Drohungen des Kim-Regimes

Nordkorea warnt USA: Stehen an „der Schwelle eines Atomkonflikts“

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Das Regime von Kim Jong-un geht einmal mehr auf Konfrontationskurs mit den USA: Nordkorea warnt vor einem „nuklearen Konflikt“ und droht mit dem Abschuss eines US-Flugzeugs.

München/Pjöngjang – Um martialische Worte ist das Regime in Nordkorea nie verlegen. Immer wieder spricht die Diktatur von Kim Jong-un in düsteren Worten von einem möglichen Atomkrieg mit den USA. Ernst nehmen sollte man die jüngsten Drohungen aus Pjöngjang dennoch. „Wir befinden uns in einer sehr gefährlichen Situation“, erklärte am Montag ein Sprecher des nordkoreanischen Verteidigungsministeriums und warnte vor der „schlimmste Krise eines nuklearen Konflikts“. In der von Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme heißt es weiter: „Die gegenwärtige Situation beweist eindeutig, dass sich die Lage auf der koreanischen Halbinsel aufgrund der provokativen Militäraktion der USA der Schwelle eines Atomkonflikts nähert.“

Gemeint sind mit den „provokativen Militäraktionen“ laut nordkoreanischem Verteidigungsministerium „feindliche Spionageaktivitäten“ der USA, vor allem aber die geplante Entsendung eines mit Atomwaffen bestücken U-Boots nach Südkorea. US-Präsident Joe Biden und sein südkoreanischer Amtskollege Yoon Suk-yeol hatten sich Ende April während eines mehrtägigen Staatsbesuchs von Yoon darauf geeinigt, dass erstmals seit den 1980er-Jahren wieder ein nuklear bewaffnetes amerikanisches U-Boot in Südkorea andocken soll. Zudem vereinbarten Washington und Seoul, militärische Übungen und Simulationen zu verstärken. Die südkoreanische Regierung solle außerdem Einblicke in strategische Planungen der USA erhalten, Nuklearfragen inklusive.

Kim Jong-uns Regime wirft USA „nukleare Erpressung gegen Nordkorea“ vor

Am Montag bekräftige ein hochrangiger US-General die Pläne: „Die USA werden die regelmäßige Sichtbarkeit strategischer Mittel auf der koreanischen Halbinsel erhöhen, wie der bevorstehende Besuch eines US-U-Boots mit ballistischen Atomraketen in der Republik Korea zeigt“, sagte Brigadegeneral John Weidner laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Einen Zeitplan nannte er nicht. Vor wenigen Wochen erst war ein mit Marschflugkörpern bestücktes amerikanischen Atom-U-Boot nach Südkorea entsandt worden. Die „USS Michigan“ war Mitte Juni in der südkoreanischen Hafenstadt Busan angekommen; es war die erste Stationierung eines U-Boots von diesem Typ in Südkorea seit knapp sechs Jahren.

Das Verteidigungsministerium in Pjöngjang sprach nun von „unverhohlenster nuklearer Erpressung gegen Nordkorea und seine Nachbarländer und einer ernsten Bedrohung und Herausforderung für den regionalen und globalen Frieden und die Sicherheit“.

Aus Sicht der USA und ihrer Verbündeten geht die Gefahr freilich von Nordkorea selbst aus. Diktator Kim Jong-un hatte im vergangenen Jahr so viele Raketentests wie nie durchführen lassen. Im März testet das Regime zudem eine „strategische Unterwasser-Nuklearwaffe“; und unlängst schoss Nordkorea einen Spionagesatelliten in Richtung Weltall. Laut südkoreanischen Geheimdiensterkenntnissen besaß der Satellit, der kurz nach dem Start ins Meer gestürzt war, allerdings „keinen militärischen Nutzen“.

Nordkorea-Drohungen auch Thema beim Nato-Gipfel in Vilnius

Nordkoreas Verteidigungsministerium warf den USA nun seinerseits „Spionageaktivitäten in einem noch nie gewesenen Ausmaß“ vor, darunter die mehrfache Verletzung des Luftraums des Landes. Auch die Teilnahme eines amerikanischen B-52-Bombers während eines gemeinsamen Manövers mit Südkorea im Juni stieß auf Kritik aus Pjöngjang – gefolgt von einer Warnung: „Es gibt keine Garantie dafür, dass sich ein so schockierender Unfall wie ein Abschuss eines strategischen Aufklärungsflugzeugs der US-Luftwaffe im Koreanischen Ostmeer nicht ereignen wird.“

Solche Drohungen würden zwar nicht bedeuten, „dass Nordkorea einen Atomkrieg anzetteln will“, sagte der Korea-Experte Lee Sung-yoon von der US-amerikanischen Tufts University der Frankfurter Rundschau. „Aber mit der Androhung eines Atomkriegs versucht Nordkorea, die Amerikaner dazu zu bringen, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen und die US-Truppen aus Südkorea abzuziehen“, so Lee, der unlängst ein Buch über Kim Jong-uns Schwester Kim Yo-jong verfasst hat. Ein solcher Abzug amerikanischer Truppen würde „den Süden verwundbarer machen“ – und Nordkorea könnte sein „langfristiges Ziel“ verfolgen, die koreanische Halbinsel zu vereinigen und von Pjöngjang aus zu beherrschen.

Die jüngsten Drohgebärden aus Nordkorea dürften auch Thema beim Nato-Gipfel in Litauen sein, der an diesem Dienstag beginnt und zu dem auch Südkoreas Präsident Yoon erwartet wird. Yoons Teilnahme werde dazu beitragen, die Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsbündnis zu stärken, und solle die Botschaft aussenden, „dass Nordkoreas illegale Handlungen nicht toleriert werden“, sagte Kim Tae-hyo, Südkoreas stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater, in der vergangenen Woche.

Rubriklistenbild: © KCNA/AFP

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