Nato-Truppen in der Ukraine

Französischer Eingriff in der Ukraine? Macron nennt konkretes Szenario – Minister widerspricht Entsendung

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Emmanuel Macron nennt erstmal ein konkretes Szenario für den Einsatz von Bodentruppen. Die Opposition lehnt das ab – genau wie der Militärminister.

Paris – Der französische Präsident Emmanuel Macron hat seine Position zur Entsendung von Truppen in den Ukraine-Krieg erneut bekräftigt. Dahingegen hält der französische Militärminister nichts von einem solchen Vorhaben und widerspricht dem Präsidenten – wie auch die französische Opposition.

Emmanuel Macron schließt den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine nicht mehr aus - und erntet Widerspruch.

Am 26. Februar hatte der Macron auf einer internationalen Konferenz der Staats- und Regierungschefs in Paris die Entsendung von Bodentruppen erstmals als „nicht ausgeschlossen“ bezeichnet. Die meisten Verbündeten Kiews hatten sich von dieser Position distanziert, ebenso wie die Opposition in Frankreich. Etwa eine Woche später, am Dienstag (5. Februar), legte der französische Präsident während eines Besuchs in Prag jedoch nach. „Wir nähern uns sicherlich einem Moment für Europa, in dem es notwendig sein wird, kein Feigling zu sein“, so Macron - eine Aussage, die von vielen auch als Seitenhieb Richtung Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewertet wird.

Ein Vorrücken der Front „in Richtung Odessa oder Kiew“ - Macron nennt konkretes Szenario für Entsendung

Inzwischen hat Macron seine Position offenbar nochmals bekräftigt. Zum ersten Mal nannte er dabei ein Szenario, das zu einem solchen Eingreifen in den Krieg führen könnte. Am Donnerstagmittag (7. Februar) empfing Emmanuel Macron die Vorsitzenden der französischen Parteien, um die Linie des Landes bei der Unterstützung der Ukraine neu zu definieren. Das schreibt die französische Zeitung L‘independant. Fabien Roussel von der kommunistischen Partei Frankreichs teilte dem Blatt mit, der Präsident habe dabei über das Szenario gesprochen, „das eine Intervention einleiten könnte“: ein Vorrücken der Front „in Richtung Odessa oder Kiew“. Macron habe das sogar mit einer Karte untermauert, so Roussel.

„Es gibt keine Grenze und keine rote Linie“, habe Jordan Bardella vom Rassemblement National geschlossen, und damit die Stimmung der Opposition zusammengefasst. Manuel Bompard von der linkspopulistischen Partei La France insoumise habe diese Bedenken bekräftigt. „Ich kam beunruhigt an und kam beunruhigter wieder heraus“, so Bompard laut L‘independant.

Sind im Ukraine-Krieg alle sonstigen Optionen ausgeschöpft? - Nicht nur Opposition widerspricht Macron

Doch nicht nur die Opposition hat Bedenken, auch der französische Militärminister Sébastien Lecornu machte am Freitag deutlich, dass er der Entsendung von französischen Soldaten skeptisch gegenübersteht. Gegenüber dem Portal BFMTV zweifelte Lecornu an, dass man alternative Optionen bereits zur Genüge ausgeschöpft habe. „Haben wir zwischen dem Waffentransfer, wie wir ihn heute kennen, und dem Übergehen zum Status einer kriegsführenden Macht, das heißt dem direkten Krieg mit Russland, alles versucht?“, fragte der Militärminister. Zunächst stehe es jedenfalls nicht zur Debatte, „kämpfende Bodentruppen“ in die Ukraine zu schicken.

Nawalny verlängert die Liste der Opfer Putins – ein Überblick

Alexej Nawalny
Alexej Nawalny war über Jahre der markanteste Kopf der russischen Opposition. Schon früh prangerte der Rechtsanwalt das Machtlager von Präsident Wladimir Putin offen als „Partei der Gauner und Diebe“ an.  © Andrei Zhilin/afp
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin.
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin. © Anatoly Maltsev / dpa
Alexej Nawalny
2013 trat er als Bürgermeisterkandidat in Moskau an und erreichte mit 27 Prozent der Stimmen den zweiten Platz. Später organisierte er Massenproteste im ganzen Land, besonders aber in Moskau. 2018 wollte Nawalny selbst Präsident werden, doch die Justiz schob ihm einen Riegel vor. Wiederholt wurde er wegen Betrugs- und Diebstahlsvorwürfen vor Gericht gestellt und verurteilt. © Kirill Kudryavtsev/afp
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei.
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei. © Valentina Svistunova / dpa
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro.
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro. © Evgeny Feldman / dpa
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden.
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden. © Jean-Francois Badias / dpa
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen.
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen. © Alexander Demianchuk / Imago
Alexej Nawalny
Im August 2020 brach Nawalny bei einer Reise zusammen und fiel ins Koma. Grund war eine Vergiftung mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok, wie Untersuchungen an der Charité in Berlin bewiesen. © Instagram account @navalny/afp
Alexej Nawalny
Im Januar 2021 kehrte Nawalny nach Russland zurück, wo er erneut vor Gericht gestellt und unter anderem wegen angeblichem „Extremismus“ zu 19 Jahren Lagerhaft verurteilt wurde. Im Dezember 2023 folgte die Verlegung in ein Lager hinter dem Polarkreis. Am 16. Februar 2024 starb Nawalny nach Justizangaben in dem Straflager. Er sei nach einem Hofgang zusammengebrochen, teilte die Gefängnisverwaltung mit.  © Vera Savina/afp
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben. Weltweit wird um den Kreml-Kritiker getrauert. © IMAGO/Vuk Valcic / ZUMA Wire
Jewgeni Prigoschin
Jewgeni Prigoschin war in Russland als skrupelloser Unternehmer mit krimineller Vergangenheit bekannt. Er und Putin kannten sich lange. Als der heutige Präsident noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb war Prigoschin, der mehrere Jahre wegen Raubs in Haft saß, auch als „Putins Koch“ bekannt. Niemand sonst in Russland traute sich solche Kritik wie Prigoschin © ITAR-TASS/Imago
Jewgeni Prigoschin
Über Monate hinweg legte sich Jewgeni Prigoschin mit der Militärführung in Moskau an. Immer wieder warf der Chef der russischen Privatarmee Wagner dem Verteidigungsministerium und dem Generalstab der Armee vor, Präsident Wladimir Putin zu belügen. Mit einem bewaffneten Aufstand seiner Privatarmee forderte Prigoschin aber auch Putin selbst heraus. © Sergey Pivovarov/Imago
Jewgeni Prigoschin
Nach seinem gescheiterten Aufstand sahen Fachleute den Söldnerchef aber dem Tode geweiht. Kremlchef Putin hatte die Kämpfer um seinen Ex-Vertrauten als Verräter bezeichnet. Tatsächlich starb Prigoschin zwei Monate nach seiner Meuterei gegen die russische Staatsmacht im August 2023 bei einem Flugzeugabsturz in Russland. © Imago
Boris Nemzow
Der Oppositionspolitiker Boris Nemzow galt als einer der schillerndsten und mutigsten Politiker Russlands. Feinde machte er sich vor allem mit seiner Kritik an der Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin. Er wurde zur Galionsfigur der zersplitterten Opposition und galt als Unterstützer der Richtung Westen strebenden Ukraine. © Oxana Onipko/afp
Boris Nemzow
Nemzow wurde im Februar 2015 durch mehrere Schüsse in den Rücken aus einem Auto heraus erschossen. Der Mord wirft noch immer viele Fragen auf. Die EU drängte Russland wiederholt dazu, den Fall weiter aufzuklären. Ein Gericht in Moskau verurteilte 2017 den mutmaßlichen Mörder und vier Komplizen aus dem Nordkaukasus zu langen Haftstrafen. Nemzows Familie beklagte, dass nach den Drahtziehern nie wirklich gesucht worden sei. © afp
Boris Nemzow
In den 1990er Jahren hatte sich Nemzow als liberaler Reformer in Russland einen Namen gemacht. Präsident Boris Jelzin (rechts im Bild) holte ihn einst in die Regierung nach Moskau. Nemzow war zeitweilig auch als Präsidentenanwärter gehandelt worden. „Ich bin liberal, was Wirtschaftsfragen angeht, aber für eine starke Staatsmacht in der Politik“, sagte er einmal. © TASS/afp
Alexander Litwinenko
Der Putin-Kritiker Alexander Litwinenko starb im November 2006 in London nach einem Anschlag mit dem radioaktiven Gift Polonium 210. Einem Untersuchungsbericht zufolge soll ihm das Strahlengift in einem Londoner Hotel in den Tee gemischt worden sein. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit siechte Litwinenko tagelang dahin. Vom Krankenhausbett beschuldigte er Putin, hinter dem Anschlag zu stecken. Die britische Justiz sieht es ebenfalls als bewiesen an, dass die Spur in hohe politische Kreise in Moskau führt. Russland weist dies zurück. © Sergei Kaptilkin/dpa
Anna Politkowskaja
Die Journalistin Anna Politkowskaja machte sich als Kritikerin der Kriege in Tschetschenien einen Namen. Die Mitarbeiterin Oppositionszeitung Nowaja Gaseta berichtete über Kriegsverbrechen der russischen Armee und der verbündeten tschetschenischen Gruppen und sprach von einem „schmutzigen Krieg“. Häufig musste sie sich gegen Drohungen wehren. Am 7. Oktober 2006 wurde sie vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Politkowskajas Familie vermutet ein politisches Motiv für die Tat.  © Imago
Boris Beresowski
Die Serie von mitunter rätselhaften Todesfällen, hinter denen russische staatliche Stellen vermutet werden, ist noch sehr viel länger. Der Oligarch Boris Beresowski (Mitte) fiel nach dem Machtantritt Putins in Ungnade und floh nach Großbritannien. Am 23. März 2013 wurde Beresowski tot im Bad seines Hauses in Ascot gefunden.  © Shaun Curry/afp
Pawel Scheremet
Im Juli 2016 kam der russische Exil-Journalist Pawel Scheremet in Kiew durch eine Autobombe ums Leben. Scheremet engagierte sich während der Maidan-Proteste 2013/2014 in Kiew aufseiten der prowestlichen Kräfte und wurde später Redakteur beim renommierten Internetportal Ukrainskaja Prawda. © Dmytro Larin/afp
Denis Woronenkow
2017 wurde der abtrünnige russische Abgeordnete Denis Woronenkow auf offener Straße in Kiew erschossen. Auch sein Fall wurde nie aufgeklärt. © ITAR-TASS/Imago
Sergej Magnizki
Sergej Magnizki starb 2009 unter ungeklärten Umständen in einem Moskauer Gefängnis. Angeblich wurde der Anwalt, der nach eigenen Angaben einen Steuerbetrug aufgedeckt hatte, zu Tode geprügelt. Medizinische Hilfe wurde im verweigert.  © HO/Hermitage Capital Management/afp
Baburowa/Markelow
Die Journalistin Anastassija Baburowa und der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow wurden 2009 auf der Straße in Moskau erschossen. Für die Tat wurden ein Rechtsextremist und eine Komplizin zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten ihre Schuld bestritten. © ITAR-TASS/Imago
Natalia Estemirowa
Die Menschenrechtlerin Natalia Estemirowa wurde 2009 in der Konfliktregion Nordkaukasus erschossen aufgefunden. Mit Berichten über das Verschwinden von Zivilpersonen in dem Gebiet hatte sie sich wiederholt den Zorn der Machthaber zugezogen. © Memorial/afp
Sergej Juschenkow
Eines der ersten Todesopfer war Sergej Juschenkow. Der Duma-Abgeordnete wurde im April 2003 in Moskau erschossen. Juschenkow war der Staatsführung ein Dorn im Auge, wenngleich der Politiker über wenig Macht und Einfluss verfügte.  © Roman Mukhamedzanov/Vremya Novos/afp

Lecornu habe mehrere mögliche Wege aufgezeigt und von „Schemata der militärischen Präsenz für die Minenräumung, die Ausbildung ukrainischer Soldaten auf ukrainischem Boden“ gesprochen. Gleichzeitig habe er zu bedenken gegeben, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren deutlich verändert hat. Die Ergebnisse der ukrainischen „Gegenoffensive“, die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, „die Bedrohungen, die Russland für alle europäischen Demokratien darstellt“, mit „insbesondere aggressiven Interaktionen im Cyberbereich“, oder auch „die im Kongress blockierte Militärhilfe“ der USA, müssten allesamt in die Abwägzung einbezogen werden, so Militärminister weiter.

Putin wird „nicht aufhören“ - Eine „verhältnismäßige Antwort angesichts der russischen Verschärfung“?

Mit seiner Aussage, dass es zwar „keinen Konsens“ gebe, man jedoch „nichts aus Prinzip ausschließen“ dürfe, habe der französische Präsident laut Lecornu lediglich auf die slowenische Position reagiert, dass es nicht in Frage komme, Bodentruppen in der Ukraine zu stationieren. Man müsse sich zunächst jedoch auf die Vorschläge konzentrieren, die bereits Konsens seien - beispielsweise die Produktion von Waffen und Munition auf ukrainischem Staatsgebiet sowie die „Cyberverteidigung“.

Allerdings gibt es in Frankreich auch Unterstützung für Macrons Vorschlag. „Die Position des Präsidenten ist die einer verhältnismäßigen Antwort angesichts der russischen Verschärfung, ohne jegliche Eskalation“, habe das Umfeld des Präsidenten laut BFMTV am Rande des Treffens am Donnerstag (7. Februar) geurteilt.

Auch der neu ernannte französische Europaminister, Jean-Noël Barrot, bekräftigte Macrons Forderung, wie France 24 berichtet. Er ist der Meinung, Europa müsse Wladimir Putin ausbremsen, bevor dieser seinen militärischen Vorstoß weiter nach Europa vorantreibe. „Wladimir Putin wird in der Ukraine nicht aufhören, und deshalb müssen wir ihn zum Scheitern bringen“, so Barrot weiter. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eliot Blondet / Christian Liewig / Pool / Bestimage

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