- VonTadhg Nagelschließen
Die israelischen Streitkräfte haben einen Grenzübergang zwischen Ägypten und Rafah eingenommen. Die Armee berichtet von Hamas-Tunneln in dem Gebiet.
Rafah - Teile des Personals eines Grenzübergangs in Rafah sollen der Hamas angehört haben. Laut der israelischen Armee (IDF) handelt es sich dabei um ein Mitglied des militärischen Arms der Terrororganisation, der Al-Qassam-Brigade. Diese hatte am 07. Oktober den terroristischen Überfall auf Israel verübt. Der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen war in der Nacht zum 7. Mai von israelischen Streitkräften eingenommen worden. Seitdem ist er für Hilfslieferungen geschlossen - was laut Hilfsorganisationen die humanitäre Lage vor Ort weiter verschlimmert hat.
Einem Bericht der israelischen Zeitung The Jerusalem Post zufolge, wurde bei der Durchsuchung des Grenzübergangs der Ausweis eines Arbeiters der Wartungsabteilung des Grenzkontrollpunkts sichergestellt. Man habe unter dem gleichen Namen, Kamal Ghizan Abu Mousa, noch ein weiteres Ausweisdokument gefunden. Dieses weise die betreffende Person als Mitglied der Ezedeen Al-Qassam-Brigaden der Hamas aus. Das habe die Zeitung von einer nicht näher genannten Quelle innerhalb der IDF erfahren. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Rafah bleibt geschlossen - IDF will „Gebiet von den terroristischen Aktivitäten der Hamas“ befreien
Weiterhin habe die Militärquelle hervorgehoben, dass die Aufgabe der IDF am Grenzübergang darin bestehe, „das Gebiet von den terroristischen Aktivitäten der Hamas zu säubern und sicherzustellen, dass die in den Gazastreifen gebrachten Waren an die Bürger des Gazastreifens und nicht an Hamas-Terroristen gehen“. Man sei sich sicher, es gebe „weitere Terroristen, die mit dem Grenzübergang in Verbindung stehen und die wir in Zukunft aufdecken werden“. Das gefundene Ausweisdokument sei also nur „eine von vielen Erkenntnissen, die belegen, dass die Hamas de facto heimlich die Geschäfte führt und die Gazaseite des Rafah-Übergangs für ihr eigenes Überleben ausnutzt“.
Die Quelle habe ebenfalls hervorgehoben, dass die IDF in den letzten Wochen Tunnelschächte in dem Bereich freigelegt habe, die von der Hamas für Angriffe genutzt worden seien. Auch dies zeige, „wie die Hamas Kontrolle über die Umgebung des Grenzübergangs ausübt“. Die Hamas, so der Bericht weiter, habe vom Grenzübergang Rafah aus wiederholt Raketen auf den Grenzübergang Kerem Shalom und seine Umgebung abgefeuert. Das Gebiet sei also genutzt worden, um Hilfskonvois zu bedrohen, die versuchten, die Bürger von Gaza zu erreichen.
IDF schließt Grenzübergang - Rafah gilt als eine der wichtigsten Lieferrouten für humanitäre Hilfe
Diese Erklärung ist weitgehend deckungsgleich mit der ursprünglichen Begründung Israels. „Die IDF-Truppen haben die palästinensische Seite des Grenzübergangs Rafah eingenommen, nachdem sie erfahren hatten, dass dieser von der Hamas für terroristische Zwecke genutzt wird“, so IDF-Sprecher Oberstleutnant Nadav Shoshani am 7. Mai. Ein anderer israelischer Beamte hatte damals angekündigt, man plane, den Grenzübergang wieder für humanitäre Güter zu öffnen, nachdem die IDF die „Säuberung“ der Hamas-Präsenz in dem Gebiet abgeschlossen habe. Das berichtete die US-Nachrichtenwebsite Axios.
Der Checkpoint in Rafah gilt als eine der wichtigsten Lieferrouten für humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) warnte noch am 07. Mai, dass die Schließung des Übergangs die Hilfe für die Flüchtlinge in der Enklave gefährde. US-Präsident Joe Biden hatte sich bereits vor Beginn der Operation vom israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu versichern lassen, dass es einen Ersatz geben werde. Die israelische Regierung verpflichtete sich daraufhin, den nahegelegenen Grenzübergang Kerem-Shalom für Hilfslieferungen zu öffnen.
Die Hungersnot im Gazastreifen nimmt weiter zu - obwohl Israel zufolge genug Kalorien geliefert werden
Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind seit dem 5. Mai aber nur vereinzelte Lastwagen über Kerem Shalom in den Gazastreifen gekommen. Das schreibt die Nachrichtenagentur Reuters in einem Bericht vom Freitag (24. Mai). Via Rafah sei es kein einziger gewesen - weswegen sich auf der Straße zwischen der ägyptischen Seite des Grenzübergangs und der Stadt al-Arish ein kilometerlanger Rückstau gebildet habe. Einige Lastwagen würden seit über zwei Monaten feststecken, habe Khaled Zayed, der örtliche Leiter des ägyptischen Roten Halbmonds, gewarnt. Gerade frische Lebensmittel, aber auch Medikamente seien durch die Hitze inzwischen unbrauchbar geworden, so der Bericht weiter. Teils würden in Ägypten sie zu Schleuderpreisen verkauft.
Nichts mehr wie zuvor - ein außenpolitischer Rückblick




Gleichzeitig haben die Menschen in der palästinensischen Enklave laut Reuters mit einer Verschärfung des Hungers zu kämpfen. Die Meinungen, wer dafür verantwortlich ist, gehen allerdings stark auseinander. Israel behauptet, man lasse genug Lebensmittel passieren. Laut einem Bericht der Times of Israel vom Freitag (24. Mai) gehen Daten von COGAT, einem zivilen Arm der IDF, von durchschnittlich 3163 Kalorien pro Tag und Bewohner aus. Der IDF zufolge, ist der Fehler bei der Hamas zu suchen. Diese halte die Nahrung zurück, auch um den Hass weiter anzuheizen. Hilfsorganisationen werfen Israel hingegen vor, nur wenig Hilfe durchzulassen. Oxfam geht im nördlichen Gazastreifen von 245 Kalorien aus, die pro Tag und Person tatsächlich ankommen. (tpn)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Sui Xiankai
