Nach Tötung von Drusen: Israel fliegt Luftangriffe rund um syrischen Präsidentenpalast
VonLea Winkler
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Die Gewalt bewaffneter Milizen gegen Drusen in Syrien spitzt sich zu. Israel reagiert mit gezielten Luftschlägen bei Damaskus und droht der syrischen Regierung.
Damaskus – Seit Anfang der Woche kommt es in Syrien zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen sunnitischen Milizen – laut Angaben syrischer Beobachter mit losen Verbindungen zur syrischen Führung in Damaskus – und drusischen Bewaffneten. Dabei sollen laut der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sein.
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Israels Luftwaffe greift Ziele in Damaskus an: Schutzversprechen für Drusen auch in Syrien
Israels Luftwaffe hat nun mehrere Ziele in der Hauptstadt Damaskus angegriffen. Dabei seien Ziele nahe dem Präsidentenpalast getroffen worden, teilte das Militär mit. Es sei „eine klare Botschaft an das syrische Regime. Wir werden nicht zulassen, dass Truppen südlich von Damaskus geschickt werden oder die drusische Gemeinschaft bedroht wird“, zitierten israelische Zeitungen aus einer gemeinsamen Stellungnahme von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz.
„Wir sind dem Schutz der Drusen verpflichtet und beobachten die Lage genau. Sollte es erneut zu Angriffen kommen und das Regime diese nicht unterbinden - werden wir mit großer Härte reagieren.“ Am Mittwoch hatte die israelische Luftwaffe bereits mehrmals Ziele in Syrien angegriffen. Nach israelischen Militärangaben wurden nahe Damaskus Personen beschossen, die Drusen angriffen.
Auseinandersetzung zwischen Drusen und syrischen Milizen: „Massaker als Werkzeug des Terrors“
Die Drusen sind eine religiöse Minderheit, deren Mitglieder vor allem in Syrien, Israel, Jordanien und im Libanon leben. Die Religionsgemeinschaft ging im 11. Jahrhundert aus dem schiitischen Islam hervor. In Israel dienen viele Drusen freiwillig in der Armee, weshalb der jüdische Staat sie als Verbündete sieht.
Der religiöse Anführer der syrischen Drusen, Hikmat al-Hidschri, hatte nach Beginn der Angriffe, die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen aufgefordert. In einer Stellungnahme sprach al-Hidschri von „Massakern als Werkzeugen des Terrors“ und einer „Völkermordkampagne“. Diese sei „durch nichts zu rechtfertigen“. Eine Regierung dürfe ihr eigenes Volk nicht mit ideologisch motivierten Milizen bekämpfen.
Auslöser für die militärischen Auseinandersetzungen war eine Tonaufnahme, in der ein drusischer Geistlicher vermeintlich den islamischen Propheten Mohammad beleidigt haben soll. Sie wurde zunächst einem Drusen zugeschrieben. Das Innenministerium erklärte jedoch, die beschuldigte Person stehe nicht mit der Aufnahme in Verbindung.
Drusen in Syrien nach Assad-Regime: Zwischen Loyalität und Misstrauen
Während der Herrschaft des gestürzten syrischen Präsidenten Baschar al-Assad standen viele Drusen der Regierung nahe. Ein Teil der Drusen steht der neuen Führung in Damaskus kritisch gegenüber. Andere kooperieren bereits mit der neuen Regierung. Die neue syrische Führung hat wiederholt versichert, die Minderheiten im Land schützen zu wollen. Hinter den Angriffen auf die drusische Gemeinschaft sollen laut syrischer Regierung „Gesetzlose“ stehen. Man wolle die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Am Donnerstag waren Regierungskämpfer in Sahnaya eingerückt, es wurden Festnahmen gemeldet. Zugleich kursierten Berichte, es habe standesrechtliche Erschießungen gegeben. Außerdem sei der Bürgermeister des Ortes ermordet worden, der die Regierungskräfte noch friedlich empfangen habe.
Einigung im Süden Syriens: Drusen erhalten Militäreinheit
Nach Verhandlungen sollen sich drusische Vertreter im Süden Syriens bereits bereit erklärt haben, ihre schweren Waffen abzugeben. Im Gegenzug soll in der Provinz Suwaida eine neue Militäreinheit unter Aufsicht des Verteidigungsministeriums gebildet werden, die ausschließlich aus Drusen besteht. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Minderheit erfuhr, soll diese Einheit künftig für die Sicherheit in der Region verantwortlich sein. Auch in Dscharamana, einem Vorort von Damaskus, wurde ein Sicherheitsabkommen zwischen der syrischen Regierung und lokalen Milizen geschlossen. (dpa/lw)