Techno-Booster aus USA

Nato brütet, Ukraine handelt: Tausende „Angriffskits“ gegen Putin



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Die Ukraine stellt her, Deutschland stellt aus: Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht das Innovationslabor in Erding. Während sich Russland und die Ukraine zu Drohnen-Nationen entwickeln, versuchen die Nato-Länder den Anschluss zu halten.
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Schweizer Cleverle regt Drohnen zum Nachdenken an – die Ukraine erhält, was die Nato bräuchte: eine „beispiellose“ Lieferung an Zündstoff gegen Putin.

Kiew – „Sie müssen außerdem dafür sorgen, dass die Häufigkeit und Reichweite unserer Drohneneinsätze gegen russische Ziele deutlich erhöht wird“, schrieb Wolodymyr Selenskyj auf Telegram – der US-Sender ABC berichtet, „der Juli dürfte neue Rekorde hinsichtlich der Intensität grenzüberschreitender Angriffe verzeichnen“, so dessen Autor David Brennan. Der Ukraine-Krieg, den Wladimir Putin völkerrechtswidrig vom Zaun gebrochen hatte, hat inzwischen Zigtausende Drohnen verschlungen. Und jetzt schiebt die Ukraine nach: ebenfalls zigtausendfach. Die Ukraine bekommt aus Deutschland und den USA gebracht, womit die Nato offenbar fremdelt.

„Softwarekonzern Auterion liefert 33.000 KI-Drohnen-Angriffskits in die Ukraine“, titelt aktuell die Financial Times (FT). Deren Autoren zufolge werde das amerikanisch-deutsche Softwareunternehmen Auterion „Zehntausende seiner mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Drohnen-,Angriffskits‘ in die Ukraine schicken, um diese bei der Bekämpfung von Massenangriffen russischer Drohnen zu unterstützen“, so die Autoren Sylvia Pfeifer, Laura Pitel und Christopher Miller.

Ukraine-Krieg mit Horrorbilanz: „durchschnittlich 181 Drohnen“ pro Tag

Laut ABC-Redakteur David Brennan hatte Russland im Juni 5438 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert, also „durchschnittlich 181 Drohnen“ pro Tag. Für den Mai zählt Brennan etwa 124 Drohnen täglich. „Auch die Ukraine scheint ihre Drohnenangriffe auf Russland zu intensivieren, auch wenn sie in geringerem Umfang durchgeführt werden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete in diesem Monat bisher den Abschuss von 2303 ukrainischen Drohnen, durchschnittlich 109 pro Tag“, schreibt er.

„Viele Jahre lang galt die Ansicht, die Ukraine sei für ihr Überleben nahezu vollständig von westlicher Hilfe und Know-how abhängig. Diese Vereinfachung war schon immer zu stark; sie ist heute hoffnungslos überholt.“

David Kirichenko, Atlantic Council

Lara Jakes hatte bereits nach dem ukrainischen Drohnenüberfall in Russlands Kernland, der „Operation Spiderweb“, klargestellt, dass die „großen Militärmächte“ unvorbereitet seien und sich anpassen müssten, wie die Autorin der New York Times (NYT) schreibt. Wobei zu fragen sein muss, ob eine „Militärmacht“, die statt auf Drohnen immer noch auf Panzerarmeen setzt, in einem Konfliktfall noch als „Macht“ gelten kann. Was in Deutschland an Behäbigkeit, sogar Zeitenwenden überdauert, geht offenbar in der Ukraine ganz schnell: Bis zum Jahresende 2025 will Auterion-Geschäftsführer Lorenz Meier 33.000 seiner „KI-Angriffssysteme“ in die Ukraine geliefert haben, wie die Financial Times schreibt.

Dem Blatt zufolge würde die Software aber schon eingesetzt in Drohnen, die für die Ukraine an der Front kämpfen, doch den neuen Auftrag bezeichnete Meier gegenüber der FT als „zehnmal so groß“. „Wir haben Tausende ausgeliefert und versenden jetzt Zehntausende“, sagte er und fügte hinzu, das Ausmaß sei „beispiellos“, so die Financial Times. Meier ist Alumni der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich. Wie das Handelsblatt Anfang 2024 berichtet hat, sei damals schon bekannt gewesen sein, dass mit dem Know-how der US-Firma mit Niederlassungen in Deutschland Kamikaze-Drohnen zu steuern sind und auch eine Rüstungsschmiede wie Diehl dort eingestiegen sei.

Ukraine-Angriffe als Nato-Lehrstunde: „mit großer Überraschung und veritablem Erfolg“

Frappierend an dieser Lieferung ist, dass die „großen Militärmächte“ von einem militärischen Zwerg in ihrer eigenen Erstarrung demaskiert worden sind. Nicht nur Russland, dass sich trotz aller Maßlosigkeit im Verbrauch von Rüstungsgütern und „Menschenmaterial“ an zäh verteidigenden Patrioten festbeißt; sondern auch die Nato-Staaten, die in ihren Beschaffungsämtern Rüstungsgelder verpulvern allein an Versorgungsfällen aus der Generalität und Ingenieuren, die wochenlang an einzelnen Schraubverbindungen brüten, bis der Krieg in der Ukraine längst schon mit Waffen von morgen geführt wird.

„Das Neue an diesem Angriff war, dass man bislang immer aus der Ukraine mit zumeist weitreichenden Drohnen die russischen Ziele bewirkt hat –  und jetzt hat man die Wirkmittel in Russland vorstationiert und koordiniert zum Einsatz gebracht. Koordiniert gegen Kräfte, die gerade in der Vorbereitung waren, um in der Ukraine eingesetzt zu werden. Und das mit großer Überraschung und veritablem Erfolg.“ Diese Aussage traf Dr. Christian Freuding im Bundeswehr-Podcast „Nachgefragt“, nach dem überraschenden Coup der Ukraine. Der Generalmajor leitet den Führungsstab im Verteidigungsministerium und war zuletzt mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in den USA, um Patriots und Tomahawks zu kaufen.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Spannend wird sein, ob die Bundeswehr zu einem ähnlichen Überfall wie die Ukraine in der Lage wäre oder immer noch im Gefecht der verbundenen Waffen denkt. Während Bundeswehr-Soldaten sich in der Lüneburger Heide tarnen, fährt die Ukraine ihre Drohnen direkt vor Putins Kaserne auf. Bundeswehr und Nato üben, wie sie sich gegen einen Luftangriff Russlands verteidigen könnten, und die Ukraine stellt ihre „Artillerie“ quasi neben Russlands Bombern ab und lässt sie dann einfach über den Zaun hüpfen.

Kritik an Nato: Westen noch immer auf die Kriegsführung der Vergangenheit konzentriert

„Skynode“ heißen die klitzekleinen Computer, die neben der Software auch eine Kamera und ein Funkgerät enthalten sollen, schreibt die Financial Times. Alles zusammen ergäbe dann die „Strike Kits“, die „manuell gesteuerte Drohnen in ,KI-betriebene Waffensysteme‘ verwandeln“, erläutert Auterion-Geschäftsführer Lorenz Meier. Ihm zufolge machte dieses „Strike Kit“ die Drohnen immun gegen elektronische Kriegsführung und ermögliche den Waffen, ihr bewegliches Ziel von bis zu einem Kilometer aus zu verfolgen und zu neutralisieren.

Laut der Financial Times habe der Auftrag knapp 50 Millionen Dollar umfasst und werde vom Pentagon bezahlt – als Teil der US-Sicherheitshilfe für die Ukraine. Jüngsten Absprachen zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj soll die Zusammenarbeit in der Rüstungstechnik intensiviert werden. Zumindest hat sich der 47. US-Präsident durch Verschiebungen im Verteidigungshalt zu einer Fokussierung auf Drohnen bewegt: Kollaborative Drohnen sind das Ziel seiner Ingenieure. Aber auch da regieren Größe und technische Finesse, während die Ukraine auf Massenware setzt – und offensichtlich auch einen entsprechenden Krieg führt, um gegen die Massen an Menschen und Massen an gepanzerten Waffen Russlands überhaupt Widerstand leisten zu können.

„Gleichzeitig konzentriert sich ein Großteil des Militärbündnisses noch immer auf die Kriegsführung der Vergangenheit und ist nicht in der Lage, mit der nicht enden wollenden Flut von Cyberangriffen und anderen hybriden Aktivitäten Schritt zu halten, die Energieinfrastrukturen, Finanzinstitute und Regierungsdatenbanken weit jenseits der traditionellen Frontlinien bedrohen“, schreibt NYT-Autorin Lara Jakes.

Ukraine-Krieg legt offen: dass Deutschland ein Ökosystem für militärische Drohnen-Start-ups fehle

Björn Müller hat noch im vergangenen Jahr geklagt, dass Deutschland ein Ökosystem für militärische Drohnen-Start-ups fehle. Zwar nennt der Autor des deutschen Reservisten-Magazins loyal als Fortschritt die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Manching, zu der seit 2021 ein „Drone Innovation Hub“ gehöre, wie Müller schreibt. „Der kann Unternehmen zwar Halle und Felder zum Testen bieten, aber der Hub hat keine Werkzeuge, um vielversprechende Vorhaben finanziell zu flankieren. Die zahlreichen Studien, Modelle und Demonstratoren, die es braucht, um überhaupt an die Tür des Beschaffungsprozesses zu gelangen, kosten Start-ups sehr viel Geld, wobei ihnen meist die Luft ausgeht.“

Die New York Times nimmt Bezug auf eine aktuelle Studie des britischen Verteidigungsministeriums, die „Strategic Defense Review“. Die Briten gingen davon aus, dass ein kommender Gegner ihnen gegenüberstehen wird, mit Waffen, mit deren Bekämpfung sie sich vorher vielleicht nur unzureichend auseinandergesetzt haben, urteilt Jakes. Kiew wird möglicherweise für die Nato ein wegweisender Freund werden, vermutet zumindest David Kirichenko. In einer Analyse für den Thinktank Atlantic Council legt er nahe, dass das aktuelle Tempo der Rüstungsinnovationen das künftige Normalmaß werden wird.

Rüstung würde ihm zufolge künftig in der Ukraine und in Russland definiert. „Viele Jahre lang galt die Ansicht, die Ukraine sei für ihr Überleben nahezu vollständig von westlicher Hilfe und Know-how abhängig. Diese Vereinfachung war schon immer zu stark; sie ist heute hoffnungslos überholt.“

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