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Grünen-Parteitag in Baden-Württemberg: Kretschmann geht, Özdemir kommt

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Die Grünen bereiten sich auf den Wahlkampf vor: Özdemir soll Kretschmanns Nachfolge antreten – doch die Umfragen zeigen eine schwierige Ausgangslage für die Wahl 2026.

Stuttgart – Mit welchen Inhalten und Versprechen ziehen die Grünen aus Baden-Württemberg in den Landtagswahlkampf? Knapp drei Monate vor der Landtagswahl stimmt sich die Partei am Wochenende ab – und schwört ihre Mitglieder auf den Wahlkampf ein.

Die Grünen bereiten sich auf den Wahlkampf vor. Cem Özdemir (l.) soll als Spitzenkandidat nach Winfried Kretschmann (r.) punkten. Doch die Umfragen zeigen eine schwierige Ausgangslage. (Archivbild)

Nach fast 15 Jahren an der Regierung müssen die Grünen um ihre Macht im Südwesten bangen: Derzeit sehen Umfrage nur wenig Chancen, dass sie auch den nächsten Ministerpräsidenten im Südwesten stellen werden.

Kretschmann geht – Özdemir übernimmt

Auf die heiße Phase des Landtagswahlkampfs in Baden-Württemberg stimmen sich die Grünen von Regierungschef Winfried Kretschmann ab Freitag (17.00 Uhr) bei einem Parteitag ein. Die Grünen-Delegierten treffen sich dazu in Ludwigsburg, sie wollen das Programm für die Wahl am 8. März 2026 beraten und beschließen. Auf der Tagesordnung stehen außerdem Vorstandwahlen. 

Am Abend ist eine Rede von Ministerpräsident Kretschmann geplant, der nach drei Amtsperioden bei der Wahl nicht mehr antritt. Grünen-Spitzenkandidat ist diesmal der frühere Bundesminister Cem Özdemir. Die Grünen führen seit 2011 die Landesregierung an und regieren seit 2016 mit der CDU in Baden-Württemberg. Sprechen soll am Freitagabend zudem der Konzernbetriebsratschef von Daimler Truck, Michael Brecht. 

30 Fotos zeigen eine Auswahl der bekanntesten Politiker aus Baden-Württemberg

Politiker Thorsten Frei von der Partei CDU/CSU
Thorsten Frei (geboren in Säckingen, Lkr. Waldshut) von der CDU dürfte den meisten aus der einen oder anderen Nachbesprechung der Bundestagswahl 2025 im Fernsehen bekannt vorkommen. Seit 2013 sitzt er im Bundestag, davor war er Bürgermeister von Donaueschingen. © IMAGO / Political-Moments
Politiker Thomas Strobl von der Partei CDU
Von 2011 bis 2023 war Thomas Strobl (geboren in Heilbronn) Vorsitzender der CDU Baden-Württemberg. Seit 2016 ist er zudem Innenminister des Landes im Kabinett Kretschmann. Beinahe wäre er Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 geworden, doch er unterlag in der Mitgliederbefragung knapp … © IMAGO / Oryk HAIST
Politiker Guido Wolf von der CDU
… Guido Wolf (geboren in Weingarten, Lkr. Ravensburg), der sich in der Wahl jedoch nicht durchsetzen konnte und in der Folge „nur“ als Landesjustizminister im Kabinett saß. Als Abgeordneter ist er bereits seit 2006 Teil des Landtags. ©  IMAGO / Arnulf Hettrich
Der ehemalige Reichskanzler Hermann Müller bei einer Rede.
Hermann Müller (Mitte, geboren in Mannheim) bei einer Rede 1925. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg fungierte er als Parteimitte in der SPD. Kurzzeitig 1920 und nochmal von 1928 bis 1930 war er Reichskanzler der Weimarer Republik. © IMAGO / TT
Der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs Reinhold Meier.
Reinhold Maier (geboren in Schorndorf) war der erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg. In dieser Funktion unterzeichnete er 1949 auch die Urschrift des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. © dpa / Assmann
Der ehemalige Ministerpräsident Baden Württembergs Hans Filbinger von der Partei CDU.
Hans Filbinger (geboren in Mannheim) – durchaus umstritten aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft in der NSDAP und der SA – war als CDU-Politiker von 1966 bis 1978 Ministerpräsident Baden-Württembergs. Seine Nachfolge trat …  © IMAGO / Rust
Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Lothar Späth von der Partei CDU.
… 1978 Lothar Späth (geboren in Sigmaringen) – Spitzname „Cleverle“ – an. Er regierte als Ministerpräsident von Baden-Württemberg in einer CDU-Alleinregierung, ehe ihn … © IMAGO / sepp spiegl
Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Erwin Teufel von der Partei CDU.
… Erwin Teufel (geboren in Rottweil) als Ministerpräsident von Baden-Württemberg ablöste. Von 1991 bis 2005 führte er den Südweststaat insgesamt 14 Jahre lang. 1994 präsentierte er zusammen mit der Stadt Stuttgart, der Bahn und dem Bund den ersten Plan für das umstrittene Projekt Stuttgart 21. ©  IMAGO / photothek
Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger von der Partei CDU.
CDU-Politiker Günther Oettinger (geboren in Stuttgart) hatte das höchste Amt des Landes Baden-Württemberg dann von 2005 bis 2010 inne. Trotz schwäbelnder Englisch-Kenntnisse gehörte er in der Folge für neun Jahre der EU-Kommission an, ehe er als Lobbyist und in verschiedenen Beraterpositionen tätig war. Sein letzter parteiinterner Nachfolger als Ministerpräsident war …  ©  IMAGO / ZUMA Press Wire
Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Stefan Mappus von der Partei CDU.
… Stefan Mappus (geboren in Pforzheim), der das Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten 2010 übernahm, als Oettinger für die EU-Kommission nominiert wurde. Es sollte jedoch eine kurze Amtszeit werden: Die Landtagswahl 2011 verlor er als Spitzenkandidat und zog sich aus der Politik zurück. Ein ähnliches Schicksal will … © IMAGO / Reiner Zensen
Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion Baden-Württemberg bei einer Rede im Landtag.
… Manuel Hagel (geboren in Ehingen (Donau)) bei der Landtagswahl 2026 vermeiden. Er ist seit 2021 Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Baden-Württemberg und strebt das Amt des Ministerpräsidenten im Ländle an. © IMAGO / Arnulf Hettrich
Außenminister Klaus Kinkel Deutschland von der Partei FDP
FDP-Politiker Klaus Kinkel (geboren in Metzingen) prägte die Bundespolitik in einigen Ämtern mit: Unter anderem war er von 1979 bis 1982 Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), von 1991 bis 1992 Bundesjustizminister und von 1993 bis 1998 Vizekanzler. © IMAGO / sepp spiegl
Reinhard Bütikofer beim Bundesparteitag Bündnis 90/ Die Grünen 2022.
Reinhard Bütikofer (geboren in Mannheim) war von 2009 bis 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments in der Grünen-Fraktion. Zuvor saß der Politiker von Bündnis 90/ Die Grünen jedoch von 1988 bis 1996 als Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg. Er prägte die Grünen maßgeblich mit, genauso wie … © IMAGO / Political-Moments
Claudia Roth, Grünen-Politikerin
… Claudia Roth (geboren in Ulm). Von 2001 bis 2002 und von 2004 bis 2013 stand sie jeweils als eine von zwei Bundesvorsitzenden an der Spitze ihrer Partei Bündnis 90/ Die Grünen. Ursprünglich kommt sie jedoch nicht aus der Politik, sondern war kulturell engagiert – in den 80er-Jahren etwa als Managerin von Ton Steine Scherben und Rio Reiser. © IMAGO / Political-Moments
Manfred Rommel, ehemaliger Oberbürgermeister von Stuttgart raucht eine dicke Zigarre in Bonn.
Manfred Rommel (geboren in Stuttgart) war Oberbürgermeister von Stuttgart von 1974 bis 1996. Nach ihm ist der Stuttgarter Flughafen, der Manfred Rommel Airport, benannt. Deutlich umstrittener war sein Vater …  © IMAGO / photothek
Generalfeldmarschall Erwin Rommel bespricht sich mit italienischen Generälen 1942.
… Erwin Rommel (Mitte, geboren in Heidenheim an der Brenz). Er trat 1910 in die württembergische Armee ein, kämpfte im Ersten Weltkrieg und machte im Dritten Reich als Generalfeldmarschall und Kriegskommandeur Karriere. Manche Quellen nennen den „Wüstenfuchs“ – so sein Spitzname – sogar „Hitlers Lieblingsgeneral“.  ©  IMAGO / United Archives International
CDU-Politiker Otto Hauser
CDU-Politiker Otto Hauser (geboren in Göppingen) war ab 1989 Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag. Für Schlagzeilen sorgten seine Aussagen zum Magdeburger Modell, der SPD-Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt ab 1994, das sei „ungefähr dasselbe, als wenn die Nationalsozialisten nach dem Kriege unter anderem Namen mitregiert hätten“. Ganz und gar nicht d‘accord war wahrscheinlich schon damals … © IMAGO / Jürgen Eis
SPD-Vorsitzende Saskia Esken bei einer Rede 2024.
… Saskia Esken (geboren in Stuttgart), die 1990 in die SPD eintrat. Seit 2013 sitzt sie für die Sozialdemokraten im Bundestag und führt die Partei seit 2019 als eine der beiden Parteivorsitzenden an. © IMAGO / Bernd Elmenthaler
Der ehemaligen Parteivorsitzende der Linken Bernd Riexinger bei einer Rede beim Parteitag 2019.
Bernd Riexinger (geboren in Leonberg) sitzt seit 2017 im Bundestag, nachdem er sich zuvor bei seiner Partei Die Linke in Baden-Württemberg engagiert hatte. Bekannt ist er zudem für seine Tätigkeiten als Gewerkschaftssekretär bei ver.di und als Parteivorsitzender der Linken von 2012 bis 2021. ©  IMAGO / Karina Hessland
Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn.
Fritz Kuhn (geboren in Bad Mergentheim) – ursprünglich SPD-Mitglied – kam 1980 als Gründungsmitglied zu den Grünen und saß ab 1984 im Landtag Baden-Württemberg. Später wechselte er auf Bundesebene, war von 2000 bis 2002 Bundesvorsitzender seiner Partei und 2005 bis 2009 außerdem Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag. Zuletzt war er Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart von 2013 bis 2021. © IMAGO / Lichtgut
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bei einem Streitgespräch und bei der Eröffnung der neuen Radbrücke in Tübingen.
Boris Palmer (geboren in Waiblingen) gehört wohl zu den umstrittensten Politikern Baden-Württembergs. Palmer – ehemals Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen – ist seit 2007 Oberbürgermeister der Stadt Tübingen und geriet seitdem immer wieder wegen Rassismusvorwürfen oder vermeintlichen Tabubrüchen und Konflikten in die bundesweiten Schlagzeilen. Liiert war er bis 2013 mit … © IMAGO / Ulmer II (links) und IMAGO / Ulmer/Teamfoto (rechts)
Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner.
… Franziska Brantner (geboren in Lörrach). Seit eben diesem Jahr 2013 sitzt Brantner im Bundestag, zuvor war sie im Europäischen Parlament tätig. Ende 2024 wurde sie zur Bundesvorsitzenden des Bündnis 90/ Die Grünen gewählt und zählt damit zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Partei. Zweifelsohne gehört dazu auch … ©  IMAGO / Metodi Popow
Grünen-Politiker Joschka Fischer in jungen Jahren und später.
… Joschka Fischer (geb Gerabronn, Lkr. Schwäbisch-Hall). Er trat in den 80er-Jahren dem Bündnis 90/ Die Grünen bei und war von 1998 bis 2005 Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik. Bekannt ist der „Revoluzzer“ vor allem für seine damalige Vereidigung in Turnschuhen, seine launische und temperamentvolle Art, sowie einen der berühmtesten Ausrutscher im Bundestag: „Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!“ ©  IMAGO / United Archives (links) und IMAGO / Guido Schiefer (rechts)
Grünen-Politiker Cem Özdemir mit seinem Dienstrad.
Cem Özdemir (geboren in Bad Urach) trat 1981 dem Bündnis 80/ Die Grünen bei. Mehr als 40 Jahre später ist er nicht nur Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026, sondern auch Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft in der Ampel-Koalition seit 2021 – und großer Fahrrad-Fan. ©  IMAGO / Photopress Müller (links) und IMAGO / Political-Moments (rechts)
Der erste Bundespräsident Theodor Heuss rechts neben Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Theodor Heuss (rechts, geboren in Brackenheim, Lkr. Heilbronn) hatte als erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland ab 1949 die knifflige Aufgabe, das schlechte Ansehen der Deutschen in der Welt zu verbessern. Der ehemalige Journalist war zudem der erste Bundesvorsitzende der 1948 gegründeten FDP. Das Amt des Bundespräsidenten erlangte Jahre später als nächster gebürtiger Baden-Württemberger … © IMAGO / ZUMA/Keystone
Bundespräsident Richard von Weizsäcker rechts neben Ministerin Angela Merkel links.
… Richard von Weizsäcker (rechts, geboren in Stuttgart). Er hatte das Amt als Bundespräsident für zehn Jahre von 1984 bis 1994 inne. Er war außerdem von 1979 bis 1981 Vizepräsident des Deutschen Bundestages und Regierender Bürgermeister der Stadt Berlin von 1981 bis 1984. In seiner politischen Laufbahn innerhalb der CDU hatte er unter anderem mit einer gewissen Angela Merkel (links) zu tun.  © IMAGO / Frank Sorge
Pressekonferenz mit Ricarda Lang, Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen 2022
Ricarda Lang (geboren in Filderstadt) startete ihre politische Laufbahn 2012, als sie in die Grüne Jugend eintrat. Seit 2021 sitzt sie für Bündnis 90/ Die Grünen im Bundestag und war von 2022 bis 2024 eine von zwei Bundesvorsitzenden ihrer Partei.  ©  IMAGO / Chris Emil Janßen
LPK Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
Winfried Kretschmann (geboren in Spaichingen, Lkr. Tuttlingen) ist seit 2011 Ministerpräsident Baden-Württembergs – mittlerweile in seiner dritten Amtszeit. Er war der erste und bisher einzige grüne Regierungschef eines deutschen Bundeslands und ist bekannt für seine recht konservative Auslegung der grünen Politik. ©  IMAGO / 7aktuell
Der 18. Parteitag der CDU 1971 mit Kurt Georg Kiesinger
Kurt Georg Kiesinger (geboren in Ebingen, Albstadt) war der dritte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland nach Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Von 1966 bis 1969 führte der CDU-Politiker die erste Große Koalition mit besonderem Fokus auf Änderungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Zuvor war er von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. ©  IMAGO / Klaus Rose
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble von der Partei CDU
Wolfgang Schäuble (geboren in Freiburg) ist eines der prägendsten Gesichter der CDU-Geschichte und hatte über die Jahre zahlreiche politische Ämter auf Bundesebene inne: Er war von 1989 bis 1991 und von 2005 bis 2009 Innenminister, von 2009 bis 2017 Finanzminister und von 2017 bis 2021 Präsident des Bundestags. Seit einem Attentat auf ihn 1990 saß Schäuble querschnittsgelähmt im Rollstuhl. © IMAGO / photothek

Programm des Parteitags der Grünen in Baden-Württemberg: Auftritt von Brantner und Özdemir

Später am Abend steht die Wahl der Landeschefs an. Die bisherige Doppelspitze aus Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller kandidiert erneut, Gegenkandidaten sind bislang nicht bekannt. Das Duo führt die Regierungspartei in Baden-Württemberg seit 2021. Bei der letzten Vorstandswahl im Oktober 2023 bekam Schwelling 74,4 Prozent der Stimmen, für Haggenmüller stimmten 95 Prozent. 

Am Samstag und Sonntag wollen die Delegierten dann das Wahlprogramm beraten und verabschieden. Zu den fünf Kapiteln gibt es Hunderte Änderungsanträge. Geplant sind zudem Reden von Spitzenkandidat Özdemir und Grünen-Bundeschefin Franziska Brantner.

CDU-Politiker Hagel führt in den Umfragen: AfD und Grüne folgen nach

Die Umfragen zeigen eine relativ große Chance, dass der nächste Ministerpräsident im Südwesten wieder ein CDU-Parteibuch besitzt: In der jüngsten Erhebung von SWR und Stuttgarter Zeitung kommen die Christdemokraten mit Spitzenmann Manuel Hagel auf 29 Prozent der Stimmen, die Grünen lagen mit 20 Prozent sogar knapp hinter der AfD auf Platz drei. Zuletzt führten die Grünen die Umfragen im März 2023 an, seitdem ging es deutlich bergab. 

Das hängt vor allem mit der generellen politischen Stimmung und Themenlage zusammen. Grüne Kernthemen wie Klima- und Umweltschutz sind angesichts von Krieg, Wirtschaftskrise und Inflation in den Hintergrund gerückt. Und auch der Dauer-Streit in der Ampel-Regierung schadete den Umfragewerten. In Baden-Württemberg bricht bei der nächsten Wahl zudem der vielbeschworene Bonus von Amtsinhaber Winfried Kretschmann weg. Keine einfache Ausgangslage für Spitzenkandidat Cem Özdemir.

Landtagswahl in Sicht: Kretschmann bescheinigt Özdemir die Tauglichkeit zum Ministerpräsidenten

Aus Ministerpräsidenten-Holz sei Özdemir geschnitzt, bescheinigte Kretschmann seinem möglichen Nachfolger bei dessen Nominierung im Frühjahr. Mit Landespolitik hatte der 59-Jährige allerdings bislang wenig am Hut. Seit 1981 ist er Mitglied der Grünen, von 2008 bis 2018 war er Bundesvorsitzender. 1994 wurde er zum ersten Mal in den Bundestag gewählt – als erster Abgeordneter mit türkischen Wurzeln

Auch politische Rückschläge gehören zu seiner Vita: Nach Ärger um dienstlich gesammelte Bonusmeilen und einen Privatkredit legte er eine Auszeit ein, kehrte später in Brüssel und Berlin zurück. Zuletzt war er Landwirtschaftsminister im Ampel-Kabinett und übernahm nach dem Koalitionsbruch zusätzlich das Bildungsressort. Seit dem Ende der Ampel konzentriert er sich ganz auf den Wahlkampf im Südwesten und tourt durchs Land.

Kretschmann kapieren – nicht kopieren: Grüne rüsten sich für Landtagswahl 2026

Nach dem Kretschmann-Bonus setzten die Grünen nun voll auf den Özdemir-Faktor. Denn: Kein Politiker ist im Südwesten so bekannt wie er. Könnten die Menschen den Ministerpräsidenten direkt wählen, läge der ehemalige Bundesagrarminister mit 41 Prozent klar vorne. Weil auf dem Stimmzettel aber Parteien stehen, muss der Spitzenkandidat eine klare Botschaft vermitteln: Wer mich als Ministerpräsidenten will, muss Grün wählen. Die Kampagne dürfte deswegen komplett auf den prominenten Spitzenmann zugeschnitten werden – ähnlich wie die Partei, das bei den vergangenen Wahlen mit Kretschmann erfolgreich gehandhabt hat. 

Özdemir selbst bemüht sich, als natürlicher Nachfolger wahrgenommen zu werden. Man müsse Kretschmann kapieren und nicht kopieren, sagt er – und betont bewusst Eigenschaften, die sein Vorgänger populär machten, etwa Distanz zu strengen Parteilinien. In der Debatte um das Verbrenner-Aus sprach er sich für flexiblere Regeln aus, auch in der Migrationspolitik wich er mehrfach von der Parteilinie ab. Zuletzt forderte er seine Partei auf, das Image des Besserwissers abzulegen. „Wir Grünen in Baden-Württemberg wollen nicht jeden Lebensbereich regeln, sondern mit den Leuten gemeinsam die Dinge verändern“, sagte er der Wochenzeitung, Die Zeit.

Grünes Wahlprogramm für Baden-Württemberg: Fokus auf „Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft“.

Inhaltlich will die Partei – wie auch die Konkurrenz – im Wahlprogramm einen klaren Fokus auf Wirtschaftsthemen setzen. Schon bei seiner Nominierung hatte Özdemir angekündigt, es gehe um „Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft“.

Im Entwurf des Parteiprogramms ist deswegen das Kapitel zu Wirtschaft und Innovation besonders lang und steht direkt am Anfang. Klassische grüne Themen wie Klima- und Naturschutz oder Verkehr werden erst deutlich weiter hinten und auch weniger ausführlich behandelt. 

Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: Grüne unter Druck

Um die Wahl gewinnen zu können, müssen die Grünen einen großen Teil eher konservativer Wähler erreichen, die sich vorstellen könnten, entweder die CDU oder die Grünen zu wählen. Das ist nicht ohne Risiko, denn zugleich muss die Partei aufpassen, dass ihr im städtischen Bereich nicht die Wähler von der Linken abspenstig gemacht werden. Diese setzt stark auf lebensnahe Themen wie bezahlbare Mieten, Kitaplätze oder ÖPNV-Ausbau – und hat bei der kommenden Wahl eine so große Chance wie nie, erstmals in den Landtag einzuziehen. 

In diese Richtung drängt auch der Parteinachwuchs von der Grünen Jugend. Erst vor wenigen Wochen wählte die Nachwuchsorganisation zwei neue Vorsitzende, die betonten: „Wir wollen für linksgrüne Inhalte in unserer Partei und darüber hinaus kämpfen.“ Entscheidend für den Kampf um die Macht im Südwesten dürfte daher auch die Frage sein, wie geschlossen die Grünen in den Wahlkampf ziehen. Das dürfte sich auch beim Parteitag und in der Debatte um das Wahlprogramm zeigen: Zu den fünf Kapiteln haben die Delegierten hunderte Änderungsanträge gestellt. (Quellen: dpa, afp, Die Zeit, SWR und Stuttgarter Zeitung) (kox/dpa)

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