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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) setzt auf die Aufrüstung. Dabei soll auch sein Bundesland eine große Rolle spielen.
Stuttgart - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird zum Ende seiner langen Regentschaft im Ländle nochmal richtig deutlich. Kürzlich schoss der Grünen-Politiker in einem Interview gegen die Linke, was von der Landesgruppe der Partei stark kritisiert wurde. In einem aktuellen Interview sprach sich der einzige grüne Ministerpräsident eines deutschen Landes nun deutlich für die seit langem geforderte Aufrüstung in Deutschland aus. Dabei soll auch die Wirtschaft in Baden-Württemberg eine tragende Rolle spielen.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




In einer Welt, in der Donald Trump die USA regiert und auch in Europa immer radikalere Stimmen laut werden, wird seit einiger Zeit die Wehrhaftigkeit der Bundesrepublik stark infrage gestellt. Deshalb ist zum einen eine Rückkehr zur Wehrpflicht im Gespräch, zum anderen aber auch eine deutliche Aufrüstung. Europa müsse seine Verteidigung selbst in die Hand nehmen, sagte Kretschmann im Gespräch mit dem Südkurier. „Und da wollen wir in Baden-Württemberg mitmischen.“ Im Bundesland sitzt immerhin das „tödlichste Unternehmen Europas“.
Winfried Kretschmann spricht sich für Aufrüstung aus - ethische Bedenken hat er nicht
An den Handwaffenhersteller Heckler & Koch mit Sitz in Oberndorf am Neckar denkt der Regierungschef aber wohl in erster Linie nicht. Stattdessen nannte er in dem Interview Unternehmen wie Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee, das Systeme zur Luftabwehr produziert. Auch der Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems profitiert vom Rüstungsboom und erzielte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz. Daran lässt das Unternehmen aus Friedrichshafen auch die Belegschaft teilhaben. Laut Kretschmann müsse eine Technologieführerschaft der Anspruch in der gesamten Verteidigungswirtschaft sein.
Ethische Bedenken bei einer Aufrüstung hat der Landesvater von Baden-Württemberg nicht. „Ich war noch nie ein Pazifist“, sagte der Politiker, der in seiner Jugend als Links-Rebell und Maoist galt. Wichtig sei ihm aber, dass die Rüstungs- und Waffensysteme nur für die Verteidigung eingesetzt werden. „Wir wollen keine Kriege führen, sondern machen das, damit Aggressoren es nicht wagen, uns anzugreifen.“ Auch das christlich-geprägte Familienunternehmen Trumpf erwägt erstmals in der Firmengeschichte den Einstieg in die Rüstungsproduktion, betont aber ebenfalls, dass die Systeme ausschließlich zur Abwehr eingesetzt werden dürften.
Kretschmann begrüßt Haushaltsreform, kritisiert aber dennoch CDU-Chef Merz
Die Union hat sich mit der SPD jüngst auf eine gewaltige Haushaltsreform geeinigt, die mit hohen Schulden verbunden ist. Während das aufgrund eines Bruchs der Wahlversprechen oftmals kritisiert wird, begrüßen gerade Politiker diesen Schritt und erhoffen sich dabei auch gezielte Investitionen in die deutsche Rüstungsindustrie und die Bundeswehr. Winfried Kretschmann steht dabei zwischen den Stühlen. Zum einen hat sich der Ministerpräsident eben für eine Aufrüstung ausgesprochen, zum anderen kritisiert er aber, dass sich CDU-Chef Friedrich Merz damit bereits vor seinem Amtsantritt jegliche Glaubwürdigkeit verspielt habe.
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