Musk im Untergrund: Trumps Berater ist immer weniger präsent
VonLaura May
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Elon Musk war bisher eine entscheidende Persönlichkeit für die zweite Amtszeit von Donald Trump. Der Tesla-Boss zieht sich jedoch immer weiter zurück. Es gibt dafür eine Reihe von Gründen.
Washington – Je länger Donald Trump im Amt ist, desto mehr rückt Elon Musk in den Hintergrund. Während der reichste Mann der Welt in seiner Funktion als Berater der US-Regierung zunächst fast jeden Tag für Schlagzeilen sorgte, ist es inzwischen ruhig geworden um den populistischen Milliardär.
Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist der ideologische Unterschied zu Trumps Zollpolitik der nationalen Abschottung. Elon Musk ist Unternehmer, und noch dazu ein sehr radikaler. Der freie Markt ist für ihn so etwas wie eine Religion, dem keine Steine in den Weg gelegt wegen dürfen. Der Staat soll Musks Meinung nach so stark geschrumpft werden, wie es nur geht. Dafür hat er von Argentiniens libertärem Präsidenten eine Kettensäge überreicht bekommen.
Vor allem die Zollpolitik spaltete Donald Trump und Elon Musk
Musk hat Trumps Zollpolitik bereits offen, wenn auch indirekt, kritisiert. In einer Videobotschaft beim Parteitag der rechtspopulistischen Lega in Italien sagte er Anfang April, aus seiner Sicht sollten die USA und Europa idealerweise zu einer „Null-Zoll-Situation übergehen, um so eine Freihandelszone zwischen Europa und Nordamerika zu schaffen“. Das wünscht sich auch der designierte deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz.
US-Medien hatten bereits zuvor über wachsende Spannungen im Team Trump berichtet - Musk war etwa wegen seines rabiaten Vorgehens zur Senkung der Staatsausgaben kritisiert worden. Trumps Handelsberater Peter Navarro wurde von Musk bereits öffentlich als „Idiot“ bezeichnet. Navarro sei „dümmer als ein Sack Backsteine“, schrieb Musk im Onlinedienst X.
Tesla vor dem Niedergang: Wie Elon Musk den Ruf seines Goldesels zerstörte
Die offenen Konflikte mit der Trump-Administration schwächen Musks politischen Einfluss und haben Auswirkungen auf sein Auftreten. Zu Beginn seiner Beratertätigkeit griff er Trump-Mitarbeiter wie Außenminister Marco Rubio offen an, wenn sie seiner Meinung nach nicht genug Geld gespart haben. Im März sprach Trump ein Machtwort und informierte seine Minister, dass sie sich nicht alles von Musk gefallen lassen müssen. Man werde mit einem „Skalpell, nicht mit einer Axt“ vorgehen, schrieb der Präsident damals auf Truth Social mit Blick auf Musks Kettensäge.
Elon Musk ist zahm geworden und spricht positiv über US-Administration
Inzwischen spricht Musk versöhnlich über die US-Regierung. In der jüngsten Kabinettssitzung begann er seinen Bericht über die jüngsten Kürzungen mit den Worten: „Dank Ihrer fantastischen Führung“. Und auch der Populismus in seinen Sparvisionen wird gemäßigter. Tönte er zu Beginn noch damit, ein bis zwei Billionen Dollar durch seine Maßnahmen einzusparen, sprach Musk vergangene Woche laut einem Bericht der Welt nur noch von 150 Milliarden.
All die politischen, juristischen und imagetechnischen Probleme des Milliardärs führen zu einem stillen Rückzug aus der US-Politik. Es wirkt, als hätte Trump ihn für die grobe Arbeit geholt und würde ihn nun langsam absägen, um seinen eigenen Ruf zu schützen und Gerichtsprozesse zu vermeiden, die auf umstrittene DOGE-Maßnahmen folgen könnten.
Auch die Marke Tesla leidet unter Elon Musks Allmachtsfantasien in der US-Politik
Elon Musks Imageproblem trifft auch seine Unternehmen. Über viele Jahre hinweg war der Elektro-Automobilkonzern Tesla das Aushängeschild der Branche. Hier wurden zukunftsfähige Konzepte entwickelt und Innovation großgeschrieben. In den letzten Monaten fand allerdings ein Wandel statt. Die Verkaufszahlen brechen ein und das Ansehen sank - und sinkt immer noch.
Schon immer nahm CEO Elon Musk eine wichtige Rolle bei der Vermarktung von Tesla ein. Sein charismatisches Auftreten zog viele Kunden in den Bann. Doch in letzter Zeit erzeugte Musk zunehmend negative Aufmerksamkeit, unter anderem durch sein politisches Engagement und zweifelhafte Äußerungen auf Social Media. Da Tesla zum Großteil über Musk definiert wird, wird das Image der E-Mobility-Marke von den durchwachsenen Schlagzeilen in Mitleidenschaft gezogen. Die Konsequenz: Kunden und potenzielle Käufer verlieren das Vertrauen in Tesla. (lm/dpa/afp)