NATO-Verteidigungsminister beraten über nukleare Abschreckung und Munition für Ukraine
VonStephanie Munk
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Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister geht es um die Rüstungsproduktion für die Ukraine. Umstritten ist eine schnelle Nato-Mitgliedschaft. News-Ticker.
Nato-Verteidigungsminister treffen sich in Brüssel: Gipfel dauert zwei Tage lang.
Brüssel - Über weitere Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg beraten die Verteidigungsminister der Nato-Staaten ab Donnerstag (15. Juni). Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte im Vorfeld, die Waffen aus dem Westen machten einen Unterschied an der Front. Hauptthema sei deshalb, „wie wir die Hilfe für die Ukraine aufrechterhalten und steigern können“.
Zum Verlauf der Gegenoffensive sagte Stoltenberg: „Was wir sehen, sind heftige Kämpfe.“ Es sei noch früh, aber man sehe, dass die Ukraine Gewinne mache und besetztes Land befreien könne. „Das liegt am Mut, an der Tapferkeit, an den Fähigkeiten der ukrainischen Soldaten“, sagte er.
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Nato-Treffen zur Ukraine: Pistorius trifft Chefs von Rüstungskonzernen
Am Donnerstagvormittag standen in Brüssel zunächst Beratungen der Ukraine-Kontaktgruppe aus rund 50 Ländern an. Auch der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow nahm an diesem Treffen teil.
Am Nachmittag soll dann das zweitägige Nato-Verteidigungsministertreffen beginnen. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stößt dann ebenfalls dazu. Eine Nachfolgeregelung für den scheidenden Nato-Chef Jens Stoltenberg steht nicht auf dem Programm, dafür aber ein Treffen mit den Chefs von mehr als 20 Rüstungskonzernen aus Europa und den USA.
Von deutscher Seite ist der Konzern Rheinmetall vertreten. Dabei geht es insbesondere um das Ankurbeln der Munitionsproduktion. Im Anschluss beraten die 31 Bündnis-Länder mit dem ukrainischen Verteidigungsminister Resnikow.
Dieser rief am Mittwoch (14. Juni) den Westen zu weiteren Waffenlieferungen auf. Sein Land brauche „gepanzerte Fahrzeuge, panzerbrechende Waffen und Munition“, um den Sieg gegen Russland zu erringen, schrieb er auf Twitter. Zuletzt hatte die Ukraine bei der Gegenoffensive viele Leopard-Panzer und Bradley-Fahrzeuge verloren.
Bei Nato-Treffen kontroverse Debatte um Ukraine-Mitgliedschaft erwartet
Kontroverse Debatten werden bei dem zweitägigen Nato-Rat über den Wunsch der Ukraine nach einer schnellen Nato-Mitgliedschaft erwartet. Knapp vier Wochen vor dem Nato-Gipfel in Litauen zeichnet sich zudem noch kein Konsens über die Verschärfung des Zwei-Prozent-Ziels für die Verteidigungsausgaben ab. Estland und Lettland sprachen sich in Brüssel dafür aus, Luxemburg warnte dagegen vor zu strengen Vorgaben. Kanzler Olaf Scholz hat sich von der Nato schon einen Rüffel eingefangen, weil Deutschland zu wenig Geld für die Verteidigung ausgibt. Daran ändert auch die neue Nationale Sicherheitsstrategie nichts, die die Ampel-Koalition am Mittwoch in Berlin vorgestellt hatte.
Russlands atomare Drohungen kontern: Nato-Länder beraten über nukleare Anpassung
Am Freitag (16. Juni) wollen die Nato-Verteidigungsminister dann über die Anpassung der atomaren Abschreckung beraten. Bei einem Treffen der Nuklearen Planungsgruppe werde man sich mit den nuklearen Aspekten des aktuellen Sicherheitsumfelds befassen, kündigte Stoltenberg an. Man erlebe weiter eine rücksichtslose nukleare Rhetorik aus Russland.
Zudem habe Moskau zuletzt den atomaren Rüstungskontrollvertrag „New Start“ ausgesetzt und Pläne zur Stationierung von Atomwaffen in Belarus angekündigt. Das Land erhält nach der freiwilligen Abgabe seiner Atomwaffen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion damit erstmals seit den 1990ern Jahren wieder nukleare Raketen. Stationiert werden sollen Iskander-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. (smu mit Material von dpa und AFP)