Nach Charlie Kirks Tod: Witwe Erika übernimmt Turning Point USA
VonMax Nebel
schließen
Charlie Kirks Witwe Erika steht nach dem Anschlag nun an der Spitze von Turning Point USA. Der Vorstand möchte Kontinuität sicherstellen.
Phoenix/Glendale – Erika Kirk übernimmt nach dem tödlichen Anschlag auf ihren Ehemann die Führung bei Turning Point USA. Die 36-Jährige wird die Organisation durch die nächste Phase steuern und den öffentlichen Abschied in Glendale, Arizona, mitgestalten. Für Sonntag (21. September) ist dort eine große Trauerfeier für Kirk geplant, bei der hochrangige Politiker und Vertreter der Rechten aus den USA sprechen wollen.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Turning Point USA (TPUSA) ist ein 2012 gegründetes konservatives Netzwerk, das vor allem an Highschools und Universitäten aktiv ist. Ziel ist es, junge Menschen für rechte Politik, christlichen Nationalismus und die Ideen der „Make America Great Again“-Bewegung (“MAGA“) zu gewinnen. Unter der Leitung von Charlie Kirk wuchs TPUSA zu einer der einflussreichsten Organisationen der Republikaner heran, mit Hunderten von Ortsgruppen und einem großen Medienapparat. Nun soll Erika Kirk das Erbe ihres Mannes sichern und die Strukturen weiter ausbauen.
Nach Charlie Kirks Ermordung: Witwe Erika übernimmt Turning Point USA
Der Vorstand würdigte in einem öffentlichen Statement, das auch via X verbreitet wurde, Charlie Kirk als Gründer und formulierte eine klare Botschaft der Fortsetzung: „Wir werden nicht kapitulieren oder vor dem Bösen niederknien. Wir machen weiter.“ Man habe Erika Kirk „einstimmig“ gewählt und damit auch dem ausdrücklichen Wunsch Charlies entsprochen, hieß es in der Mitteilung.
Für Sonntag ist eine öffentliche Gedenkfeier im State Farm Stadium in Glendale angesetzt. Dort sollen unter anderem Präsident Donald Trump, Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio sprechen, schreibt Fox News. Auf der Website der Veranstaltung heißt es: „Charlies Leben war ein Zeugnis für Glauben, Mut und Überzeugung.“ Damit wird klar: Die Feier soll nicht nur ein Abschied sein, sondern auch eine Demonstration von Geschlossenheit innerhalb der konservativen Bewegung.
Charlie Kirk prägte mit Turning Point USA die konservative Jugendbewegung in den USA. Nach seiner Ermordung tritt seine Witwe Erika an die Spitze der Organisation und verspricht, sein Erbe fortzuführen.
Ermittlungen und Tatverdächtiger nach Mord an Charlie Kirk: Verfahren nimmt Fahrt auf
Die Polizei nahm zwischenzeitlich den 22-jährigen Tyler Robinson fest, der wegen Mordes angeklagt ist. Die Staatsanwaltschaft von Utah kündigte an, die Todesstrafe fordern zu wollen. Laut ausgewerteten Chatnachrichten soll Robinson die Tat im Umfeld bereits eingeräumt haben. Ermittler berichteten, er habe erklärt, Kirk verbreite „zu viel Hass“, schreibt die New York Post.
Der 31-jährige Charlie Kirk war im Rahmen seiner „American Comeback Tour“ in Orem, Utah, während eines Vortrags von einem einzelnen Schuss in den Hals tödlich getroffen worden. Kurz darauf würdigte Donald Trump ihn via Truth Social als jemanden, der „das Herz der Jugend“ in den USA verstanden habe.
„Die Bewegung wird nicht sterben“: Erika Kirk setzt auf Offensive
Nur zwei Tage nach der Tat wandte sich Erika Kirk in einer emotionalen Rede an die Öffentlichkeit. Dabei richtete sie sich direkt an den Täter und dessen Unterstützer: „Ihr habt keine Ahnung, welches Feuer ihr in dieser Ehefrau entfacht habt. Die Schreie dieser Witwe werden wie ein Kriegsschrei um die Welt hallen.“ Außerdem versprach sie gemäß der Washington Post: „Die Bewegung, die mein Mann aufgebaut hat, wird nicht sterben.“
Auch intern bemühte sich Erika Kirk sofort um Stabilität. In einer Videokonferenz mit rund 1.500 Beschäftigten habe sie versichert, so CNN, „alles ist stabil und sicher“ und kündigte an, „Charlies Mission genau wie geplant fortzuführen“. Laut Mikey McCoy, dem Stabschef von Turning Point, habe sich das Gespräch mit ihr „zum ersten Mal angefühlt, als würde ich mit Charlie sprechen“, berichtet das Portal Axios.
Turning Point USA – Jugendnetzwerk der US-Rechten
Turning Point USA (TPUSA) wurde 2012 von Charlie Kirk und dem Geschäftsmann Bill Montgomery gegründet. Ursprünglich als kleine Campus-Initiative gestartet, entwickelte sich die Organisation zu einem der einflussreichsten konservativen Jugendnetzwerke der USA. Ziel ist es, junge Menschen für rechte Politik zu mobilisieren und sie dauerhaft an die Republikanische Partei zu binden.
Bekannt wurde TPUSA vor allem durch seine aggressive Präsenz an Universitäten und Highschools, wo es mit Veranstaltungen, Social-Media-Kampagnen und gezielter Provokation Aufmerksamkeit erregte. Unter Kirks Führung entstand ein weit verzweigtes Netzwerk mit Tausenden aktiven Mitgliedern und Ortsgruppen im ganzen Land.
Kritiker werfen TPUSA jedoch vor, immer wieder Desinformation zu verbreiten – etwa zu den Themen Corona-Pandemie oder angeblichem Wahlbetrug bei den US-Präsidentschaften. Auch die Nähe zu Donald Trump und die Förderung nationalistischer Rhetorik stoßen auf Kritik. Beobachter betonen, dass die Gruppe stark polarisiert: Für viele junge Republikaner ist sie identitätsstiftend, für Gegner ein Motor der gesellschaftlichen Spaltung.
(Quellen: NPR, PBS, BBC, Sky News, Washington Post, The Independent, Business Insider)
Turning Point USA im Aufwind: Zehntausende Anfragen für neue Chapter
Trotz – oder gerade wegen – des Anschlags erlebt TPUSA einen enormen Zulauf. In den ersten 48 Stunden nach der Tat seien über 32.000 Anfragen zur Gründung neuer Campus-Gruppen eingegangen. Wenige Tage später sprach die Organisation bereits von mehr als 54.000 Interessensbekundungen. Derzeit zählt TPUSA, schreibt Axios, etwa 900 College- und 1.200 Highschool-Chapter und ist damit eines der größten konservativen Jugendnetzwerke des Landes.
Auch die mediale Arbeit soll weiterlaufen. Kirks Podcast, der regelmäßig hohe Reichweiten auf Spotify und Apple erreichte, wird seit seinem Tod von Weggefährten interimistisch moderiert – unter anderem von Vizepräsident JD Vance. Noch ist unklar, wer das Format dauerhaft übernimmt.
Wer ist Erika Kirk? Porträt der neuen TPUSA-Chefin
Erika Kirk (geb. Frantzve) wuchs in Scottsdale, Arizona, auf. Nach einem Studium der Politikwissenschaft spielte sie kurz NCAA-Basketball und gewann 2012 den Titel Miss Arizona USA, heißt es in der New York Times. Sie moderiert den wöchentlichen Glaubens-Podcast „Midweek Rise Up“ und gründete das christliche Modelabel Proclaim.
In den vergangenen Jahren betonte sie häufig, Ehe und Mutterschaft über die Karriere zu stellen. Gleichzeitig tritt sie nun an, ein landesweit einflussreiches Jugendnetzwerk mit Tausenden von Mitgliedern zu führen – ein Rollenwechsel, den Beobachterinnen und Beobachter als bemerkenswert einstufen. In ihrer Trauerrede versprach sie gemäß der New York Times: „Ich werde Turning Point zur größten Sache machen, die diese Nation je gesehen hat.“ (Quellen: Fox News, New York Post, CNN, Axios, Washington Post, The New York Times)(chnnn)