Nach Gaza-Deal: Gelingt Trump nun Putin-Kehrtwende für ein Ende des Ukraine-Kriegs?
VonTadhg Nagel
schließen
Trump empfängt Selenskyj am Freitag im Weißen Haus. Der Gaza-Deal weckt Hoffnung auf ein Ende des Ukraine-Kriegs. Kann Trump nun Putin umstimmen?
Kyjiw/Washington, D.C. – Während sich im Nahen Osten Entspannung abzeichnet, tobt der Ukraine-Krieg weiter in voller Härte. Trotzdem stimmt der Waffenstillstand in Gaza auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zuversichtlich. Am Freitag (17. Oktober) wird er erneut von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen. Trump signalisiert damit weiterhin engere Beziehungen zur Ukraine, nachdem er das Land monatelang unter Druck gesetzt hatte, Zugeständnisse gegenüber Russland zu machen. Ist damit auch in diesem Konflikt eine Kehrtwende in Sicht?
Der US-Präsident bestätigte das Treffen, als er am Montag (13. Oktober) auf dem Rückweg aus dem Nahen Osten mit Reportern an Bord der Air Force One sprach. In der ägyptischen Stadt Scharm El-Scheich hatte er dort, gemeinsam mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, einen „Gipfel für den Frieden“ geleitet, um das Abkommen zwischen der Hamas und Israel formell zu besiegeln. Auf die Frage, ob er Selenskyj am Freitag empfangen werde, antwortete Trump im Anschluss: „Ich denke schon, ja.“ Das berichtet NBC News.
Gaza-Waffenstillstand weckt Hoffnung für Ukraine-Krieg: Selenskyj trifft Trump im Weißen Haus
Diese Äußerung erfolgte einen Tag nach dem Telefonat zwischen Trump und Selenskyj, in dem die Möglichkeit diskutiert wurde, dass Kyjiw Tomahawk-Raketen erwerben könnte, um wirkungsvoller gegen Russland vorzugehen – eine Idee, die der US-Präsident zuvor abgelehnt hatte, da er eine weitere Eskalation des Konflikts befürchtete. In separaten Äußerungen gegenüber Reportern an Bord der Air Force One schnitt Trump das Thema am Montag erneut an. „Wir werden es vielleicht nicht tun, aber wir könnten es tun“, so seine vage Aussage. Er fuhr fort: „Ich halte es für angebracht, das Thema anzusprechen – ja, das möchte ich. Ich möchte, dass der Krieg beendet wird.“
Seit einer kühlen Konfrontation im Oval Office im Februar hat sich die Beziehung der beiden Staatsoberhäupter deutlich verbessert. Trump hat seitdem seine Strategie aufgegeben, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu umschmeicheln, um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen. Er erklärte im September in einem Beitrag auf Truth Social, dass die Ukraine ihr Territorium zurückgewinnen könne, da Russland wie ein „Papiertiger“ wirke. Ebenfalls im September bezeichnete er Russland erstmals als „Aggressor“ in diesem Krieg.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Selenskyj optimistisch: Friedensnobelpreis für Trump nach Deal im Ukraine-Krieg möglich
Zusammen mit dem Verhandlungserfolg in Gaza hat diese Entwicklung beim ukrainischen Präsidenten offenbar Optimismus geweckt. In einem Interview am Sonntag (12. Oktober) bei Fox News signalisierte er, dass Trumps Erfolg ihn zuversichtlich gemacht habe, dass zwischen Russland und der Ukraine Frieden erreicht werden könne. Mit Blick auf den Friedensnobelpreis, den der US-Präsident gerne verliehen bekommen würde, sagte er: „Wenn er es schafft, hoffe ich das und möge Gott ihm dabei helfen. In diesem Fall werden wir ihn natürlich nominieren und sind stolz darauf, ihm gratulieren zu dürfen“.
Mit seiner Hoffnung ist er nicht allein. Selenskyj versuche „natürlich, eine Linie zwischen den beiden Konflikten zu ziehen“, so ein ranghoher ukrainischer Regierungsmitarbeiter laut der Süddeutschen Zeitung. Dennoch habe sich die Wirkmacht des US-Präsidenten gezeigt. „Wenn man wie Trump so großen Druck auf Israel und die Araber machen kann, dann kann man doch auch genauso großen Druck auf Russland machen“, sei er überzeugt.
Drei Szenarien für Ukraine-Treffen am Freitag: Von Waffenlieferungen bis hin zu keinem Ergebnis
Ob das Treffen am Freitag die gewünschte Wirkung entfaltet, müsse sich aber erst noch zeigen, so der Bericht. Im bestmöglichen Fall bekomme die Ukraine eine Zusage für „substanzielle neue Waffenlieferungen“, schätze ein enger Mitarbeiter Selenskyjs die Lage ein. Für realistischer halte er „mehr Hilfe bei der Luftverteidigung“ – also statt Tomahawk-Raketen genügend Munition für die Patriot-Luftabwehrsysteme. „Es gibt aber auch noch ein schlechtes Szenario“, habe die Quelle zu bedenken gegeben. Dieses sei: „Wir fahren hin, treffen uns, aber dann redet Trump wieder mit Putin, und es passiert nichts.“
In einem Beitrag auf X forderte Selenskyj die Staats- und Regierungschefs am Dienstag (14. Oktober) nochmals auf, nicht nachzulassen. „Jetzt, da der Krieg im Nahen Osten zu Ende geht, ist es wichtig, den Schwung für den Frieden nicht zu verlieren.“, so der ukrainische Präsident. Dafür sei die Führungsrolle der USA und der Partner der Ukraine von „größter Bedeutung“.
Ähnlich scheint das Friedrich Merz (CDU) zu sehen. Am Montag erklärte der Bundeskanzler, mit dem Waffenstillstand im Nahen Osten verbinde sich „die Hoffnung, dass der amerikanische Präsident den Einfluss, den er ausgeübt hat auf die Beteiligten in der Region, jetzt auch mit uns gemeinsam ausübt auf die russische Regierung“. Zugleich versprach er, „heute Nachmittag die Gelegenheit nutzen, um mit dem amerikanischen Präsidenten erneut darüber zu sprechen, was wir gemeinsam tun können, auch diesen Krieg zu beenden“. (Quellen: Bundesregierung, dpa, Fox News, NBC News, Politico, Süddeutsche Zeitung) (tpn)