Bundessprecherin kandidiert nicht erneut

Co-Vorsitzender rechnet wegen Nietzard mit Grünen ab – „rechten Schmutzkampagnen Feuer gegeben“

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Die Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, wird nicht erneut kandidieren. In ihrem Statement kritisierte sie ihre Partei für mangelnden Rückhalt scharf.

Berlin – Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, hat am Dienstag angekündigt, im Herbst nicht erneut für das Amt in der Jugendorganisation kandidieren zu wollen. Das teilte sie in einem kurzen Videoclip auf der Social-Media-Plattform Instagram mit. Sie habe versucht, eine „linke Hoffnung“ und eine „linke Stimme“ in den Grünen zu sein, erklärte Nietzard in dem zweieinhalb Minuten langem Video. „In der ganzen Zeit habe ich versucht, Aufmerksamkeit auf linke Themen und auf Ungerechtigkeiten zu lenken“.

Grüne-Jugend-Chefin Nietzard tritt nicht erneut an und übt Kritik an ihrer Partei

Ihr Ziel seien dabei immer Menschen in Machtposition gewesen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden seien. Auch wenn man ihre Art kritisieren könne, sei Nietzard stolz darauf, in ihrer Zeit als Vorsitzende der Grünen Jugend „immer nach oben getreten“ zu haben und nie nach unten. Scharfe Kritik übte Nietzard dabei auch an den Mitgliedern der Grünen. Einige seien lieber den Kampagnen rechter Medienhäuser hinterhergelaufen, „als sich mit ihren eigenen Leuten zu solidarisieren“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Grüne Jugend: Nietzard begründet Verzicht auf Kandidatur und – rechnet mit ihrer Partei ab

In Richtung des Grünen-Parteivorstands kritisierte Nietzard, man könne nicht einfach weitermachen wie bisher, wenn man die Spitze seines Jugendverbands und 700.000 Stimmen an die Linkspartei verliere. „Jetzt nach der Wahl veröffentlicht ihr mega tolle Papiere, aber mega tolle Papiere bringen den Menschen nach der Wahl hallt nichts, wenn man trotzdem versucht, aus allen Lagern Stimmen zurückzugewinnen.“ Grüne müssten die Konflikte da führen, wo sie sich für die Menschen lohnen würden – zum Beispiel bei Superreichen und Immobilienkonzernen, die für die Höhe der Mieten verantwortlich seien.

Mit ihren Ideen und Gedanken sei sie bei den Grünen „nicht immer auf Gegenliebe gestoßen“, sagt Nietzard weiter. Sie sei in Fraktionssitzungen ausgebuht worden und hochrangige Parteimitglieder hätten öffentlich ihren Rücktritt gefordert. „Das sollte nicht der Alltag einer Grünen-Jugend-Sprecherin sein“, führt Nietzard aus. Seit einiger Zeit sei klar, dass sie keine Zukunft in diesem Bundesvorstand haben könne. Ihr Verzicht auf eine erneute Kandidatur sei der Weg des geringsten Widerstandes, aber auch der Weg, „bei dem die Grüne Jugend weiter mit dem Bundesvorstand zusammenarbeiten kann.“ Bei ständigen Anfeindungen könne keine gute Politik entstehen, deswegen müsse sie jetzt die Konsequenzen ziehen, schließt Nietzard ihre Kritik an den Grünen.

Dennoch kündigte Nietzard an, dass sie – anders als ihre Vorgänger – sowohl Mitglied bei den Grünen, als auch in der Grünen Jugend bleiben wolle.

Nietzards Co-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen Grüne – „öffentlich eingedroschen“

Rückendeckung erhielt Nietzard am Dienstag von ihrem Co-Vorsitzenden bei der Grünen Jugend, Jakob Blasel. „Kritik gehört zur Auseinandersetzung. Rechten Schmutzkampagnen Feuer geben aber absolut nicht“, schrieb Blasel in einem Statement auf Instagram. Die Grünen hätten sich in der Ampel-Koalition mit SPD und FDP „bis zur Unkenntlichkeit“ zerrieben und von einem Rechtsruck mitreißen lassen, wirft Blasel seiner Partei vor. Die Grüne Jugend hätte deswegen versucht, die Partei aus der Bedeutungslosigkeit der Debatten herauszuführen.

„Genau das haben wir getan. Über Inhalte, Form und Ergebnis lässt sich bekanntermaßen gut streiten. Das ist aber leider nicht geschehen. Stattdessen haben Menschen aus der eigenen Partei lieber öffentlich auf eine Einzelperson eingedroschen, als sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen.“ Blasel erklärte weiter, er habe großen Respekt vor Nietzards Entscheidung. „Die persönlichen Anfeindungen, die sie aus den eigenen Reihen erlebt hat, standen der politischen Auseinandersetzung im Weg. Dennoch bleibt Jette Teil unseres Verbandes und der Partei.“

Der Vorsitzende der Grünen Jugend, Jakob Blasel, hat nach der Ankündigung seiner Co-Vorsitzenden Jette Nietzard mit seiner Partei abgerechnet.

ACAB-Pullover und Böller-Eklat – Nietzard erntete auch in den eigenen Reihen scharfe Kritik

Nietzard stand in den vergangenen Monaten immer wieder für ihre Aussagen und ihr Auftreten in der Kritik – vor allem aus den Reihen der Union, aber auch in der eigenen Partei. So schrieb Nietzard am Silvesterabend 2024 auf der Plattform X: „Männer die ihre Hand beim Böllern verlieren können zumindest keine Frauen mehr schlagen“.

Im Mai dieses Jahres teilte die Politikerin ein Bild von sich auf dem Weg in den Deutschen Bundestag, bei dem sie eine Mütze mit der Aufschrift „Eat the Rich“ und einen Pullover mit dem Akronym ACAB (All Cops are Bastards) trug. Vor allem für den Pullover erhielt Nietzard auch aus der eigenen Partei scharfen Gegenwind. Bundestagspräsidenten Julia Klöckner (CDU) drohte der Grünen-Jugend-Chefin daraufhin mit dem Entzug ihres Hausausweises. (fd)

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa

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