Die Linke

Linke-Chef van Aken: „Es hat sich etwas gedreht in der Partei“

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Linken-Co-Chef Jan van Aken über den großen Zulauf junger Leute, die neue Einigkeit nach innen und warum er fest an den Einzug in den Bundestag glaubt. Ein Interview.

Das Interview mit Jan van Aken findet in seinem Büro in der Parteizentrale in Berlin statt. Im Hintergrund hängen Drucke von Rosa Luxemburg. Der Parteichef sitzt am Rechner und regt sich gerade über die Preiserhöhungen für Schokolade auf.

Sie recherchieren tatsächlich gerade die Preise für Schokolade?

Ja, ich bin bekennender Schokoholik. Deswegen ist seit 20 Jahren Kakao quasi ein politisches Lebensthema. Auch wegen der Arbeitsbedingungen in der Côte d’Ivoire. Da ist ein Krieg ausgebrochen wegen der Kakaopreise. Und jetzt lese ich heute Morgen, Milka erhöht die Preise und zwar von 1,49 auf 1,99 pro Tafel.

Das ist viel.

Allein die 1,49 sind schon heftig. Die haben ja vor einem Jahr schon erhöht. Und da heißt es immer, wegen Missernten. Ich glaube das nicht. Deswegen habe ich mir die Weltmarktpreise für Kakao besorgt. Die sind wirklich gestiegen. Aber umgerechnet auf eine Tafel dürften das nur 18,2 Cent ausmachen. Der Rest wird mal eben so draufgeschlagen. Die nutzen die Einkaufspreise als Vorwand für Extragewinne.

Kennen Sie alle? Diese 41 Parteien wurden formal zur Bundestagswahl 2025 zugelassen

Bundestagswahl
41 Parteien wurden für die Bundestagswahl formal zugelassen, doch nur 29 davon nehmen teil. Zwölf der Mitte Januar vom Bundeswahlausschuss formal anerkannten Parteien werden bei der Abstimmung nicht dabei sein, wie die Bundeswahlleiterin Ende Januar in Wiesbaden mitteilte. Anders als langjährige Bundestags- und Landtagsparteien hatten vor allem kleinere Parteien beispielsweise noch eine erforderliche Anzahl von Unterstützerunterschriften nachweisen müssen. © IMAGO/Sascha Steinach
Bundestagswahl
SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, Freie Wähler, Volt, Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, Bündnis Deutschland und das Bündnis Sahra Wagenknecht sind demnach in allen 16 Ländern mit Landeslisten vertreten. Die CDU tritt in allen Bundesländern außer Bayern an, die CSU (Foto) nur in Bayern. Die übrigen Parteien werden nicht in allen Ländern auf den Stimmzetteln stehen. Acht von ihnen treten den Angaben nach jeweils nur in einem Land an. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen.
Wir haben die 41 formal zugelassenen Parteien gesammelt. Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2025 auf den Wahlzetteln stehen. Die Partei schickt Kanzler Olaf Scholz erneut als Spitzenkandidat ins Rennen. © Hendrik Schmidt / dpa
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025.
Die CDU geht mit Friedrich Merz als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2025. © Thomas Banneyer / dpa
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck.
Auch Bündnis 90/Die Grünen ist als Partei zur Bundestagswahl zugelassen. Spitzenkandidat ist Robert Habeck. © Georg Wendt / dpa
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die FDP um Parteichef Christian Lindner wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.  © Moritz Frankenberg / dpa
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin.
Auf den Wahlzetteln können Wählende auch bei der AfD ihr Kreuz setzen. Mit Alice Weidel stellt die Partei auch eine Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert / dpa
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen
In Bayern wird die CSU auf dem Wahlzettel stehen. Die Schwesterpartei der Union ist zugelassen für die Bundestagswahl – der Name von Parteichef Markus Söder wird darauf allerdings nicht auftauchen, er bleibt als Ministerpräsident in Bayern und will nicht nach Berlin. © Daniel Vogl / dpa
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Linke wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © Hendrik Schmidt / dpa
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen.
Als mindestens in einem Landtag vertretene Partei ist auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zur Wahl zugelassen. Seit der Absplitterung von den Linken sitzt das BSW auch bereits im Bundestag. © Hannes P Albert / dpa
Auch das Bündnis Deutschland ist zur Wahl zugelassen
Auch das Bündnis Deutschland – hier ein Foto aus dem Jahr 2022 – ist als Partei, die in einem Landtag vertreten ist, zur Wahl zugelassen. Die rechtskonservative, wirtschaftsliberale Partei ist mit sieben Abgeordneten in der Bremer Bürgerschaft vertreten. © Bernd von Jutrczenka / dpa
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten.
Selbiges gilt für die Freien Wähler, hier Parteivorsitzender Hubert Aiwanger. Die Partei ist aktuell in Bayern und Rheinland-Pfalz im Landtag vertreten. © Daniel Vogl / dpa
Bayern-Partei ist zur Bundestagswahl zugelassen
Zu den 31 weiteren Parteien, die der Bundeswahlausschuss wegen eingehaltener Formalitäten zur Wahl zulässt, gehört auch die Bayernpartei. Sie setzt sich laut eigenen Aussagen für „Selbstbestimmung, Föderalismus und die Eigenstaatlichkeit Bayerns“ ein. Das Foto zeigt ein Plakat aus dem Wahlkampf zur Landtagswahl in Bayern 2023. © IMAGO/Goldmann
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD.
Zur Bundestagswahl 2025 zugelassen ist auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD. Sie versteht sich als kommunistische deutsche Kleinpartei. © IMAGO / Michael Gstettenbauer
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019.
Auch zur Bundestagswahl zugelassen: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität, kurz BüSo. Das Foto zeigt ein Wahlplakat aus dem Jahr 2019. © Revierfoto via www.imago-images.de
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl.
Die Gartenpartei, hier als Wahlplakat in einer Reihe mit AfD und SPD aufgeführt zum Landtagswahl-Rennen in Sachsen-Anhalt 2021, wurde ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl. © IMAGO / Jan Huebner
Auch auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl dabei: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft.
Auch formal zugelassen: Die Partei der Humanisten. Ihr Fokus liegt auf Säkularisierung und Wissenschaft. © IMAGO / Müller-Stauffenberg
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz dieBasis, wurde zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.  © IMAGO / IPON
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen.
Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer, hier Namensgeber Todenhöfer im Bild, wurde 2020 gegründet. Zur Bundestagswahl 2025 ist sie zugelassen. © Jörg Carstensen / dpa
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt.
Ebenfalls zugelassen: Die Kleinpartei Menschliche Welt. © IMAGO/Manfred Segerer
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen.
Auch das Bündnis C – hier eine Wahlwerbung für die Parteivorsitzende Karin Heepen aus dem Jahr 2019 (2. Plakat v.r.) – ist zugelassen. © IMAGO / Karina Hessland
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl ist die Partei UNABHÄNGIGE für bürgernahe Demokratie. © IMAGO/Sandy Dinkelacker
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament.
Die Partei Die PARTEI ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Ihr Vorsitzender Martin Sonneborn sitzt für die Vereinigung im EU-Parlament. © Kay Nietfeld / dpa
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Auch die als rechtsextrem geltende Partei Freie Sachsen ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © IMAGO/BODE
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht.
Auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl wird man ein Kreuz auch bei der Tierschutzpartei setzen können. Der Name verrät, wofür die Vereinigung besonders steht. © IMAGO/Revierfoto
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen.
Auch die Partei Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung wurde vom Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl zugelassen. © IMAGO/Oliver Kaelke/DeFodi Images
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen.
Die Partei Cannabis Social Club (kurz: CSC) setzt sich für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland ein. Zur Bundestagswahl ist sie zugelassen. Das Symbolfoto zeigt eine Tafel mit etwaiger Aufschrift. © IMAGO / Bihlmayerfotografie
Auf dem Wahlzettel – hier ein Beispiel zur Europawahl 2024 – steht auch bei der Bundestagswahl die Partei MERA25.
Zugelassen ist auch die Partei MERA25. Sie steht nach eigener Aussage für „Linke Politik für Frieden, Solidarität und Freiheit“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Ökologisch Demokratische Partei, kurz ÖDP, ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Bild zeigt ein aktuelles Wahlplakat. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Franz Feiner
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar.
Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) stellt einen Sonderfall in Deutschland dar. Die Partei ist seit 1955 von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Dementsprechend sitzt mit Stefan Seidler gar ein Mitglied im Bundestag. Auch bei der Bundestagswahl 2025 ist die Partei wählbar. © Axel Heimken / dpa
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.
Zur Bundestagswahl 2025 ist auch die Partei Liberale Demokraten – die Sozialliberalen (kurz: LD) zugelassen.  © IMAGO/Bernd Leitner
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW, bald auch auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025: Die Partei Die LIEBE.
Hier auf dem Stimmzettel zur Landtagswahl 2022 in NRW: Die Partei Die LIEBE. © IMAGO/Juergen Schwarz
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa.
Auch die Partei Volt wird bei der Bundestagswahl 2025 wählbar sein. Unter anderem steht sie für Klimaschutz und ein starkes Europa. © IMAGO/Stefan Zeitz
Die WerteUnion galt eigentlich als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat.
Die WerteUnion galt als Verein, der den konservativen Markenkern der Union vertrat. 2024 strebte Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen dann die Gründung einer eigenen Partei an, der er nun vorsitzt. Zur Bundestagswahl 2025 wurde die WerteUnion nun zugelassen. © Soeren Stache / dpa
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah.
Die Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch (kurz: DAVA) ist zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die Partei gilt als Erdogan-nah. © IMAGO/Guido Schiefer
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen.
Die trotzkistische Kleinpartei Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (kurz SGP) ist zur Bundestagswahl zugelassen. Sie setzt sich gegen Kapitalismus und Krieg ein. Das Wahlplakat stammt aus dem Jahr 2023 aus Berlin. © IMAGO/Stefan Zeitz
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung.
Ebenfalls zugelassen zur Bundestagswahl 2025: Die Partei für Verjüngungsforschung. Sie setzt sich für die schnellere Entwicklung von Verjüngungstherapien ein. Das Plakat hing im Wahlkampf zur Europawahl 2024 in Chemnitz. © IMAGO/Fotostand / Nachtigall
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits.
Auf dem Stimmzettel für die Europawahl 2024 standen die Partei des Fortschrittes (kurz: PdF) und auch die V-Partei³ bereits. Beide wurden auch für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Die ³ bei der V-Partei steht übrigens für „Veränderung, Vegetarier und Veganer“. © IMAGO/Manfred Segerer
Die Partei DIE SONSTIGE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE SONSTIGEN ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. Laut Website steht man als „Friesenpartei“ für „skurrile Minderheiten, Systemwechsel & gegen neurechte Klima-Leugnung“. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Im Wahllokal kann man seinen Stimmzettel auch mit einem Kreuz bei der Dr. Ansay Partei in die Urne werfen.
Auch die Dr. Ansay Partei wurde zugelassen. © Patrick Pleul / dpa
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Partei DIE NEUE MITTE ist ebenfalls zur Bundestagswahl 2025 zugelassen. © bpb
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen.
Die Piratenpartei Deutschland ist ebenfalls für die Bundestagswahl 2025 zugelassen. Das Plakat stammt aus der Kampagne zur Europawahl 2024. © IMAGO/Fotostand / Nieweler

Linken-Führungsduo: Schwerdtner und van Aken halbieren ihr Gehalt

Sie müssen ja auch aufs Geld schauen, da Sie und ihre Co-Vorsitzende sich ja mit einem Facharbeiterlohn begnügen.

Ja, ich habe mein Gehalt reduziert, auf 2850 Euro netto pro Monat.

Das heißt also jedes Mal, wenn jetzt der Durchschnittslohn steigt, steigt Ihrer auch?

Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Aber das hoffe ich doch.

Da steigt ja schon mal das eigene Interesse, das politisch durchzusetzen.

Ja, was ja nochmal ein starkes Argument dafür ist, dass alle Politiker das machen. (lacht)

Spitzenduo im Wahlkampf: Jan van Aken mit Heidi Reichinnek.

Sie wirken recht entspannt nach dem Parteitag neulich oder täuscht der Eindruck?

Für mich war das wirklich das Schönste seit langem. Aber es ist noch mehr als das. Ich habe auf der Rückfahrt im Zug zwei Delegierte aus Marburg getroffen. Die haben mir erzählt, dass sie die Arbeit in ihrem Kreisverband vor anderthalb Jahren noch mit ganz wenigen gemacht haben. Jetzt sind sie 50 aktive Mitglieder. Und solche Geschichten habe ich zigfach gehört in letzter Zeit. Da hat sich seit einem Jahr wirklich etwas gedreht in unserer Partei. Es ist der Wahnsinn!

Die Linken generell sind ja immer gut in der Selbstzerfleischung. Meinen Sie, dass das wirklich zu Ende ist?

Ich bin selbst total gespannt. Im Moment läuft es wirklich großartig. Ines und ich haben ja im Oktober gesagt: Leute, wenn ihr ein Problem habt, sagt es uns und dann diskutieren wir das aus. Und das passiert tatsächlich. Also ich habe jetzt mehrfach Briefe, E-Mails, Anrufe bekommen von Leuten, die gesagt haben, Jan, das, was du da gesagt hast, geht überhaupt nicht. Dann wird das besprochen. Ich habe auch schon mehrfach gesagt, okay, das war so in der Formulierung ein Fehler, machen wir ab jetzt anders. Oder wir ändern den Text auf der Website. Bei anderen Sachen sage ich: Nee, ich höre was du sagst, ich finde aber, da hast du nicht recht. Es findet also wirklich ein Austausch statt.

Die Linke vor der Bundestagswahl: Van Aken über Veränderung in seiner Partei

Also hat sich der Stil wirklich geändert?

Das ist mein Eindruck, ja. Es gibt einige, die sagen, warten wir die Wahl ab. Aber ich denke wirklich, dass sich etwas geändert hat. Auch bei Leuten, die früher sogar in der Öffentlichkeit gestritten haben, merkt man, die gehen aufeinander zu. Wir arbeiten auch in großer Einigkeit mit der Fraktion, das macht richtig Spaß.

Zur Person

Jan van Aken, 63, teilt sich mit Ines Schwerdtner den Vorsitz der Links-Partei. Neben Heidi Reichinnek tritt er als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl an.

Der promovierte Biologe arbeitete unter anderem für Greenpeace und die Vereinten Nationen. 2009 und bis 2017 saß er für die Linke im Bundestag. FR

Ein Schwachpunkt war immer, dass es ein Machtzentrum in der Fraktion gab und eines in der Parteispitze und eher wenig Gemeinsamkeit. Wird das in der neuen Legislatur anders – vorausgesetzt, Sie kommen ins Parlament?

Wir haben uns das angeschaut und festgestellt, dass zwei Drittel der Fraktion neu wären. Das sind größtenteils jüngere Leute, also aus meiner Perspektive gedacht, ich bin ja über 60. Da sind sehr viele in den 30ern dabei, die aber schon lange auch in der Partei aktiv sind. Das sind alles erfahrene Leute, die oft auch schon Funktionen hatten, also die Landesvorsitzende waren oder im Parteivorstand waren. Für mich ist das die perfekte Voraussetzung dafür, mit so einem einigen Team und zusammen mit Heidi Reichinnek und Sören Pellmann eine Fraktion aufzubauen, die eng mit der Partei zusammenarbeitet. Ich glaube, das wird nochmal richtig Schwung geben.

Mitglieds-Zuwachs bei den Linken: „Sehr viele junge Leute, zum ersten Mal mehrheitlich Frauen“

Die Partei hat jetzt zum ersten Mal seit langer Zeit mehr als 60 000 Mitglieder. Was sind das für Leute, die Die Linke anzieht?

Das sind fast alles junge Leute. Ich habe das wirklich aus sehr vielen unterschiedlichen Kreisverbänden gehört. Sehr viele junge Leute, zum ersten Mal mehrheitlich Frauen, das ist auch interessant. Ich habe auch mit einigen von ihnen geredet und sie gefragt: Seid ihr jetzt als politische Gruppe zusammen gekommen, etwa aus der Antifa oder von Fridays for Future? Das ist aber selten. Manchmal kommen solche kleinen Gruppen, aber oft sind es Einzelpersonen, die vorher an anderer Stelle politisch aktiv waren. Oder in Neuruppin zum Beispiel, da kamen zehn junge Leute, die zusammen im Jugendzentrum waren und sich gemeinsam entschlossen haben, dass sie jetzt eintreten und dann auch Wahlkampf für uns machen. Das sind politisch Interessierte, die jetzt das Gefühl haben, hier rutscht was weg und wir müssen was tun.

Mission „Silberlocke“ bei Bundestagswahl: Linke setzen bei Direktmandaten auf zwei weitere Kandidaten

Im Kontrast zu den vielen jungen Leuten, die eintreten, steht die Mission „Silberlocke“, bei der Gregor Gysi, Boris Ramelow und Dietmar Bartsch mit ihren Direktmandaten den Wiedereinzug in den Bundestag sichern sollen. Wie sicher sind Sie da?

Also erst mal bin ich überzeugt, dass wir die Fünf-Prozent-Hürde überspringen werden. Und bei den Direktmandaten haben wir noch zwei weitere, die sehr aussichtsreich sind. Sören Pellmann hat es in Leipzig ja schon beim letzten Mal geholt. Und Ines Schwerdtner tritt im Wahlkreis Berlin-Lichtenberg als Nachfolgerin von Gesine Lötzsch an, die sie dabei sehr unterstützt.

In Leipzig hat Sören Pellmann Konkurrenz vom BSW. Wie groß ist die Gefahr?

Die Strategie des BSW ist offenbar schon, dass sie explizit gegen uns antreten wollen. Wir haben das in Leipzig aber mal ausgerechnet mit den Zahlen aus der Europawahl. Da sieht es trotzdem gut für uns aus. Ich habe aus dem BSW aber auch schon gehört, dass da vielen der Personenkult um Sahra Wagenknecht zu weit geht. Und die Umfragen gehen auch nach unten. Das BSW nimmt vielleicht den gleichen Weg wie die Piratenpartei; erst der große Hype und dann der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Damit ist bei der AfD nicht zu rechnen. In Lichtenberg tritt Beatrix von Storch gegen Ines Schwerdtner an. Wie kommentieren Sie das?

Ich sag mal so: Ein Ost-Berliner Wahlkreis mit der westdeutschen Adligen, ich weiß nicht, ob das eine gute Strategie ist. Ich wurde wegen meines Nachnamens auch schon von Genossen im Osten augenzwinkernd mit den Worten begrüßt, da kommt unser Adliger. Das ist im Osten kein Kompliment. Ich bin kann mir nicht vorstellen, dass von Storch gut ankommt.

Was Krieg und Frieden angeht, konkurrieren Sie mit dem BSW, wobei sich das Bündnis von Sahra Wagenknecht klarer positioniert. Bei der Linken hat man oft das Gefühl, dass sie laviert.

Das finde ich überhaupt nicht.

Abgrenzung von BSW-Position zum Ukraine-Krieg: „Perspektive von AfD und BSW ist Kreml-Perspektive“

Sie haben auf dem Parteitag gesagt, wir wollen auch mehr Diplomatie im Krieg zwischen Putin und der Ukraine, aber wir sind nicht die Putin-Jünger wie das BSW und sagen, wer am Krieg schuld ist. Das schon so ein bisschen ‚wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass‘, oder?

Ich bin da völlig klar. Ich bin gegen Waffenlieferungen und die Mehrheit der Partei ist gegen Waffenlieferungen. Das haben wir auch beschlossen. Da gibt es überhaupt kein Vertun. Der zentrale Unterschied ist, ich mache das aus der Perspektive der Menschen in der Ukraine heraus. Ich frage, wie können wir den Menschen besser helfen als mit Waffen. Die Perspektive von AfD und BSW dagegen ist eine Kreml-Perspektive. Die sagen einfach, legt doch die Waffen nieder. So wie Baerbock das zu den Kurden sagt, sagen die das zu den Ukrainern. Beides ist falsch. Die sind angegriffen, sie haben natürlich ein Recht auf Selbstverteidigung.

Ohne Waffenlieferungen wird das mit der Selbstverteidigung aber etwas schwer für die angegriffene Ukraine.

Ich bin gar kein radikaler Pazifist. Ich glaube, es gibt historische Situationen, wie in Nazideutschland, wo man ohne Waffengewalt nicht weiterkommt. Aber meine Position ist immer das Primat des Zivilen. Zwischen dem Militärischen und gar nichts tun, da gibt es immer ganz schön viel, was man auch mal ausprobieren kann, bevor man überhaupt an das Militärische rangeht.

Das klappt doch schon aus Zeitgründen nicht, oder?

Also am 25. Februar 2022 wären wir da ganz schnell sehr weit gekommen. Ein Beispiel wäre gewesen, dass Europa über Nacht gar kein Öl mehr von Russland kauft. Ein hundertprozentiges Öl-Embargo gegen Russland hätte die ganze Rechnung des Kreml durchkreuzt. Damit hätten sie nicht gerechnet. Da die Öleinnahmen direkt in die Staatskasse gehen, wäre die Kriegskasse ausgetrocknet worden. Ich glaube, dass dann die Verhandlungen in Istanbul im März/April des Jahres deutlich anders verlaufen werden, weil der Kreml unter Druck gestanden hätte.

Wie meinen Sie das?

Ich sage die ganze Zeit, man muss diese zivilen Dinge ausprobieren. Erst mit Waffen zu kommen, bei den Sanktionen zu schlampen und dann zu sagen, oh, die Sanktionen bringen ja gar nichts, das ist zynisch. Ich habe beruflich dazu gearbeitet, wie Sanktionen funktionieren und wie nicht und wann sie überhaupt erfolgreich sind. Und da ist beim Ukraine-Krieg jeder Fehler gemacht worden, den man in der Sanktionsforschung kennt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd Elmenthaler

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