VonKarsten-Dirk Hinzmannschließen
Der Leopard 2-Kampfpanzer avanciert in seiner stärksten Variante A8 zum Nato-Hit. Mindestens 400 Fahrzeuge sollen künftig Russlands Ambitionen eindämmen.
Den Haag – „Verbesserte Feuerkraft, Schutz und Mobilität sind allesamt Anforderungen, wenn Deutschland beginnt, nach einem Nachfolger für seinen Leopard 2-Panzer zu suchen“, schreibt Thomas Newdick. Im Februar hat das Magazin The War Zone berichtet, dass Deutschland die Arbeiten am Leopard 3 beginne, also dem Platzhirsch, bis zur Einführung des kommenden Superpanzers Main Ground Combat System (MGCS). Der scheint aber erst 2050 zur Truppe zu stoßen.
Jetzt machen sich auch die Niederlande fit für die Zeit nach 2030 oder einem früher stattfindenden Kampf gegen Wladimir Putins Invasionsarmee: mit 46 Kampfpanzern Leopard 2A8, also der jüngsten Version, die sie jetzt bestellt haben.
Europäische Sicherheit & Technik (ESUT) berichtet aktuell über die Beschaffungsvorhaben mehrerer Nato-Partner. Der Leopard hat weiterhin Konjunktur. Wie ESUT-Autor Gerhard Heiming schreibt, werden die Niederlande ihre 46 Kampfpanzer zwischen 2027 und 2030 ausgeliefert bekommen und damit ein neues Panzerbataillon ausrüsten – optional wollen die Niederlande nach Angaben von ESUT sechs weitere Panzer ordern; sofern die mit unbemannten Systemen kompatibel sind; demzufolge sollen neben den Kampfpanzern auch Spezialwerkzeuge, Ersatzteile, Wartung und Schulungen sowie die Bereitstellung von Dokumentationen inkludiert sein.
Wegen Ukraine-Krieg: „Für den Kampfpanzer Leopard 2 setzt sich die Erfolgsserie weiter fort“
„Für den Kampfpanzer Leopard 2 setzt sich die Erfolgsserie weiter fort. Mit der Entscheidung Deutschlands 123 Kampfpanzer in der Version A8 zu beschaffen, wurde eine Lawine losgetreten“, schreibt Heiming – wobei noch aussteht, ob tatsächlich Deutschland die gesamte Charge abnimmt oder an andere Länder abtritt; bislang sind 18 Panzer dieses Typs von der Bundeswehr bestellt worden. Heiming zufolge erlebt der aufgemotzte Koloss aus den 1970er-Jahren seinen zweiten Frühling in den Reihen der Nato: Er rechnet damit, dass in den kommenden zehn Jahren „nach jetzigem Stand mindestens 425 Leopard 2A8“ ausgeliefert würden. Ungarn und Norwegen hatten zusammen 98 Panzer bestellt, Tschechien 76 Exemplare, Litauen 50, Schweden 44 und jetzt die Niederlande mit voraussichtlich 52 Stück – Ungarn soll davon bereits 18 Exemplare erhalten haben.
„Der Kampfpanzer wird eine Renaissance erleben, weil die Europäer wieder auf die Bündnis- und Landesverteidigung setzen müssen, ihre Panzer aber veraltet sind“
Auch Spanien ist gewillt, möglicherweise 50 Leopard 2A8 zu erwerben. Darüber hinaus könnte auch Kroatien über die deutsche Charge bis zu 50 Leopard 2A8 im Rahmen eines Ringtausches gegen an die Ukraine gelieferte M-84-Panzer und M-80-Schützenpanzer erhalten, wie das Magazin Defense Industries Ende 2024 berichtet hat. Auch für einen neuen europäischen Krieg werden Panzer gebraucht.
Dem Panzer wird seine neue Rolle noch auf Leib zu schneidern sein – wobei der Krieg asymmetrischer werden wird, aber auch in seiner klassischen Form vital bleibt, wie Ralf Raths erklärt – der Historiker ist Direktor des Deutschen Panzermuseums in Munster: „Die Zeit der Panzerschlachten und operativen Durchbrüche ist da zwar vorbei. Aber angesichts der Panzernutzung in der Ukraine oder in Syrien wird schnell deutlich, dass die Panzer stattdessen zu ihrer ursprünglichen Rolle zurückkehren: Sie werden vermehrt in geringer Zahl und im taktischen Kontext eingesetzt: Als Rammböcke in kleinen Gefechten, als Ankerpunkte für die Infanterie oder als Artillerieeinsatz über lange Distanzen im Direktfeuer“, sagte er der Welt.
Putins Erbe: „Gerade Russlands Angriffskrieg zeigt uns doch, dass viel mehr Kampfpanzer notwendig sind“
16 europäische und Nato-Staaten nutzen den Leopard 2 – damit ist das deutsche Produkt quasi der Standard-Panzer der westlichen Verteidigungs-Allianz. Weltweit nutzen 23 Nationen den Leopard 2 in Versionen vom A4 bis A7A1, so ESUT. Ungewiss ist, welche Staaten sich mit einem MGCS ausrüsten werden oder einem Leopard 2-Nachfolger. Der Leopard 3 wird kein weiteres Upgrade sein, sondern eine eigenständige Entwicklung – die Brücke zum MGCS. Darüber hinaus liefert Rheinmetall mit dem KF 51 Panther einen Gegenentwurf zum Leopard. „Der Kampfpanzer wird eine Renaissance erleben, weil die Europäer wieder auf die Bündnis- und Landesverteidigung setzen müssen, ihre Panzer aber veraltet sind“, sagte Armin Papperger kürzlich dem Tagesspiegel.
„Gerade Russlands Angriffskrieg zeigt uns doch, dass viel, viel mehr Kampfpanzer der neuesten Generation notwendig sind. Hätte die Ukraine gleich am Anfang mehr davon zur Verfügung gehabt, bevor die ganzen Panzersperren aufgebaut wurden, hätte sie die Möglichkeit gehabt, durchzustoßen und möglicherweise weitere Erfolge zu erzielen“, so der Geschäftsführer der deutschen Rüstungsschmiede Rheinmetall. Die Neuerungen des 2A8 sind eher konventionell.
Der 2A8 verfügt vor allem über einen besseren Schutz durch das aktive Schutzsystem EuroTrophy, das besser gegen anfliegende Geschosse wirken soll; auch die Panzerung ist aufgewertet worden. Der Motor bietet rund 100 PS mehr Leistung und verbesserte Elektronik, Sensoren und optronische Systeme wie Wärmebildgeräte ermöglichen eine frühzeitigere und genauere Aufklärung. Die Primärbewaffnung besteht aus einer neuen 120 mm Glattrohrkanone.
Lehren aus der Ukraine: „Deutsche Leopard-2-Panzer scheitern auf dem Schlachtfeld“
Feuerkraft, Mobilität und Schutz sollen im darauf folgenden Leopard 2AX beziehungsweise Leopard 3 noch weiter verbessert werden, schreibt TWZ-Autor Thomas Newdick. Vermutlich wird der neue Panzer eine 130mm- beziehungsweise 140mm-Kanone bekommen. Rheinmetall arbeitet gerade an Studien.
Den aktuellen Leopard hat gerade Großbritannien in Grund und Boden geschrieben – was vielleicht als Symbol gelten kann dafür, was Europa beziehungsweise der Nato an Gemeinsamkeit noch fehlt. Die Briten verfolgen an Panzern den gleichen Ego-Trip wie die Franzosen mit den Flugzeugen. „Deutsche Leopard-2-Panzer scheitern auf dem Schlachtfeld in der Ukraine“, schreibt der britische Telegraph aktuell. Die Briten setzen statt des deutschen Produkts auf ihre eigene Entwicklung Challenger.
Allerdings räumen die Briten neben der diffamierenden Schlagzeile zumindest ein, dass auch ihr Panzer für das Geläuf in der Ukraine zu schwer gewesen ist und deshalb nicht nur ein Fahrzeug vor laufenden Kameras im Morast versunken war, sondern auch die britischen Panzer schlussendlich zu bloßer Artillerie degradiert worden sind. „Kiew hat von ähnlichen Problemen mit dem von Großbritannien gespendeten Panzer Challenger 2 berichtet“, schreibt Telegraph-Autor Aaron Burnett. „Ein ukrainisches Besatzungsmitglied erklärte gegenüber The Sun im vergangenen Jahr, dass die Panzer häufig kaputtgingen und nicht so leicht repariert werden könnten.“
Anfälligkeit gegen Drohnen: Mit der neuen Panzerung des 2A8 überholt?
Der Telegraph gibt wieder, was erneut an Kritik an den deutschen Kampfpanzern geäußert wird – aktuell durch den in Berlin sitzenden Thinktank European Resilience Initiative Center (ERIC): „Sie wurden von einer Generation deutscher Hersteller entworfen, die den Krieg nicht erlebt hatten und daher dazu neigten, das System zu kompliziert zu machen“, sagt Sergej Sumlenny – der ERIC-Geschäftsführer stößt sich an der Anfälligkeit vor allem gegenüber Drohnenangriffen.
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Die Kritik mag mit der neuen Panzerung des 2A8 überholt sein: Das kampferprobte Trophy-System sei verbessert worden und biete eine entscheidende Leistungssteigerung gegen verschiedene Top-Down-Bedrohungen, hat im Oktober 2024 The War Zone berichtet. Auch die Firma EuroTrophy verspricht auf ihrer Website „neue Funktionen des Trophy Active Protection System (APS) zur Abwehr von unbemannten Luftsystemen (UAS) und ,Top Attack‘-Bedrohungen an und erweitert seine Verteidigungsabdeckung, um Kampffahrzeugen erweiterten Schutz vor sich entwickelnden Bedrohungen zu bieten“. Damit könnte der Leopard 2A8 bereits auftrumpfen.
Allerdings dämpft TWZ-Autor Joseph Trevithick die Euphorie: „Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass APS kein Allheilmittel gegen Drohnenbedrohungen sind. Diese stehen offenbar an der Schwelle zu einer weiteren großen Entwicklung, wenn nicht gar Revolution, die stark von den Fortschritten in der künstlichen Intelligenz angetrieben wird.“ (KaHin)
