Verkehrsministertreffen

Beratungen über 9-Euro-Ticket-Nachfolger: 49-Euro-Ticket könnte Alternative sein

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Das 9-Euro-Ticket ermöglichte im Sommer das Reisen durch ganz Deutschland zum Schnäppchenpreis. Derzeit debattieren Bund und Länger über ein Nachfolgemodell. Das 49-Euro-Ticket scheint der Favorit zu sein. Doch um die Finanzierung wird noch gerungen.

Bremerhaven/Berlin – Dass es einen Nachfolger für das beliebte 9-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr geben soll, darüber sind sich Bund und Länder schon seit längerem einig. Doch eine endgültige Entscheidung liegt noch nicht vor. Unter anderem muss noch die Finanzierung eines solchen Tickets abgestimmt werden. Am Mittwoch, dem 12. Oktober, und Donnerstag, dem 13. Oktober, beraten die Verkehrsministerinnen und -minister der Länder mit Bundesminister Volker Wissing (FDP) in Bremerhaven darüber. Ob dann eine Einigung erzielt wird, ist allerdings offen, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt.

Nachfolge des 9-Euro-Tickets – Bund und Länder ringen um Entscheidung

Als derzeitiger Favorit zeichnet sich das Modell eines 49-Euro-Tickets ab. Doch entschieden ist noch nichts. Die Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Bremens Senatorin Maike Schaefer (Grüne), sagte gegenüber der dpa, dass sich die Länder vorab in einer Arbeitsgruppe mehrheitlich für ein mögliches 49-Euro-Ticket ausgesprochen hätten. Auch sei diskutiert worden, wann und wie solch ein Ticket zur Verfügung gestellt werden könne.

So günstig wie das 9-Euro-Ticket wird der Nachfolger nicht sein

Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung ist, dass zum 1. Januar 2023 ein vergünstigtes, bundesweites Ticket bereitgestellt werden soll. Zu welchem Preis ist allerdings noch immer nicht klar. So günstig wie das 9-Euro-Ticket wird es aller Voraussicht nach aber nicht sein. Realistisch dürfte ein Preis zwischen 49 und 69 Euro im Monat sein.

Berlin war in dieser Hinsicht bereits vorgeprescht und hat ein 29-Euro-Ticket an den Start gebracht, das für das gesamte Stadtgebiet gilt. Andere Verkehrsverbünde wollen nachziehen, wie etwa der Hamburger HVV. Hier werden ebenfalls die Möglichkeiten für ein 49-Euro-Ticket geprüft, wie die Tagesschau schreibt.

„Klimaticket Deutschland“ für 49 Euro könnte das Rennen machen – wenn sich Bund und Länder einigen

Ein Nachfolger des 9-Euro-Tickets soll schon bald wieder vergünstigtes Reisen im ÖPNV ermöglichen – doch so billig wie im Sommer wird es wohl nicht mehr.

Die Zeitung Rheinische Post hatte von einer Einigung der Verkehrsminister auf ein 49-Euro-Ticket berichtet. Das Angebot soll demnach „Klimaticket Deutschland“ heißen und bundesweit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gültig sein. „Es ist personalisiert und nicht übertragbar“ und soll im Jahresabo erhältlich sein, heißt es in einem Eckpunktepapier, das der Zeitung vorliegt. Wann genau es zu kaufen sein wird, hänge allerdings weiterhin davon ab, wie schnell sich Bund und Länder in Sachen Finanzierung einigen können.

Wegen gestiegener Energiekosten wollen die Länder mehr Geld vom Bund

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte am Mittwoch, dem 12. Oktober, gegenüber dem NDR bestätigt, dass ein 49-Euro-Ticket sein Wunsch sei und er das auch für finanzierbar halte. Es gebe jedoch noch keine Einigung zwischen Bund und Ländern. Die Länder wollen auch wegen gestiegener Energiekosten generell mehr Geld vom Bund zur Finanzierung des Nahverkehrs. Mitte September hatten sie beschlossen, erst über eine Nachfolgeregelung zu entscheiden, wenn der Bund mit einem Angebot auf ihre Forderungen eingeht.

Bund will 1,5 Milliarden Euro für günstiges Klimaticket beisteuern, wenn Länder gleiche Summe übernehmen

Kanzler Olaf Scholz (SPD) und die Regierungschefs der Länder hatten sich in der vergangenen Woche in Finanzfragen nicht einigen können. Die Ampel-Koalition hatte sich bereit erklärt, für ein dauerhaftes bundesweites Nahverkehrsticket jährlich 1,5 Milliarden Euro extra zu geben, wenn die Länder mindestens den gleichen Betrag beisteuern.

Doch aus Bayern beispielsweise kommt bereits die Antwort, dass sie einem 49-Euro-Ticket nur zustimmen, wenn der Bund die Regionalisierungsmittel erhöht, schreibt dpa. Mit diesen Mitteln bestellen die Länder Züge und Busse. Ohne eine Erhöhung müsse jedoch an diesen Stellen gekürzt werden, sagen die Länder. Und wenn ganze Strecken gestrichen würden, brächte auch ein günstiges Ticket nicht viel – vor allem in ländlichen Regionen.

Verbände drängen auf schnelle Einigung, damit Klimaticket zum 1. Januar kommen kann

Verbände forderten die Verkehrsministerkonferenz unterdessen zu einer Lösung auf. „Bund und Länder haben den Menschen ein Nachfolgeticket versprochen und müssen ihr Versprechen jetzt endlich einlöse“, sagt der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege.

„Die Menschen wollen ein günstiges und bundesweit gültiges Klimaticket, das haben die drei Monate 9-Euro-Ticket bewiesen“

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte wie auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace ein Nachfolge-Ticket für 29 Euro. Diese würden laut einer Untersuchung von Greenpeace nicht mehr kosten als die 49-Euro-Variante. Es würde jedoch Haushalte entlasten, die von der Inflation besonders betroffen seien. „Die Menschen wollen ein günstiges und bundesweit gültiges Klimaticket, das haben die drei Monate 9-Euro-Ticket bewiesen“, sagte Flege gegenüber der dpa.

Verbraucherzentrale spricht sich für 29-Euro-Ticket aus – mit Vergünstigungen für Geringverdiener

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte gegenüber der Tagesschau, dass Deutschland die Klimaziele nur mit einem gut ausgebauten ÖPNV mit günstigen und einfachen Tarifen erreichen könne. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sprach sich für ein bundesweites 29-Euro-Ticket aus, das zudem Vergünstigungen für Menschen mit geringem Einkommen beinhalten soll. Gleichzeitig müsse die Politik „mehr Geld für eine bessere Infrastruktur und mehr Angebote in die Hand nehmen“.

Ähnlich sieht das die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie forderte im „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ am Mittwoch, den 12. Oktober, mehr Personal und neue Züge.

Nachfolger des 9-Euro-Tickets wird schweres Erbe antreten

Welche Variante es auch wird, sie dürfte nach dem Erfolgsmodell 9-Euro-Ticket ein schweres Erbe antreten. Denn dass wieder so günstig flächendeckend gereist werden kann, ist bei all den Hürden, die es noch zu bewältigen gibt, derzeit offensichtlich keine Option.

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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