Özdemir auf Aufholjagd in Baden-Württemberg – CDU könnte noch stolpern
VonStephanie Munk
schließen
Schafft Özdemir (Grüne) noch die Wende in Baden-Württemberg? Fünf Wochen vor der Landtagswahl holt er in Umfragen gegen die CDU auf.
Am Kandidaten lag es nicht, falls die Grünen am 8. März bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten verlieren: Bei einer Direktwahl würden laut Berliner Morgenpost 39 Prozent in Baden-Württemberg für Cem Özdemir stimmen. Er wäre damit haushoher Sieger.
Allerdings: Özdemir holt jetzt auf. Laut der neuesten Umfrage von Infratest/dimap kommt die CDU auf 29 Prozent und bleibt stabil, die Grünen klettern allerdings satte drei Punkte nach oben und kommen auf 23 Prozent.
Sonntagsfrage Landtagswahl Baden-Württemberg vom 22. Januar 2026
CDU
29
Grüne
23
AfD
20
SPD
8
Linke
7
FDP
5
Repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des SWR und der Stuttgarter Zeitung, Stand: 22. Januar 2026
Landtagswahl Baden-Württemberg: Özdemir bekannter und beliebter als CDU-Spitzenkandidat Hagel
Der Rückstand zur CDU beträgt damit nur noch sechs Punkte. Hinzu kommt: Özdemir ist weitaus bekannter als Manuel Hagel (37) von der CDU, was ihm bei den Unentschlossenen in den Wahlkabinen am 8. März helfen könnte. Özdemir, der sich selbst gern als „anatolischer Schwabe“ bezeichnet, war zehn Jahre lang Bundesvorsitzender der Grünen, später dann Bundeslandwirtschaftsminister. Er gilt als großes Redetalent, weshalb er auch oft und gerne in politischen Talkshows sitzt.
Özdemir hofft jedenfalls auf eine Aufholjagd kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Und er kann auf ein Beispiel in der Vergangenheit verweisen: Auch 2016 lagen die Grünen in Baden-Württemberg acht Wochen vor der Landtagswahl sieben Punkte hinter der CDU. Am Ende gewann Kretschmann.
30 Fotos zeigen eine Auswahl der bekanntesten Politiker aus Baden-Württemberg
Özdemir kann bei Baden Württemberg-Wahl nicht auf Rückenwind von Grünen im Bund hoffen
Es gibt jedoch einen Unterschied: Damals waren die Grünen bundesweit im Aufwind. Der Klimaschutz galt noch nicht als solch verbranntes Thema wie heute. 2026 kann Özdemir dagegen nicht auf Rückenwind vom Bund hoffen, wo die Grünen bei mageren zwölf Prozent dümpeln, also aktuell nur halb so viele Prozentpunkte erreichen wie Özdemir in Baden-Württemberg. Kein Wunder, dass Özdemir nicht gerade ins Schaufenster stellt, dass er ein Grüner ist: Auf seinen Wahlplakaten ist nichts von den Grünen zu lesen, nur eine kleine Sonnenblume in der Ecke gibt einen Hinweis, dass Özdemir ein Grüner ist. Auch auf seiner Website findet sich auf der Startseite kein einziger Hinweis auf die Grünen, stattdessen der Slogan: „Der kann es“.
Özdemir gilt als einer der Konservativsten unter den Grünen, ähnlich wie Winfried Kretschmann, den er im Ländle als Ministerpräsident beerben will. Bei seinen Wahlkampfauftritten macht er sich für eine starke Wirtschaft und eine starke Automobilindustrie in Baden-Württemberg stark. „Woke“ will Özdemir auf keinen Fall wirken. Auch zur Migration äußerte sich Özdemir, selbst Sohn von türkischen Gastarbeitern, weitaus kritischer als in seiner Partei üblich. In einem Podcast von Table.Briefings gefragt, was ihn überhaupt von der CDU unterscheide, sagte Özdemir: „Dass wir die Versprechen halten, die die CDU gibt.“
CDU könnte vor der Wahl in Baden-Württemberg auf letzten Metern stolpern
Die CDU dagegen läuft Gefahr, kurz vor der Baden-Württemberg-Wahl an Zustimmung zu verlieren. Die Bundesregierung unter CDU-Kanzler Friedrich Merz ist unbeliebt wie nie. Aktuelle Debatten, wie eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung oder die Diskussion um „Lifestyle“-Teilzeit könnten dazu führen, dass Wähler sich abwenden.
Dies befürchtet auch Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels: So wie es derzeit laufe, dürfe man sich nicht wundern, dass „bei den Umfragen für die Union bei 27 Prozent eine gläserne Decke eingezogen ist“, sagte Radtke in der Süddeutschen Zeitung. „Die jüngsten Forderungen aus der Parteispitze lassen die Frage aufkommen: Was haben wir eigentlich für ein Bild von den Beschäftigten in Deutschland? Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass alles auf einer Seite abgeladen wird, nämlich bei den Beschäftigten.“
Grüne stimmten gegen Mercosur – Özdemir reagierte verärgert
Doch auch Özdemir werden vor der Landtagswahl von seiner Partei Steine in den Weg gelegt: Die Grünen-Europaabgeordneten stimmten jüngst in Brüssel gegen das Mercosur-Abkommen – ein Freihandelsabkommen mit Südamerika, das auch für die Autobauer in Baden-Württemberg wichtig wäre. Özdemir war darüber alles andere als erfreut – stehen damit seine Grünen doch wieder als Wirtschaftsfeinde da. „Offensichtlich haben noch immer zu viele den Ernst der Lage nicht verstanden“, wetterte Özdemir nach der Abstimmung auf X. (Quellen: Table Media, Süddeutsche Zeitung, SWR, X, Berliner Morgenpost) (smu)