Hisbollah droht EU-Mitglied: „Ihr werdet Teil des Krieges“ – Warnung vor „Katastrophe“
VonSimon Schröder
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Die Spannungen zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel drohen überzukochen. UN-Generalsekretär Guterres warnt vor einem „weiteren Gaza“.
Update vom 22. Juni, 8.30 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres hat im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eindringlich vor einer Katastrophe gewarnt. „Eine unüberlegte Handlung – eine Fehlkalkulation – könnte eine Katastrophe auslösen, die weit über die Grenze hinausgeht und, offen gesagt, die Vorstellungskraft übersteigt“, warnte Guterres am Freitag in New York. Die Menschen in der Region und in aller Welt könnten es „sich nicht leisten, dass der Libanon ein weiteres Gaza wird“, sagte Guterres.
Hisbollah im Libanon droht EU-Mitglied: „Ihr werdet auch Teil des Krieges“
Beirut – Sollte es zu einem Krieg zwischen dem Libanon und Israel kommen, könnte auch ein EU-Land ins Kreuzfeuer der zwei Länder im Nahen Osten geraten. Das zumindest kündigte der Anführer der pro-iranischen und islamistisch-schiitischen Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, an.
„Zypern wird auch Teil dieses Kriegs sein“, drohte Nasrallah in einer neuen Ansprache am Mittwoch (19. Juni), sollten die Flughäfen und Militärstützpunkte Zyperns Israel gegen die Hisbollah unterstützen. Zuvor hatte Israel gedroht, ein Krieg mit der libanesischen Miliz rücke immer näher, wie der US-Sender CNN berichtet.
Seit dem sich Israel im Krieg mit der radikal-islamischen Hamas befindet, feuert die Hisbollah-Miliz immer wieder Raketen und Drohnen auf Israel ab. Das israelische Militär konnte unterdessen zahlreiche Kämpfer der Miliz und Anführer mittels Luftangriffen ausschalten. Ein Sprecher des israelischen Militärs warnte am Montag vor einer Gewaltspirale, die letztlich zum offenen Krieg führen könne: Die Region sei „am Rande einer größeren Eskalation, die verheerende Folgen haben könnte“.
Zypern in Reichweite der Hisbollah – Präsident reagiert mit Drohung auf Unverständnis
Und Zypern ist lediglich 250 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt – und liegt somit in Schussweite der Hisbollah Raketen. Die Behauptung der Miliz: Israelische Soldaten würden auf der Insel an Standorten, die in geographischer Hinsicht dem Süden des Libanon ähneln, Militärübungen durchführen und so einen Angriff trainieren. Außerdem könne Israel – sollte die Hisbollah israelische Flughäfen und Stützpunkte zerstören – auf Zypern ausweichen. Zypern, Griechenland und Israel gelten seit vielen Jahren als wichtige Verbündete im Mittelmeer.
Nikos Christodoulidis, Zyperns Präsident, versicherte am Mittwoch als Antwort auf die Hisbollah-Drohung: „Zypern bleibt an militärischen Konflikten unbeteiligt und positioniert sich als Teil der Lösung und nicht des Problems.“ Christodoulidis betonte: „Unser humanitärer Korridor ist ein Beweis für unser Engagement für Frieden und Stabilität.“ Zyperns Rolle als Humanitäre Stütze in der Region sei „global anerkannt, vor allem in der arabischen Welt“. Weiter führte der Präsident aus: „Solche Aussagen sind nicht erfreulich und entsprechen nicht der Realität. Zypern beteiligt sich nicht an militärischen Einsätzen.“
Die Spannungen zwischen Israel und dem Libanon kochten abermals hoch, als die Hisbollah am Dienstag ein neunminütiges Drohnenvideo veröffentlichten. Auf dem Videomitschnitt sind zivile und militärische Ziele um und in der israelischen Stadt Haifa zu sehen, die für die Hisbollah-Miliz mögliche Ziele für weitere Raketenangriffe darstellen könnten: Eine klare Drohung an Israel.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Spannungen zwischen Israel und Hisbollah wachsen – Israel bereitet sich auf Krieg vor
Und Israel breitet sich auf einen Krieg mit dem Nachbarland vor, sollten alle diplomatischen Stricke reißen. Mögliche Angriffspläne seien bereits „genehmigt und validiert“ worden, wie die israelische Armee (IDF) in einem Statement mitteilte. Das heiße allerdings nicht, dass es unweigerlich auf einen Krieg hinauslaufe, lediglich dass Israel für ein solches Szenario entsprechend gewappnet sei.
Wie ein Krieg zwischen der Hisbollah und Israel aussehen könnte, zeigt der Libanonkrieg 2006. Der Konflikt dauerte 34 Tage an und endete in einer Waffenruhe. Israel ging als klarer Sieger hervor. Doch seitdem konnte die Hisbollah durch iranische Unterstützung beträchtlich aufrüsten und militärische Erfahrung im Syrienkrieg sammeln, wie Foreign Policy berichtet.
Sollte es tatsächlich zu einem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz kommen, warnte israelischer Verteidigungsminister Joaw Galant die Miliz eindringlich: Israel würde „den Libanon zurück in die Steinzeit bringen“. (sischr)