„Mal ausgebuht, mal angeschrien“: Nietzard rechnet mit Grünen ab – Banaszak nimmt Stellung
VonPaula Völkner
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Nietzard richtet deutliche Kritik an die Grünen. Differenzen zwischen der Grüne-Jugend-Sprecherin und ihm seien „kein Geheimnis“, erklärt Parteichef Banaszak.
Berlin – Die Spitze der Grünen Jugend wird sich personell neu aufstellen, jedenfalls zur Hälfte. Am Dienstag (29. Juli) hat Jette Nietzard, Co-Chefin der Grünen-Nachwuchsorganisation, ihren Rückzug angekündigt; Nietzard wird nicht erneut für das Amt kandidieren. Das gab die Grünen-Politikerin in einer Video-Botschaft auf Instagram bekannt – und rechnete gleichzeitig mit ihrer Partei sowie einzelnen Vertreterinnen und Vertretern ab.
Nietzard kündigt Rückzug an und kritisiert die Grünen – Banaszak nimmt Stellung
Zur Botschaft der Co-Chefin der Grünen Jugend erklärt der Grünen-Parteivorsitzende Felix Banaszak gegenüber Fr.de von Ippen.Media: „Eine grüne Partei muss das Interesse an einer Jugendorganisation haben, die mit ihr kontrovers über den richtigen Kurs grüner Politik streitet.“ Nietzard und er hätten dazu „in kommunikativer, strategischer und auch inhaltlicher Hinsicht meistens unterschiedliche Auffassungen“ gehabt, führt Banaszak aus: Das sei „kein Geheimnis“.
Jette Nietzard rechnet mit Grünen ab: „Mal ausgebuht, mal angeschrien“
Nietzard hatte in ihrem Video erklärt, dass ihre Gedanken bei den Grünen nicht immer auf Gegenliebe gestoßen seien. „Mal wurde ich in Fraktionssitzungen ausgebuht, mal wurde ich von Realo-Spitzenpersonal angeschrien oder von Ministerpräsidenten oder solchen, die es werden wollten, wurde mein Rücktritt gefordert“, sagte sie in Anspielung auf den baden-württembergischen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Cem Özdemir, der ihm nachfolgen will.
Seit einiger Zeit sei klar, dass sie „in diesem Bundesvorstand“ der Partei keine Zukunft haben könne. „Bei ständigen Anfeindungen kann einfach keine gute Politik entstehen und wenn die Parteispitze es nicht schafft, dass diese Anfeindungen enden, dann ziehe ich eben die Konsequenzen für meinen Jugendverband“, resümierte Nietzard.
Trotz inhaltlicher, strategischer und kommunikativer Differenzen erklärt Banaszak: „Das ändert nichts an meinem Respekt vor dem Schritt, den sie jetzt geht.“ Den Rückzug der Grüne-Jugend-Chefin nehme er zum Anlass, „als Partei unsere Gesprächskanäle mit unserer Jugendorganisation weiter zu pflegen“.
Grüne-Jugend greift Mutterpartei an: „Zustand der Orientierungslosigkeit“
Frustriert äußert sich jedoch nicht nur Nietzard über die Parteispitze und den Kurs der Grünen. Auch Co-Chef Jakob Blasel veröffentlicht ein Statement auf Instagram und richtet deutliche Kritik und einen Appell an die Grüne Partei. Während sich die Grüne Jugend neu aufgestellt hätte, hätte sich die Partei „bis zur Unkenntlichkeit in der Ampel-Koalition zerrieben und sich vom Rechtsruck der Gesellschaft mitreißen lassen.“ Das hätte Spuren hinterlassen, schreibt Blasel: „Und unterm Strich befindet sich die Partei heute in einem Zustand der Orientierungslosigkeit.“
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Grüne Jugend kritisiert Umgang mit Nietzard: „Öffentlich auf Einzelperson eingedroschen“
Anstelle einer Neuausrichtung hätten „Menschen aus der eigenen Partei lieber öffentlich auf eine Einzelperson eingedroschen, als sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen“, kritisiert der Chef der Grünen-Jugend mit Blick auf Angriffe gegen Nietzard – diese Grünen-Politiker hätten „rechten Schmutzkampagnen Feuer“ gegeben. Mit Blick auf Nietzards Rückzug fordert er die Grünen auf, es dürfe nicht so weitergehen wie bisher: „Unsouveräne Reaktionen und toxische Empörung der letzten Wochen müssen ausgearbeitet werden.“
Nietzard verteidigt Äußerungen in sozialen Medien nach Rücktritt
Nietzard hatte mit Äußerungen in sozialen Medien immer wieder Ärger und Unverständnis in den Reihen der Grünen ausgelöst. Nun betonte die Co-Chefin der Grünen Jugend in ihrer Video-Botschaft: „In der ganzen Zeit habe ich versucht, Aufmerksamkeit auf linke Themen und auf Ungerechtigkeiten zu lenken. Und auch wenn man meine Art und meinen Weg dabei vielleicht kritisieren will, egal ob bei Polizei oder bei übergriffigen Männern oder beim Rechtsruck in der Migrationspolitik: Ziel meiner Kritik waren immer Menschen in Machtpositionen, die ihrer Verantwortung halt einfach nicht gerecht wurden.“ (pav/dpa)