Pflichtjahr für Senioren? CDU und Linke lehnen Vorschlag ab
VonPaula Völkner
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Der Soziologe Klaus Hurrelmann will Rentner in die Pflicht nehmen. Doch der Vorschlag eines sozialen Pflichtjahres stößt in Berlin auf Ablehnung.
Berlin – Jüngst sorgte der Vorschlag eines „Boomer-Solis“ für Diskussionen; nun bringt der Soziologe Klaus Hurrelmann eine weitere Idee zur Verantwortung der Generationen ins Spiel. In einem Interview mit dem Spiegel plädiert der Generationenforscher für ein soziales Pflichtjahr für Senioren „am Ende ihres Arbeitslebens“.
Pflichtjahr für Rentner? CDU lehnt Vorschlag ab – „eine Frage des Respekts“
Auf die Frage, ob eine Wehrpflicht oder ein soziales Pflichtjahr den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern könnten, antwortete der Soziologe: „Nur wenn man die ganze Gesellschaft in die Pflicht nimmt.“ Es sei ungerecht, von „den Jungen“ zu erwarten, „dass sie im Ernstfall allein das Land verteidigen“. Stattdessen solle diskutiert werden, „wie gesellschaftliche Aufgaben wie die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit von allen Generationen getragen werden können“.
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Der Gedanke eines sozialen Pflichtjahres für Rentner ist nicht neu. Bereits vor einem Jahr kam die Idee schon einmal von Seiten der CDU auf: konkret von der ehemaligen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.
In der Union stößt der Vorschlag des Soziologen nun jedoch auf Ablehnung. Anja Weisgerber, stellvertretende Fraktionsvorsitzende für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, äußert gegenüber unserer Redaktion: „Wir sollten uns zuerst darum kümmern, wie wir ein Gesellschaftsjahr für die jüngere Generation organisieren, bevor wir an eine zweite Runde für die Älteren denken, die schon viel für unsere Gesellschaft geleistet haben.“ Zudem argumentiert die CDU-Politikerin: „Viele Rentnerinnen und Rentner engagieren sich bereits ehrenamtlich.“
CDU gegen Senioren-Pflichtdienst: „Würde Konzept der Aktivrente konterkarieren“
Für Rentner sollte es vielmehr darum gehen, „Anreize für freiwilliges Engagement zu setzen und dabei die Wahlfreiheit zu wahren: Diejenigen, die wollen und können, sollen sich auch einbringen, die anderen sollten aber von einer Pflicht verschont bleiben“, fordert die CDU-Politikerin. „Das ist auch eine Frage des Respekts vor den Seniorinnen und Senioren in unserem Land.“
„Ein Pflichtjahr würde zudem das Konzept der Aktivrente konterkarieren“, erklärt Weisgerber. Union und SPD möchten, dass ältere Menschen möglichst lange im Berufsleben bleiben und haben die Idee einer „Aktivrente“ aus dem Unionswahlprogramm übernommen: Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, soll sein Einkommen bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei erhalten.
Sozialer Pflichtdienst für Rentner? Linke kritisieren Generationen-Debatte
Auch im linken politischen Spektrum findet die Idee eines sozialen Pflichtjahres für Senioren keinen Zuspruch. Sarah Vollath, Sprecherin für Renten- und Alterssicherungspolitik der Fraktion Die Linke, erklärt auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion: „Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht und anderer Zwangsdienste lehnen wir als Linke klar ab.“ Sie kritisiert zudem, dass „Generationen ständig gegeneinander ausgespielt“ würden – sei es bei Pflichtdiensten oder bei der Rente. „Wir sollten lieber darüber sprechen, wie wir Freiwilligendienste grundsätzlich attraktiver gestalten können – und zwar für Jung und Alt.“
Der Vorschlag, ein soziales Pflichtjahr für Rentner einzuführen, gehe zudem „völlig an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei“, bemängelt Vollath die Idee des Soziologen. „Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, sollte am Ende des Arbeitslebens in den wohlverdienten Ruhestand gehen können – und zwar mit einer Rente, die für ein gutes Leben reicht, und ohne Sorge, vom Staat verpflichtet zu werden.“ (pav)