Prigoschins Wagner-Söldner bekommen neue Aufgabe in Belarus - „Von unschätzbarem Wert“
VonStephanie Munk
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Befindet sich die Wagner-Gruppe in Belarus? Zuletzt gab es Zweifel. Jetzt spricht Lukaschenko von einer Aufgabe für Prigoschins Söldner, die alarmierend klingt.
Misnk – Immer noch herrscht Verwirrung, wo sich die Wagner-Gruppe von Jewgeni Prigoschin derzeit aufhält. Hieß es nach ihrem 24-Stunden-Aufstand gegen den Kreml zunächst, die Söldner seien nach Belarus ins Exil geschickt worden, scheint dies nicht mehr so sicher zu sein. Jetzt spricht der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko plötzlich davon, dass seine Armee künftig von Wagner-Söldnern geschult werden soll.
Wagner in Belarus: „Sie werden uns etwas über Waffen erzählen“
Die Mitteilung des belarussischen Verteidigungsministeriums klingt alarmierend: Demnach werden die Wagner-Söldner die belarussische Armee ausbilden. „Sie werden uns etwas über Waffen erzählen: Welche haben gut funktioniert, welche nicht“, sagte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko laut einer Erklärung des Ministeriums.
Wagner werde sein Fachwissen über „Taktik, Bewaffnung, Angriff und Verteidigung“ weitergeben. „Das ist von unschätzbarem Wert“, soll Lukaschenko laut der unabhängigen russischen Zeitung The Moscow Times gesagt haben. Wann Wagner-Kämpfer voraussichtlich in Belarus eintreffen werden, sei nicht bekannt.
Wagner-Gruppe muss laut Lukaschenko in Belarus Verträge unterzeichnen
Lukaschenko sagte laut Moscow Times außerdem am Donnerstag (7. Juli) zu Journalisten, Wagner-Truppen müssten Verträge mit der belarussischen Regierung unterzeichnen. Bedenken hinsichtlich einer möglichen Wagner-Meuterei in seinem Land habe er zurückgewiesen. Lukaschenko hatte nach dem „Marsch der Gerechtigkeit“ der Wagner-Gruppe nach Moskau zwischen Prigoschin und Russlands Präsident Wladimir Putin vermittelt.
Die russische Schattenarmee von Prigoschin gilt als besonders brutal – auch gegenüber den eigenen Männern. Wer sich ohne Befehl zurückzieht, wird laut Berichten mit sofortiger Hinrichtung bestraft. Laut der Schilderung eines ukrainischen Soldaten agierten die Wagner-Söldner im Ukraine-Krieg teils ohne klare Strategie: „Sie werden einfach wie Fleisch an die Front geschleudert“, erzählte er.
Wo ist Prigoschin und seine Wagner-Gruppe?
Obwohl es kurz nach der Wagner-Revolte hieß, die Truppe befinde sich im Exil in Belarus, ist die Privatarmee nach einer Einschätzung des „Institute for the Study of War“ immer noch in Russland oder in der Ukraine. Auch Prigoschin war spätestens fünf Tage nach der Wagner-Revolte wieder in Moskau – denn da traf er sich drei Stunden lang mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
Es wird mittlerweile spekuliert, ob der Wagner-Chef sich gar nie in Belarus befunden habe, wohin er angeblich von Putin verbannt worden war, sondern Doppelgänger einsetzte. Überhaupt wirft die Wagner-Revolte viele Fragen auf - sogar, ob das Ganze nicht eine große Inszenierung von Putin und Prigoschin war.
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Nachbarländer von Belarus sind wegen der plötzlichen Präsenz von Wagner-Gruppe in Belarus jedenfalls in Hab-Acht-Stellung. Polen verstärkte seinen Grenzschutz militärisch, die Ukraine ebenfalls. Befürchtet wird, dass Prigoschins Privatarmee die Ukraine von Norden her angreifen könnte, um Putin im Ukraine-Krieg beizuspringen. Präsident Lukaschenko - obwohl einer der Verbündeten Russlands - hatte es bisher strikt abgelehnt, dass seine Truppen in den Krieg involviert werden.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat jetzt Verlust-Zahlen zur ukrainischen Gegenoffensive genannt. Demnach hat die Ukraine mehr als 26.000 Soldaten verloren. In ihrer Not setzen die Ukrainer auch auf ungewöhnliche Strategien: So baut ein Team von fünf Freiwilligen Tag und Nacht schnelle und wendige Mini-Drohnen, die gegen russische Panzer eingesetzt werden - genannt „wilde Hornissen“. (smu)