VonLukas Rogallaschließen
Geert Wilders gewinnt die Wahl in den Niederlanden. Der Rechtspopulist will eine neue Ära einläuten. Alle Infos zur vorgezogenen Neuwahl hier in der Übersicht.
- Niederlande wählen ein neues Parlament: So funktioniert das Wahlsystem
- Wer tritt an bei der Niederlande-Wahl? Die Spitzenkandidatinnen- und Kandidaten der Parteien im Überblick
- Enges Rennen erwartet: Was die letzten Umfragen zur Niederlande-Wahl sagen
Update vom 23. November: Die Niederlande stehen nach dem triumphalen Wahlsieg des Rechtspopulisten Geert Wilders bei der Parlamentswahl vor einem historischen Rechtsruck. Nach Auszählung fast aller Stimmen steht fest: Die islamfeindliche PVV hat mit Abstand die meisten Sitze im Parlament errungen. Deutlich abgeschlagen folgen das Mitte-Links-Bündnis Groenlinks/PvdA sowie die bürgerlich-konservative VVD auf den Plätzen zwei und drei. Wilders will nun an die Macht. Doch ob die PVV wirklich ein Bündnis mit anderen Partnern schmieden kann, ist offen.
Niederlande-Wahl 2023: Wahlsystem, Parteien und Kandidaten im Überblick
Den Haag – Die Niederlande wählen ein neues Parlament – zwei Jahre früher als geplant. Bei einer vorgezogenen Neuwahl werden die 150 Abgeordneten in der Zweiten Kammer (Tweede Kamer) in Den Haag neu bestimmt. Mit dem Zerfall der Regierung um Ministerpräsident Mark Rutte, der das Land 13 Jahre lang regierte, beginnt damit eine neue Ära.
Das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik ist auf einem Zehn-Jahres-Tief angekommen. Nun kann es sowohl nach links als auch nach rechts gehen. Doch viele Wählerinnen und Wähler sind noch unentschlossen – kein Wunder, bei den vielen Parteien, die ins Parlament einziehen können.
| Niederlande-Wahlen 2023 | Vorgezogene Neuwahl |
|---|---|
| Datum | Mittwoch, 22. November 2023 |
| Was wird gewählt? | Tweede Kamer (Zweite Kammer) |
| Abgeordnete | 150 |
| Legislaturperiode | Vier Jahre |
| Verkündung endgültiges Ergebnis | Donnerstag, 30. November 2023 |
Neuwahlen und Wahlsystem der Niederlande
Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Diese wird als Präferenzstimme für den Kandidaten einer Liste abgegeben. Die Niederlande nutzen ein Verhältniswahlrecht, das die Anzahl der Sitze im Parlament proportional zur Anzahl der erhaltenen Stimmen einer Partei zuordnet. In den Niederlanden wahlberechtigt ist, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat. Die Legislaturperiode beträgt vier Jahre.
So etwas wie eine Sperrklausel gibt es ebenfalls – jedoch ist die Hürde, ins Parlament einzuziehen, deutlich tiefer als in Deutschland. Nur wer mehr als 1/150, etwa 0,67 Prozent, der abgegebenen gültigen Stimmen erhält, erhält einen Sitz im Parlament. Das entspricht erfahrungsgemäß etwa 63.000 Stimmen. Nach der Parlamentswahl werden also höchstwahrscheinlich mehr als ein Dutzend Parteien in Den Haag vertreten sein.
Traditionell wird der Spitzenkandidat der stärksten Partei damit beauftragt, eine Koalition zu bilden. Die niederländische Parteienlandschaft ist stark zersplittert – eine Regierungsbildung also erfahrungsgemäß schwierig.
Diese Parteien treten zu den Neuwahlen in den Niederlanden an
- VDD (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie): konsersativ-liberal
- D66 (Democraten 66): linksliberal
- PvdA/GL (Partij van de Arbeid/GroenLinks): mitte-links, grün
- PVV (Partij voor de Vrijheid): rechtspopulistisch, islamfeindlich
- CDA (Christen-Democratisch Appèl): christdemokratisch, mitte-rechts
- SP (Socialistische Partij): demokratischer Sozialismus
- FvD (Forum voor Democratie): rechtspopulistisch
- PvdD (Partij vor de Dieren): Tierrechte, Umweltschutz
- CU (ChristenUnie): christdemokratisch, mitte-rechts
- Volt: pro-europäisch
- JA21 (Juiste Antwoord 21): liberal-konservativ; rechtspopulistisch
- SGP (Staatkundig Gereformeerde Partij): christlich-rechts
- DENK: sozialdemokratisch, Minderheitenrechte
- 50PLUS: Rechte von Rentnerinnen und Rentnern
- BBB (BoerBurgerBeweging): rechtspopulistisch, Agrarismus
- BIJ21: Antirassismus
- PPNL/DG (Piratenpartij/De Groenen): Bürgerrechte, grün
- BVNL (Belang van Nederland): rechtspopulistisch
- NSC (Nieuw Sociaal Contract): christdemokratisch, mitte-rechts
- SPL (Splinter): Anti-Identitätspolitik
- LP (Libertaire Partij): libertär
- LEF (LEF – Voor de Nieuwe Generatie): Jugendpolitik
- SvN (Samen voor Nederland): rechtspopulistisch
- NLPLAN (Nederland met een PLAN): partizipatorische Demokratie
- PvdS (PartijvdSport): Sport, Gesundheit
- PPvB (Politieke Partij voor Basisinkomen): bedingungsloses Grundeinkommen
Das sind die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien bei der Niederlande-Wahl
Nach Mark Ruttes Rückzug aus der Politik will VVD-Spitzenkandidatin Dilan Yeşilgöz die erste Regierungschefin der Niederlande werden. Sie steht vor allem für eine striktere Linie beim Thema Migration. Konkurrenz bekommt sie durch den früheren Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans. Der 62-Jährige zieht für das Bündnis aus Sozialdemokraten und Linksgrünen (PvdA/GL) in die Parlamentswahl.
Auch Pieter Omtzigt könnte Ministerpräsident werden. Der in den Niederlanden beliebte Omtzigt erlebt mit seiner erst drei Monate jungen Partei einen regelrechten Höhenflug und mischt in den Umfragen ganz vorne mit. Allerdings ist unklar, ob Omtzigt auch wirklich regieren möchte – das politische Geschäft habe ihm in den letzten Jahrzehnten schon viel abverlangt.
Für die rechtspopulistische PVV tritt erneut der in Europa bekannte Islamgegner Geert Wilders an, der nach vielen Jahren in der Opposition die Niederlande nun mitregieren möchte.
| Partei | Spitzenkandidat/-kandidatin |
|---|---|
| VVD | Dilan Yeşilgöz |
| D66 | Rob Jetten |
| PvdA/GL | Frans Timmermans |
| PVV | Geert Wilders |
| CDA | Henri Bontenbal |
| SP | Lilian Marijnissen |
| PvdD | Esther Ouwehand |
| FvD | Thierry Baudet |
| CU | Mirjam Bikker |
| BBB | Caroline van der Plas |
| SGP | Chris Stoffer |
| DENK | Stephan van Baarle |
| Volt | Laurens Dassen |
| JA21 | Joost Eerdmans |
| BIJ21 | Edson Olf |
| NSC | Pieter Omtzigt |
So sahen die Umfragen zur Niederlande-Wahl aus
Die aktuellen Umfragen zur Niederlande-Wahl deuten auf ein enges Rennen um Platz eins hin. Sowohl das Bündnis aus Sozialdemokraten und Linksgrünen (PvdA/GL) als auch die konservativ-liberale VVD und die rechtspopulistische PVV könnten den Werten zufolge stärkste Kraft werden. Zuletzt war auch die neu gegründete christdemokratisch-zentristische Partei NSC überraschend mit im Rennen. Die Partei ist in letzten Umfragen vor der Wahl allerdings etwas abgestürzt. Kurz vor der Wahl ist alles offen: Laut Meinungsforscherinnen und -forschern haben sich vor dem Wahltag erst 40 Prozent der Wahlberechtigten auf eine Partei festgelegt.
| Partei | Stimmenanteil in Prozent |
|---|---|
| PvdA/GL | 17,2 |
| VVD | 17,1 |
| PVV | 16,6 |
| NSC | 13,7 |
| D66 | 5,3 |
| BBB | 4,2 |
| PvdD | 3,3 |
| FvD | 3,0 |
| Quelle: I&O Research (Stand: 20. November 2023) |
So ging die letzte Parlamentswahl in den Niederlanden aus
| Partei | Stimmenanteil in Prozent |
| VVD | 21,87 |
| D66 | 15,02 |
| ÜVV | 10,79 |
| CDA | 9,50 |
| SP | 5,98 |
| PvdA | 5,73 |
| GL | 5,16 |
| FvD | 5,02 |
| PvdD | 3,84 |
| CU | 3,37 |
| Volt | 2,4 |
| JA21 | 2,4 |
| SGP | 2,1 |
| Denk | 2,0 |
| 50+ | 1,0 |
| BBB | 1,0 |
| BIJ1 | 0,8 |
Nach der letzten Parlamentswahl 2021 wurde Mark Ruttes liberal-konservative VVD stärkste Kraft. Die Partei ging eine Koalition mit der linksliberalen D66, dem christdemokratischen CDA und der christlich-konservativen CU ein. Bis das Bündnis zustande kam, vergingen mehrere Monate. Erst im Januar 2022 wurde das Kabinett Rutte IV vereidigt. Im Sommer 2023 ließ der Ministerpräsident die Koalition wieder platzen – weil seine Koalitionspartner eine strenge Begrenzung des Familiennachzugs von Geflüchteten ablehnten. (lrg)
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