VonLinus Prienschließen
Trotz andauernder Unterstützung der Ukraine kommt Großbritannien nicht an seiner Rohstoffabhängigkeit von Russland vorbei. Weiterhin fließen enorme Mengen an Öl nach London.
London - Seit Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts gibt sich Großbritannien als enger Verbündeter der Ukraine. Der ehemalige Premierminister Boris Johnson besuchte wiederholt Kiew und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstrich selbst das besondere Verhältnis zwischen den beiden Staatschefs.
In eklatantem Widerspruch zu dieser Loyalität Großbritanniens gegenüber der Ukraine steht jedoch ein Bericht, der in der britischen Sunday Times erschienen ist. Nicht nur liefert London Waffen an die Ukraine, es unterstützt auch die Sanktionen gegen Russland, die unter anderem auch von der Europäischen Union durchgeführt werden. Dem Bericht zufolge jedoch importiert London - auch mithilfe eines Schlupflochs - weiterhin Öl aus Russland.
Schlupfloch für russisches Öl: Großbritannien soll weiter russisches Öl importieren
Für Länder wie Deutschland, Italien und Großbritannien konnte Russland mit Handel seiner reichen Bodenschätze eine große Abhängigkeit von sich schaffen. Damit sollte in der Folge des Angriffskriegs auf die Ukraine jedoch Schluss sein. Die meisten europäischen Ländern suchen nach alternativen Handelspartnern, was den deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unter anderem bis nach Katar führte.
London jedoch hat nach Informationen der Sunday Times seit Beginn des Ukraine-Kriegs Öl im Wert von etwa 800 Millionen Pfund aus Russland importiert. Öl im Wert von 200 Millionen Pfund wurden laut dem Bericht von britischer Seite jedoch nicht als Import aus Russland klassifiziert. Auch Deutschland importiert weiterhin Öl aus Russland.
Schlupfloch für russisches Öl: Ware wird außerhalb von Russland übergeben
Öl-Lieferungen, die an britischen Häfen ankommen, sollen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien kommen. Bei dieser Täuschung handelt es jedoch nicht um einen Verstoß gegen maritimes Recht, wie die Sunday Times klarstellt. Großbritannien bediene sich lediglich eines Schlupflochs, welches kein Novum beim internationalen Handel darstelle.
Es sei völlig unbedenklich, russisches Öl als Import aus beispielsweise Deutschland zu deklarieren. Das liege daran, dass nicht das Herkunftsland der Ware eines Imports relevant ist, sondern der Ort, von dem der Öltanker aufbricht. Medienberichten zufolge werde in diesem Fall so vorgegangen, dass ein Schiff aus Russland aufbricht, an einem anderen Ort jedoch auf der See seine Ware an einen größeren Transporter abgibt. Von dort an gelangt der größere Transporter dann nach Großbritannien. Als Herkunftsland wird somit nicht Russland anerkannt.
Schlupfloch für russisches Öl: Ex-Tory-Chef fordert Ende der Geschäfte
Stand jetzt könne London noch Öl aus Russland importieren, auf Kosten jedoch ihrer guten Beziehung zur Ukraine. Ab Anfang Dezember 2022 dürfen sie jedoch kein Öl mehr vom Kreml-Staat beziehen. Politiker in Großbritannien haben bereits Maßnahmen gefordert: „Es ist an der Zeit, dieses offensichtliche Schlupfloch zu schließen. Die Regierung sollte handeln und diese Praktiken ein, für alle Male beenden“, sagte etwa der frühere Tory-Vorsitzende Ian Duncan Smith. (lp)
