„Wer verteidigt Europa?“

Nach dem Ukraine-Krieg: Warum ein „Kanal“ zu Russland nottun könnte – und wann Europa Gefahr droht

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Verteidigungsexpertin Jana Puglierin hat ein Buch zur aktuellen Großfrage geschrieben: „Wer verteidigt Europa?“ Der Blick richtet sich auf Putins Russland.

Ein Briefing im Kanzleramt, der Generalinspekteur der Bundeswehr hat das Wort, er erklärt aktuelle Truppenbewegungen der russischen und belarusischen Armee in der Ostsee und nahe des Baltikums: „Schwer vorstellbar, dass Russland das Risiko eines Krieges mit der NATO tatsächlich eingeht − aber nicht ausgeschlossen.“ Die Szene ist Fiktion, ein Worst-Case-Szenario; sie spielt im Jahr 2029. Aber sie ist der Startpunkt für eine ganz reale Überlegung: Was, wenn Russland ein paar Jahre nach dem Ukraine-Krieg angreift, wie es einige Beobachter befürchten?

Jana Puglierin analysiert in ihrem neuen Buch „Wer verteidigt Europa?“ Bedrohungen aus Russland – und Aufgaben für Friedrich Merz und Co.

Aufgeschrieben hat sie die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin in ihrem neuen Buch „Wer verteidigt Europa?“ (Rowohlt, 24 Euro). „Ich bin vorsichtig mit Prognosen und Jahreszahlen“, sagt die Berlin-Chefin des Thinktanks European Council on Foreign Relations der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Es gebe „viele Einflussfaktoren und Unbekannte“. Da ist es praktisch, dass ihr Buch diese Faktoren einen nach dem anderen aufgliedert. Die Protagonisten in den vier Hauptkapiteln heißen Russland, China, USA und, natürlich, Europa. Kein Puzzle mit allzu vielen Teilen. Aber trotzdem ein kompliziertes.

Putins Absichten – und Trumps „Gelegenheit“? Europa unter Druck

Den Grundgedanken, auch mit Blick auf Russland, erklärt Puglierin – wie auch andere Fachleute ihres Gebiets – so: Es gehe immer „um Intentionen, Fähigkeiten und Gelegenheiten“. Die Intentionen des Kreml seien „seit vielen Jahren erkennbar“, sagt sie. Ein russischer Analyst habe ihr erklärt: „Für Russland ist die Kontrolle über die Ukraine vor allem ein Mittel, um größere außenpolitische Ziele zu erreichen.“ Insgesamt gebe es drei Ziele, meint Puglierin selbst. „Imperiale Kontrolle“ über die Ukraine, eine veränderte europäische Sicherheitsordnung und eine Rolle als Großmacht mit globalem Machtanspruch, oft versteckt hinter wohlklingenden Slogans. Den Großmachtanspruch sehen auch Kenner der Diplomatie.

Bleibt – wenngleich sich Absichten theoretisch ändern können, wie Puglierin sagt – die Frage nach den „Fähigkeiten“ und „Gelegenheiten“, diese Ziele umzusetzen. Auf den ersten Blick scheine selbst Europa allein Russland bei der konventionellen Kriegsführung zahlenmäßig weit voraus, schreibt die Expertin. Doch zum einen stellten Donald Trumps USA das organisatorische und militärische Rückgrat in den NATO-Strukturen. Zum anderen lasse sich das Potenzial der europäischen Armeen mit ihren unterschiedlichen Systemen nicht einfach wie das russische aufaddieren – und es fehle Kampferfahrung. Selbst die Verteidigungsausgaben sprächen gemessen an der in Kaufkraft im Inland für Russland.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Bislang setze Russland auf hybride Mittel, seine Ziele zu erreichen. Doch was, „wenn Putin plötzlich ein Gelegenheitsfenster sieht – ähnlich wie vor seiner Entscheidung zur Invasion in die Ukraine, als er fälschlicherweise annahm, auf keinen ernsthaften Widerstand zu stoßen?“ Das gelte umso mehr, wenn keine große Hilfe der USA zu erwarten wäre, schreibt Puglierin. Donald Trump habe die Glaubwürdigkeit der NATO-Abschreckung stark belastet.

Für wichtig hält sie trotzdem die Präsenz von US-Truppen in Europa – alleine schon, um ein geteiltes Risiko zu haben und so die atomare Abschreckung der USA zu unterstreichen. Sie zitiert den US-Ökonom Thomas Schelling. Der sagte 1966 auf die Frage, was in West-Berlin stationierte US-Soldaten gegen eine sowjetische Übermacht überhaupt erreichen könnten: „Sie können sterben. Sie können heldenhaft und dramatisch sterben, und zwar auf eine Weise, die garantiert, dass die Sache damit nicht gelaufen ist.“ Puglierin empfiehlt deshalb eine Doppelstrategie – die USA in Europa halten, aber zugleich die eigenen militärischen Fähigkeiten aufbauen. Essentiell sei europäische Solidarität. Sonst könne schon ein kleiner russischer Angriff „das ganze System ins Wanken bringen“.

Ende des Ukraine-Kriegs könnte Putins Plan prägen – Expertin für Kommunikationskanäle

Mitentscheidend für das russische Szenario sei aber auch der Ausgang des Ukraine-Kriegs. „Wenn Russland mit dem Ende des Ukraine-Kriegs gestärkt vom Feld ginge, dann macht es einmal mehr die Erfahrung, seine Ziele auf militärischem Wege erreicht zu haben“, sagt Puglierin unserer Redaktion. In der Ukraine kämpfe Russland der eigenen Erzählung zufolge gegen die NATO: „Russland beobachtet natürlich, wie viel es erreichen kann und wie viel Gegenwehr es gibt.“ Auch Sicherheitsgarantien und die Frage, ob Moskau den Krieg als „abgeschlossene Sache“ betrachten kann, spielten eine Rolle für Kapazitäten, etwa für einen „begrenzten Zwischenfall“.

Überraschen könnte, dass Puglierin „belastbare Kommunikations- und Krisenmanagementkanäle“ Europas zu Russland anmahnt – neben einer starken europäischen Verteidigung. Zwar sei Russland „noch autoritärer, noch militarisierter, noch repressiver“ geworden, Übereinkünfte seien schwer denkbar. Und doch: So ließen sich auf Sicht Eskalationsrisiken und Missverständnisse verhindern. Dafür brauche Europa aber endlich eine „Russland-Strategie“, schon um sich nicht von Putin spalten zu lassen. Im Hintergrund steht natürlich auch die atomare Drohung. Die solle „Zweifel säen, Unsicherheit erzeugen und so den Handlungsspielraum der Gegner einschränken“. Europa solle das Risiko ernstnehmen, aber nicht erpressen lassen, meint Puglierin.

Der Fahrplan ist einstweilen ambitioniert. Es brauche einsatzbereite Streitkräfte, industrielle Rüstungskapazitäten wo aktuell wegen nationenspezifischen Kleinbestellungen noch „Manufakturbetrieb“ herrsche, eine funktionierende Infrastruktur, europäische Solidarität und Verständnis für die Lage in der Gesellschaft. Große Aufgaben auch für Deutschland, das im Ernstfall eine „logistische Drehscheibe“ wäre. Aber: „Es geht darum, im Verbund mit Deutschlands europäischen Partnern alles zu tun, damit das Szenario, mit dem dieses Buch begonnen hat, nie Realität wird“, schreibt Puglierin. Was dieses „alles“ sein könnte, macht ihr Band etwas greifbarer. (Quellen: „Wer verteidigt Europa?“, Gespräch mit Jana Puglierin, eigene Recherchen)

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