Ukraine-Krieg

Selenskyj nennt Liste seiner engsten Verbündeten – und sendet so ein deftiges Signal an Scholz und Biden

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Wolodymyr Selenskyj im ZDF-Interview
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht in einem Interview auf die Partner der Ukraine ein. Olaf Scholz gehört demnach nicht zu den engsten persönlichen Verbündeten.

Kiew – Das Verhältnis zwischen der Ukraine und Deutschland im eskalierten Ukraine-Konflikt ist durch mehrere Hürden geprägt. Seit Beginn des Krieges wird Deutschland Zögerlichkeit in Bezug auf Waffenlieferungen vorgeworfen. Zudem wurde Deutschland wiederholt eine Russland-Nähe attestiert – nicht zuletzt wegen der deutschen Gasabhängigkeit.

Fast acht Monate nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine gab der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nun ein Interview im ZDF, in dem er unter anderem über die Beziehung zwischen Deutschland und der Ukraine und über Olaf Scholz sprach.

Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj und die „iPhone-Diplomatie“

Auf Staatschefs angesprochen, die ihm rein menschlich besonders geholfen haben, durch die schwere Zeit zu kommen, nannte Selenskyj vorneweg den ehemaligen britischen Premierminister Boris Johnson und den polnischen Präsidenten Andrzej Duda. Genauso nannte Selenskyj die Staatsoberhäupter von Lettland und Litauen und Emmanuel Macron. Auffällig ist, dass Olaf Scholz zunächst nicht in dieser Aufzählung vorkam.

Selenskyj beschrieb ein Verhältnis zu den genannten Staatschefs, welches über diplomatische Protokollregeln hinaus ginge. Die Schnelllebigkeit des Krieges führe dazu, dass man auch spontan telefoniere oder sich über WhatsApp schreibe. So kam Selenskyj zum Begriff „iPhone-Diplomatie“. Dennoch unterstrich er genauso den Stellenwert der konventionellen diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und den USA. Jedoch erst ganz am Ende seiner Aufzählungen. Ein klarer Fingerzeig in Richtung Joe Biden und Olaf Scholz, über den Selenskyj im Laufe des Interviews zudem sagte, der deutsche Kanzler hätte sich erst in die Thematik des russischen Angriffskriegs einarbeiten müssen. Nun hätte sich die Beziehung jedoch verbessert.

Ukraine-Krieg: „Trotzdem fühlt man sich bei euch, wie Gäste“

Auf die Frage, wie er und seine Landsleute ihre Kraft behielten, antwortete der ukrainische Präsident: „Es gibt objektive Umstände. Das ist unser Haus, das ist das, was uns gehört. Europa ist wunderschön, aber wir fühlen uns wie Gäste, wie Einwanderer. Das ist nicht der erste bewaffnete Konflikt in der Welt. Und jeder, der vor solchen Konflikten geflohen ist, versteht ganz genau, in Europa werden alle herzlich aufgenommen. Europa öffnet die Türen für ukrainische Bürger und dafür bin ich dankbar. Trotzdem fühlt man sich bei euch, wie ein Gast.“

Selenskyj betonte, dass jeder Mensch das Recht habe, etwas Eigenes zu haben und das Recht habe, frei zu sein. Für die Ukrainer sei dies in erster Linie ihr Land: „Unserer Emotionen sind mit diesem Land verbunden. Ich denke, wir müssen das in uns behalten. Es ist alles, was wir besitzen.“

Ukraine-Krieg: „Wir spüren, dass wir im Recht sind“

Selenskyj unterstrich, dass sein Land auf der richtigen Seite stehe: „Wir wissen, dass Eindringlinge zu uns gekommen sind und versuchen uns etwas wegzunehmen, unsere Ruhe, unseren Frieden und wir spüren, dass wir im Recht sind. Wir sind nicht in Russland oder woanders. Der Krieg findet hier in der Ukraine statt.“

Mit Hinblick auf die russische Bevölkerung merkte der ukrainische Staatsmann an, dass sich viele Bürger nicht trauten, der Wahrheit ins Auge zu schauen: „Ja, einige verschließen noch die Augen gegenüber den Tatsachen. Einige in Russland haben noch Angst, die Augen aufzumachen und die Wahrheit zu erfahren.“

Derweil entlockt ein russischer Fake-Anruf dem ukrainischen Außenminister brisante Aussagen. Es geht um Angriffe auf Russland und die Verbindung zu den USA. (lp)

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