Selenskyj. © afp
Vance im Oval Office
Am Treffen mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office nahmen neben Trump US-Außenminister Marco Rubio (r.) und Vizepräsident JD Vance teil. Der hatte den ukrainischen Präsidenten beim letzten Besuch im Weißen Haus noch attackiert und ihm Undankbarkeit vorgeworfen. © afp
Pete Hegseth
Ein weiterer Vertreter der Regierung Trumps beim Besuch Wolodymyr Selenskyjs: Verteidigungsminister Pete Hegseth. © imago
Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus
Nicht nur Wolodymyr Selenskyj reiste spontan nach Washington, DC. Unterstützung erhielt er beim Treffen mit Donald Trump von einer großen Delegation aus Europa. Hier kommt die Limousine von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Weißen Haus an. © imago
Meloni bei Trump
Meloni gilt als politische Verbündete Donald Trumps. Wie der Rechtspopulist in den USA setzt Italiens Ministerpräsidentin und Chefin der rechtsextremen Partei „Fratelli d‘Italia“ auf harte Abschiebepolitik und geschlossene Grenzen. In Sachen Ukraine-Krieg steht Meloni aber fest an der Seite Selenskyjs und ihrer europäischen Begleiter. © afp
Emmanuel Macron in Washington
Donald Trumps Protokollchefin Monica Crowley begrüßt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an der Tür des Weißen Hauses. Diese Rolle hat in der Vergangenheit bei solchen Besuchen Melania Trump übernommen. Von der First Lady war beim heutigen Ukraine-Gipfel aber zunächst nichts zu sehen. © afp
Ukraine-Treffen in Washington
Hier begrüßt Crowley Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Weißen Haus. © dpa
Alexander Stubb in Washington
Der wohl überraschendste Name auf der Liste der europäischen Delegation bei Trumps Gipfel gehört wohl Alexander Stubb. Finnlands Präsident dürfte aber eine Schlüsselrolle beim Versuch zukommen, Trump von Europas Position im Ukraine-Krieg zu überzeugen. Sein Land teilt sich mehr als 1.300 Kilometer Landgrenze mit Russland. Stubb dürfte die Aufgabe zukommen, Trump davon zu überzeugen, dass bei den Verhandlungen mit Russland nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern die Sicherheit Europas auf dem Spiel steht. © afp
Merz bei Trump
Mit von der Partie in Washington, DC ist Friedrich Merz. Dem Bundeskanzler wurde nach seinem letzten Besuch bei Donald Trump ein guter Auftritt attestiert. Diesmal will der CDU-Chef Wolodymyr Selenskyj bei seinen Verhandlungen über Frieden im Ukrainekrieg unterstützen. © afp
Merz bei Trump in Washington
Gegenüber der ARD bezeichnete Merz, hier bei der Ankunft am Weißen Haus, die Entwicklungen nach dem Treffen Trumps und Putins als „Licht und Schatten“. Der Bundeskanzler übte geschickt verpackte Kritik am US-Präsidenten. „Die Presse in Russland jubelt. Ein bisschen weniger wäre auch gut gewesen“, so der CDU-Chef in der Tagesschau. © afp
Ukraine Trump
In ähnlicher Besetzung hatte eine Delegation aus Europa in Sachen Ukraine-Krieg schon einmal Kontakt zu Donald Trump aufgenommen. Damals waren Keir Starmer, Emmanuel Macron, Polens Ministerpräsident Donald Tusk und Friedrich Merz in die Ukraine gefahren. Gemeinsam mit Wolodymyr Selenskyj berieten sie telefonisch mit Trump © imago
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer scheint frohen Mutes, als er zum Ukraine-Gipfel bei Donald Trump eintrifft. © dpa
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg
Die Europäische Union (EU) vertritt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg in Washington, DC. Von der Leyens letzter Besuch bei Trump endete mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. © dpa
Von der Leyen und Selenskyj
Kurz vor dem Ukraine-Gipfel mit Trump in Washington, DC empfing Ursula von der Leyen Wolodymyr Selenskyj in Brüssel. Dort beriet die EU-Kommissionspräsidentin sicherlich auch das gemeinsame Vorgehen mit dem Präsidenten der Ukraine. © imago
Ukraine Gipfel in Washigton
Die große Runde in Washington, DC zum Ukraine-Gipfel versammelt: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der britische Premier Keir Starmer, die Präsidenten Alexander Stubb (Finnland), Wolodymyr Selenskyj (Ukraine), Donald Trump (USA), Emmanuel Macron (Frankreich) stellen sich mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz und Nato-Generalsekretär Mark Rutte (v.l.n.r.) zum Gruppenbild auf. © afp
Macron und Trump in Washington
Bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz verteilte Donald Trump Komplimente in alle Richtungen. Sein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj sei wunderbar gewesen. Friedrich Merz als Freund zu haben, sei eine „große Ehre“ für ihn, so der US-Präsident. Über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (im Bild) sagte Trump: „Ich mag ihn seit dem ersten Tag. Und ich mag ihn immer noch. Das ist ungewöhnlich.“ © afp
Meloni bei Trump in Washington
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Donald Trump „eine großartige Führungspersönlichkeit, die viele inspiriert“. Sie habe „trotz ihres jungen Alters schon viel erreicht“, so Trump über die Rechtspopulistin. „Sie regiert auch schon eine ganze Zeit lang. Andere haben nicht so lange durchgehalten wie sie“, scherzte der US-Präsident über seine Kollegin aus Italien, das berühmt ist für seine häufigen Regierungswechsel. © afp
Vance und Starmer
JD Vance im Gespräch mit dem britischen Premier Keir Starmer. Der Vizepräsident war erst vor kurzem zum Urlaub auf den britischen Inseln. Sein Besuch im südenglischen Cotswolds löste Protest der heimischen Bevölkerung aus. © afp
Merz nach Treffen mit Trump
Nach dem ersten Gespräch mit Donald Trump beim spontanen Ukraine-Gipfel im Weißen Haus zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz sich optimistisch. Der Weg sei „offen für komplizierte Verhandlungen“. Vom US-Präsidenten forderte Merz, den Druck auf Wladimir Putin zu erhöhen. Der Kanzler wiederholte außerdem die Forderung der europäischen Vertreter nach einer Waffenruhe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiteres Treffen ohne eine Waffenruhe stattfinden kann“, stellte Merz klar. © dpa
Selenskyj und Trump nach Treffen im Weißen Haus
Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den vorangegangenen Austausch mit Donald Trump als „sehr gute Unterhaltung“. Man habe über „viele sensible Dinge“ gesprochen, so der ukrainische Präsident. Trump wiederum kündigte bereits ein Dreiertreffen zwischen ihm, Selenskyj und Russlands Präsidenten Wladimir Putin an. Die Frage sei „nicht, ob, sondern wann“ ein solcher Gipfel stattfinden würde. © afp

Lawrow erinnerte daran, dass schon bei den Friedensgesprächen in Istanbul im April 2022 die ukrainische Delegation vorgeschlagen hatte, die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates als Garantiemächte einzusetzen. Russland habe diesen Ansatz damals unterstützt. „Wir waren mit diesem Vorschlag einverstanden“, sagte Lawrow. Gleichzeitig warf er der EU vor, mit „unethischen Versuchen“ die Haltung der USA beeinflussen zu wollen, schreibt TASS, eine weitere russische Nachrichtenagentur.

Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Debatte im Westen über „Artikel-5-ähnliche“ Zusagen

Während Moskau auf Mitspracherecht pocht, diskutieren die westlichen Partner über konkrete Sicherheitszusagen. Im Weißen Haus hatten US-Präsident Donald Trump, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und mehrere europäische Staats- und Regierungschefs am Montag (18. August) über „Artikel-5-ähnliche“ Garantien beraten, die sich am Nato-Bündnis orientieren, jedoch außerhalb des Bündnisses greifen sollen.

Trump stellte klar, dass die USA zwar beteiligt sein würden, aber keine Bodentruppen entsenden. „Die europäischen Nationen werden die erste Verteidigungslinie sein“, sagte er gemäß der New York Times. Luftunterstützung sei hingegen denkbar. Auch seine Sprecherin Karoline Leavitt betonte: „US-Soldaten werden nicht in der Ukraine stationiert, aber wir können in der Koordination helfen und möglicherweise andere Mittel der Sicherheitsgarantien bereitstellen.“

Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow betont, dass Moskau Teil internationaler Sicherheitsgarantien für die Ukraine sein müsse.

Ukraine-Krieg: Europäische Überlegung und Abwägungen beim Thema Abschreckung

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer signalisierten, Europa sei bereit, sogenannte „Reassurance Forces“, im Sinne multinationaler Abschreckungseinheiten, in der Ukraine einzusetzen, um ein Friedensabkommen abzusichern, schreibt Politico. Doch Experten äußern Zweifel an der Realisierbarkeit. Allein zur Sicherung der über 1.000 Kilometer langen Frontlinie wären mindestens 100.000 Soldaten nötig, bei Rotation sogar rund 300.000. „Selbst wenn man alle Armeen Europas zusammenzählt, reicht das nicht aus“, warnte der britische Analyst Sean Bell gegenüber Sky News.

Deutschland zeigte sich vorsichtiger. Kanzler Friedrich Merz verwies auf die Notwendigkeit eines Bundestagsmandats und ließ offen, ob die Bundeswehr Teil einer künftigen Friedensmission sein könnte. Polen wiederum schloss die Entsendung eigener Truppen kategorisch aus, da diese für den Schutz an der Grenze zu Russland und Belarus benötigt würden.

Wer bietet welche Sicherheitsgarantien für die Ukraine?

Akteur / LandHaltung zu GarantienMögliche BeiträgeEinschränkungen / Bedingungen
RusslandBesteht auf Beteiligung; lehnt Garantien ohne Moskau abEigenes Mitwirken als Garant, politisches MitspracherechtKein Nato-Beitritt der Ukraine, Vetorecht über Formate, Anerkennung russ. Interessen
USATrump: Garantien ja, aber keine BodentruppenLuftunterstützung, Geheimdienstinfos, KoordinationEuropäer sollen Hauptlast tragen
GroßbritannienBefürwortet „Reassurance Forces“Truppenbeteiligung, LuftüberwachungUnklar, ob Mandat und Ressourcen ausreichen
FrankreichMacron: bereit für Einsatz zu Land, Luft und SeeEntsendung von Soldaten, Aufbau von AbschreckungskräftenPolitisch unter Druck, begrenzte Truppenstärke
DeutschlandMerz vorsichtig, Bundestagsmandat nötigLogistik, Ausbildung, evtl. kleinere TruppenkontingenteZögerlich, innenpolitisch umstritten
PolenGrößte EU-Armee, aber keine Truppen für UkraineLogistik, Nachschub, Unterstützung über GrenzeWegen eigener Grenze zu Russland/Belarus keine Entsendung
TürkeiKönnte wichtige Rolle spielenMarine im Schwarzen Meer, großes Heergroßes Heer Politisch heikel, EU skeptisch bei Finanzierung
UkraineWill „Artikel-5-ähnliche“ GarantienEigenes Militär bleibt Hauptverteidigung, Kooperation mit GarantenKein Nato-Beitritt, Vertrauen in westliche Zusagen gering

Quellen: RIA, Sky News, Politico, DW, New York Times.

Moskau will Vetorecht über Garantien für Kiew

Beobachter verweisen darauf, dass Russland mit seiner Forderung nach Einbindung faktisch ein Vetorecht über mögliche Sicherheitsgarantien beansprucht. „Russland interpretiert Sicherheitsgarantien nicht als einseitige westliche Zusagen, sondern als multilaterales System, in dem Moskau selbst eine zentrale Rolle spielt“, analysiert Alexander Chekov vom Moskauer Staatlichen Institut für internationale Beziehungen gemäß der Newsweek.

Viele Experten warnen jedoch: Sollte Russland Teil des Garantiemechanismus werden, könnte es im Ernstfall die Auslösung von Schutzmaßnahmen blockieren. Damit wäre das gesamte Konstrukt geschwächt.

Sicherheitsgarantien für die Ukraine: Historische Erfahrungen prägen Skepsis

Die Ukraine erinnert sich an gebrochene Zusagen. Das Budapester Memorandum von 1994, in dem die USA, Großbritannien und Russland die Souveränität Kiews garantierten, wurde mit der Annexion der Krim 2014 von Moskau verletzt. Auch die Minsker Vereinbarungen von 2014/15 konnten keine dauerhafte Sicherheit schaffen.

Angesichts dieser Erfahrungen fordert Präsident Selenskyj belastbare Mechanismen. „Wir brauchen Sicherheit, die in der Praxis funktioniert“, sagte er jüngst, schreibt die New York Times. Doch Macron stellte nach dem Treffen im Weißen Haus mit Blick auf den Ukraine-Krieg klar: „Sicherheitsgarantien kommen erst mit einem Friedensabkommen. Und ich glaube nicht, dass Präsident Putin derzeit Frieden will.“ (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA

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