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Die Angst vor einem Atomkrieg ist noch immer präsent. Ex-Siko-Chef Ischinger appelliert an Kanzler Scholz und warnt vor einer nuklearen Eskalation.
München – Aktuelle Entwicklungen im Ukraine-Krieg schüren die Angst um eine nukleare Eskalation. In den vergangenen Wochen hatte der Kreml häufiger Drohungen gen Westen ausgesprochen und vor einem Atomkrieg gewarnt. Auch Kreml-Chef Wladimir Putins angebliche Atomschiffe hatten kurzzeitig Spekulationen um einen Atomkrieg befeuert. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ist auch Thema bei der Münchner Sicherheitskonferenz (Siko). Deren Ex-Chef Wolfgang Ischinger hat gemeinsam mit 34 früheren hochrangigen Politikern von den Atommächten vor der Siko einen klaren Appell an Kanzler Olaf Scholz (SPD) gerichtet.
Angst vor Atomkrieg: Ischinger warnt in Brief an Scholz „erhöhtem Risiko“
In einem Brief an Kanzler Scholz warnte die Gruppe um Ischinger vor dem erhöhten Risiko eines Atomkriegs und fordern stärkere Sicherheitsvorkehrungen der Atommächte. Der Brief wurde gemeinsam mit ein entsprechender Aufruf der „European Atlantic Security Leadership Group“ an diesem Freitag veröffentlicht. Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören auch der frühere britische Verteidigungsminister Des Browne und der ehemalige russische Außenminister Igor Iwanow.
„Heutzutage wächst die Gefahr, dass in einem Moment der Krise eine schreckliche Entscheidung zum Einsatz von Atomwaffen getroffen wird – basierend auf falschem Urteilsvermögen, falschen Angriffswarnungen oder anderen Fehlkalkulationen“, heißt es in dem Aufruf. Es gebe auch das Potenzial für Gegner, einschließlich Terroristen, Cyberangriffe auf die Kommandostrukturen von Atomwaffen und Frühwarnsysteme durchzuführen.
Atomkrieg 2023: Ex-Siko-Chef fordert Atommächte zur Vermeidung einer nuklearen Eskalation auf
Die Unterzeichner fordern mit Blick auf die aktuelle Lage müssten strengere Sicherheitsvorkehrungen zur Verhinderung eines versehentlichen oder irrtümlichen Einsatzes einer Atomwaffe. Alle Kernwaffenstaaten würden aufgerufen, die Sicherheit in ihrem Nuklearbereich zu überprüfen. Die fünf offiziellen Atomwaffenstaaten USA, Russland, Frankreich, China und Großbritannien könnten die Ergebnisse etwa mit den Unterzeichnern des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen teilen, heißt es. Jede Atommacht müsse zudem Verantwortung übernehmen, das Risiko eines nuklearen Fehlers zu reduzieren, nukleare Bedrohungen zu vermeiden und eine Konfrontation der Atommächte zu vermeiden, fordern die Unterzeichner.
Vor einem Atomkrieg hatten auch Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht sowie die prominente Journalistin Alice Schwarzer gewarnt. In ihrem „Friedens-Manifest“ forderten sie Scholz auf, die Waffenlieferung zu stoppen und auf Verhandlungen zu setzen. Spätestens wenn die ukrainischen Streitkräfte die Krim angreifen sollten, werde der russische Präsident Wladimir Putin „zu einem maximalen Gegenschlag“ ausholen, warnten Wagenknecht und Schwarzer in ihrem Manifest.
Ukraine-Krieg: Erste Sicherheitskonferenz findet Freitag in München statt
Die erste Münchner Sicherheitskonferenz seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beginnt an diesem Freitag. Dort steht dieses Jahr steht der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im Fokus. Aus der Ukraine wird unter anderen Außenminister Dmytro Kuleba in München erwartet. Insgesamt werden mehr als 40 Staats- und Regierungschefs sowie 90 Minister dabei sein, unter ihnen neben Kanzler Scholz (SPD) auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der polnische Präsident Andrzej Duda. (bohy/dpa)
