Nächstes Beschaffungs-Desaster

Hifi-Headset für Wald und Wiese: Herbe Kritik an teurem Bundeswehr-Deal

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Gehörschutz mit Mikrofon für die gesamte Truppe – in Zeiten knapper Kassen kauft die Bundeswehr teuer ein. Laut Bundesrechnungshof geht das günstiger.

Berlin – Boris Pistorius und Kay Scheller rechnen unterschiedlich. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) rechnet damit, was kommen könnte: ein Einsatz. Der Präsident des Bundesrechnungshofes rechnet damit, was ist: Ebbe in der Kasse. Nach einer Kritik des Bundesrechnungshofes Mitte Dezember zum Kauf von Maschinengewehren, wird die Bundeswehr jetzt wieder abgewatscht – mit der ewig gleichen Begründung: Die Bundeswehr kaufe Ausrüstung, die sie nie nutzen werde. Aktuell kritisiert der Bundesrechnungshof die Beschaffung von rund 200.000 „Sprechsätzen mit Gehörschutzfunktion“ (SMG), wie sie im Amtsdeutsch heißen.

Teurer Einkauf für Verteidigungsminister Boris Pistorius: Die gesamte Truppe erhält neuen Gehörschutz mit Sprechfunk-Möglichkeiten. Der Bundesrechnungshof kritisiert sowohl den Preis als auch den Sinn der Anschaffung.

Wie der Spiegel zuerst berichtet hatte, kritisiert der Bundesrechnungshof, dass alle Soldatinnen und Soldaten diese Kopfhörer mit Sprechfunk erhalten sollten, obwohl nach deren Auffassung nur gut ein Fünftel der Ausgerüsteten die Sprechfunk-Funktion nutzen würden. Dem Rest fehle das Funkgerät, und damit würden die Kopfhörer weitestgehend nutzlos, wären also überdimensioniert und damit zu teuer. Der langfristige Auftrag im Volumen von rund drei Milliarden Euro biete demnach ein Einsparpotenzial von mehr als einem Drittel.

Der neue Bundeswehr-Deal: Gehörschutz mit Sprechfunk für die Infanteristen

Im Januar 2023 war Boris Pistorius als Verteidigungsminister angetreten, die Bundeswehr schneller, günstiger und praktikabler auszurüsten. „Laufende Projekte werden wir nicht mehr anhalten können, außer sie scheitern“, so der SPD-Politiker gegenüber der Tagesschau damals. Andere Projekte sollen demnach weiterlaufen, „weil wir uns im Rahmen von Verträgen bewegen“, wie er sagte. Aber „von jetzt an“ gelte das Aus für „Goldrandlösungen“ für die Beschaffung von Projekten und insbesondere ihre Planung, betonte der Verteidigungsminister. Den Gehörschutz hat Pistorius von seiner Vorgängerin Christine Lambrecht (SPD) geerbt. Der gehört zu einem Maßnahmen-Paket, das sie Mitte 2022 fertig geschnürt hatte, um die Truppe bis 2025 mit persönlicher Schutzausrüstung voll auszustatten; Teil dessen ist auch ein Gefechtshelm, auf dem Anbauteile modular zu befestigen sein sollten.

In diesem Zusammenhang waren auch die rund 200.000 Sprechsätze mit Gehörschutzfunktion ausgeschrieben worden – wie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr schreibt: „Ziel und Zweck dieser Beschaffung ist ein Gehörschutz mit Kompatibilität zur Ausrüstung des Soldaten (Schutzbereich Kopf: Gefechtshelm, Schießbrille), der dem Soldaten einen maximalen Schutz bietet, die Gefahr einer dauerhaften Gehörschädigung minimiert sowie die Kommunikation unter den Bedingungen beim Schießen mit Handwaffen/Panzerabwehrhandwaffen gewährleistet und die Wahrnehmung von Umweltgeräuschen zulässt. Dabei soll der Sprechsatz mit Gehörschutzfunktion in erster Linie für abgesessene Kräfte beziehungsweise den infanteristischen Einsatz außerhalb von Fahrzeugen geeignet sein.“

Der Bundesrechnungshof

Nach Abschluss jedes Haushaltsjahres muss die Bundesregierung gegenüber dem Bundestag und dem Bundesrat Rechenschaft ablegen. Bundestag und Bundesrat entscheiden dann, ob sie der Bundesregierung für das betreffende Haushaltsjahr die Entlastung erteilen.

„Unsere Bemerkungen sind eine wichtige Grundlage für das Entlastungsverfahren. Sie analysieren die Einnahmen und Ausgaben des Bundes, sein Vermögen und seine Schulden. Und sie geben Empfehlungen, wie Defizite abgestellt und Haushaltsmittel effizienter und effektiver eingesetzt werden können.“ – Quelle: Bundesrechnungshof

Für eine erste Tranche von 3665 dieser Hifi-Kopfhörer hatte der Bundestag im Oktober 2022 Mittel freigegeben: rund 7,5 Millionen Euro. Mit dem modernen digitalen Kapsel-Gehörschutz sollen Soldatinnen und Soldaten die Lautstärke von Umgebungsgeräuschen oder Gesprächen regeln können. Impulsschall – etwa der von Schüssen oder Detonationen – wird automatisch gefiltert. An den Sprechsatz können mit einem Adapter Funkgeräte angeschlossen werden, sodass eine Kommunikation per Funk auch unter Gehörschutz möglich ist. Der Koch kann die entbehren, Soldaten im Nachschub oder im Stabsdienst wohl auch.

Pistorius‘ neues Hifi-Headset für die Bundeswehr: Stückpreis 14.000 Euro

Die Fachwelt staunt, wie Autor „DL2MCD“ im Magazin Funkamateur schreibt: Kopfhörer mit ANC – Active Noise Cancellation, also aktiver Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen – kosten für den Privatgebrauch selbst bei Spitzenmodellen maximal 400 bis 600 Euro. Die Technik dahinter wurde ursprünglich für Piloten entwickelt und wird heute auch in Smartphones verbaut. 203.000 Gehörschutzkopfhörer mit Sprechfunktion sollen für die Bundeswehr knapp 2,8 Milliarden Euro kosten, wie der Spiegel berichtet. Das sind fast 14.000 Euro pro Kopfhörer! Davon entfallen laut Spiegel bis zu 2600 Euro auf die reinen Hardware-Kosten, inkludiert ist die Wartung, die auf sieben Jahre festgelegt wird.

Der anvisierte Schutz sei mit einfacheren Modellen möglich, mahnt auch der Bundesrechnungshof – worin ihn das Verteidigungsressort in einer Stellungnahme sogar bestätigt, wie der Spiegel schreibt. Allerdings sei das Ministerium für die Notwendigkeit der Sprechfunktion für jeden Soldaten eine Begründung schuldig geblieben. Stattdessen sei die Beschaffung nach Auskunft des Ministeriums „zukunftsorientiert und gewährleiste eine einheitliche Ausbildung, auch wenn zeitnah noch nicht alle Soldaten die Sprechsatzfunktion nutzen können“. Folglich ergebe sich ein „massiver Fähigkeitsgewinn“, der durch Gehörschutz allein ausbliebe.

Bundeswehr-Beschaffung: Doch kein Aus für die „Goldrandlösungen“

Kurz nach erfolgter Ausschreibung für den diskutablen Gehörschutz lief Anfang Juli 2022 eine Expertenanhörung im Wirtschaftsausschuss des Parlaments zum Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz (BwBBG), das anschließend beschlossen wurde. In der Expertenrunde äußerte sich Annette Lehnigk-Emden ganz dezidiert: „Die Forderungslagen sind zu hoch. In unseren Dokumenten werden zum Teil Goldrandlösungen beschrieben“, klagte die Präsidentin des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Anschließend sei es dann „die Aufgabe bis zum hoch zum Generalinspekteur, gemeinsam mit dem Forderungscontrolling die Forderungen nach unten zu schrauben und festzustellen, ob 80 Prozent der Forderungserfüllung reichen, mit denen man aber dann ein marktverfügbares Produkt kaufen könnte.“

Der Bundesrechnungshof zeigt sich vom diffusen „Fähigkeitsgewinn“ der angestrebten Lösung wenig beeindruckt. „Der Verweis des Bundesverteidigungsministeriums, dass jeder Soldat wenigstens die Gehörschutzfunktion nutzen könne, überzeugt den Bundesrechnungshof nicht“, schreibt er in seine Bewertung; das ginge auch mit marktüblichen Produkten. Folglich solle der Haushaltsausschuss den geplanten Rahmenvertrag deutlich verkleinern. Auch sollen Unterlagen aus dem Verteidigungsministerium gefehlt haben. Beispielsweise seien Antworten auf die Frage verweigert worden, ob die modernen Kopfhörer in der Zukunft vielleicht doch voll nutzbar seien, weil die Bundeswehr Funkgeräte für alle Soldaten einkaufen will.

Pistorius‘ Versprechen: „Ich will heilen, was zu heilen ist“

Die Liste skurriler Entscheidungen zieht sich durch die Geschichte der Bundeswehr, und immer wieder hebt der Rechnungshof den Finger – vor rund zehn Jahren berichtete der Spiegel: So monierte der Bundesrechnungshof im vergangenen November die Ausgabe von rund 20 Millionen Euro, die in den Neubau einer Fabrik geflossen waren, in der die Bundeswehr eine eigene Medikamenten- und Kosmetiklinie herstellen lässt. Dabei, so der Tenor der Prüfer, könnten die dort fabrizierten Produkte wie Nasenspray, Sonnencreme oder Lippenschutzstifte wesentlich günstiger beschafft werden – auf dem freien Markt.

Schleudersitz ade? Von Scharping bis Pistorius – wer im Bendlerblock das Sagen hat

Rudolf Scharping (1998 bis 2002): Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung. Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Während nämlich die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin im Swimmingpool fotografieren. Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen.
Das Verteidigungsressort ist schwieriger zu führen als alle anderen Ministerien. In den vergangenen Jahren sind viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber daran gescheitert. Das begann mit Rudolf Scharping, der von 1998 bis 2002 im Amt war. Als die Ehrenformation der polnischen Armee den Minister im Februar 1999 im polnischen Krakau begrüßte, war Scharpings Welt noch in Ordnung.  © Ferdinand Ostrop/dpa
Scharping und Lebensgefährtin
Doch dann stolperte er über zwei verhängnisvolle Affären. Erstens: Während die Bundeswehr kurz vor einem Einsatz in Mazedonien stand, ließ er sich quietschvergnügt mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati im Swimmingpool fotografieren.  © Gero Breloer/dpa
Scharping soll laut SPD-Fraktion abgelöst werden
Und auch die dubiosen Deals mit PR-Mann Moritz Hunzinger stießen der SPD sauer auf. Im Juli 2002 wurde Scharping schließlich entlassen. © Tim Brakemeier/dpa
Verteidigungsminister Struck bei Soldaten in Bosnien
Danach übernahm Peter Struck (hier mit Soldaten in Bosnien zu sehen). Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten.  © Fehim Demir/dpa
Afghanistan: Von der ISAF zur NATO
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz.  © Peter Kneffel/dpa
Peter Struck (2002 bis 2005): Der SPD-Politiker machte schon kurz nach seiner Amtsübernahme klar, welche Richtlinien für die Bundeswehr unter seiner Führung gelten sollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, sagte Struck in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz. Im Februar 2003 musste er dann nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden.
Er bekam das im Februar 2003 am eigenen Leib zu spüren, als er nach einem Raketenangriff auf das deutsche Isaf-Camp in Kabul bei nahezu völliger Dunkelheit in einem Schutzraum von Feldjägern abgeschirmt werden musste.  © Boris Roessler/dpa
Franz Josef Jung (2005 bis 2009): Der CDU-Politiker suchte kurz nach seinem Amtsantritt die Nähe zu den deutschen Soldaten wie zum Beispiel im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. Die Dienstreise führte ihn später auch nach Kabul, doch von „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden. Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war.
Nachfolger von Struck wurde Franz Josef Jung. Der CDU-Politiker war von 2005 bis 2009 im Amt. Jung suchte kurz nach seinem Amtsantritt sofort die Nähe zu den deutschen Soldaten. So zum Beispiel auch im Dezember 2005, als er im Hafen von Dschibuti auf der Fregatte Lübeck mit ihnen zusammensaß. © Michael Hanschke/dpa
Verteidigungsminister Jung in Kabul
Die Dienstreise führte ihn später bis nach Kabul, doch von einem „Krieg“ wollte er im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lieber nicht reden.  © Michael Hanschke/dpa
Bild: Bundeswehr hielt Infos zu Luftangriff zurück
Nach dem auf deutschen Befehl hin angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Opfern trat Jung zurück – nachdem er kurz zuvor ins Arbeitsministerium gewechselt war. © Kargar/dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg (2009 bis 2011): Der CSU-Politiker machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um ein Krieg handelte, aus dem Herzen. Er schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Das Ende kam, als er Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.
Karl-Theodor zu Guttenberg machte zunächst alles anders als sein Vorgänger. Schon im November 2009 machte er sich in einem Transportflugzeug der Bundeswehr auf den Weg nach Kabul und sprach den Soldaten mit dem Bekenntnis, dass es sich in Afghanistan um einen Krieg handelte, aus dem Herzen.  © Michael Kappeler/dpa
Aussetzung der Wehrpflicht
Guttenberg schaffte die Wehrpflicht ab und verkleinerte die Truppe. Die Soldaten der Bundeswehr, die am 5. Mai 2011 am Kyffhäuserdenkmal bei Steinthaleben nahe Bad Frankenhausen ihren Eid ablegten, waren die ersten Freiwilligen nach dem Aussetzen der Wehrpflicht.  © Martin Schutt/dpa
Politischer Aschermittwoch - Rosenmontagszug wird zerlegt
Das Ende kam, als Guttenberg Plagiate in seiner Doktorarbeit einräumen musste. Am 1. März 2011 erklärte er seinen Rücktritt.  © Julian Stratenschulte/dpa
Thomas de Maizière (2011 bis 2013): Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen. Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme. Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen.
Danach folgte Thomas de Maizière. Auch den CDU-Politiker zog es früh nach Afghanistan, wo er per Hubschrauber von Masar-i-Scharif nach Kundus flog, um deutsche Soldaten zu besuchen.  © Michael Kappeler/dpa
Aufklärungsdrohne Euro Hawk
Doch es war ein anderes Flugobjekt, das ihm zu schaffen machte. Das Debakel um die viel zu teure Drohne Euro Hawk stellte ihn Anfang 2013 vor unlösbare Probleme.  © Armin Weigel/dpa
Großer Zapfenstreich für De Maiziere
Er wechselte ins Innenressort, wurde nach der Wahl 2017 von Kanzlerin Merkel aber nicht wieder ins Kabinett berufen. Nachfolgerin wurde Ursula von der Leyen, die ihn 8. Januar 2014 in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedete. © Maurizio Gambarini/dpa
Ursula von der Leyen (2013 bis 2019): Die CDU-Politikerin war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe und erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf. Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war.
Ursula von der Leyen war die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Wegen rechter Umtriebe übte sie schwere Kritik an der eigenen Truppe.  © Arne Immanuel Bänsch/dpa
Deutsche Verteidigungsministerin in Afghanistan
Von der Leyen erkannte ein generelles Problem in der Bundeswehr, der sie ein „Haltungsproblem“, „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ und „falsch verstandenen Korpsgeist“ vorwarf.  © Kay Nietfeld/dpa
Marine stellt Fregatte „Baden-Württemberg“ in Dienst
Ihrer Bindung an die Soldaten dürfte das eher geschadet haben. Eine Berateraffäre führte zu einem Untersuchungsausschuss zu ihrer Amtszeit. Dort musste sie aber erst aussagen, als sie bereits zur EU-Kommissionschefin nach Brüssel befördert worden war. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (2019 bis 2021): Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen. Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck. Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit.
Danach durfte Annegret Kramp-Karrenbauer ran. Nach von der Leyens Aussage vom „Haltungsproblem“ der Bundeswehr hatte es ihre Nachfolgerin schwer, Vertrauen zur Truppe aufzubauen.  © Christophe Gateau/dpa
Kramp-Karrenbauer bei deutschen Soldaten in Afghanistan
Auch unter ihrer Führung litt die Bundeswehr weiter an mangelhafter Ausrüstung. Wegen der Munitionsaffäre beim KSK (Kommando Spezialkräfte) geriet AKK unter Druck.  © Sabine Oelbeck/dpa
Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes
Auch der übereilte Abzug aus Afghanistan nach dem Vormarsch der Taliban fiel in ihre Amtszeit. Zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier leitete sie den Abschlussappell zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.  © Kay Nietfeld/dpa
Christine Lambrecht (2021 bis 2023): In besseren Zeiten hatte die SPD-Politikerin noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattache Carsten Boos begrüßt wurde. Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach.
In besseren Zeiten hatte Christine Lambrecht noch Grund zum Lachen, so zum Beispiel bei ihrem Besuch in Mali, wo sie von Verteidigungsattaché Carsten Boos begrüßt wurde.  © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Doch zumeist stand sie unter einem immensen Druck. Vorgeworfen wurden ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit.  © Robert Michael/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht in Mali
Ein Foto ihres Sohnes, der in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitreiste, sorgte ebenfalls für Aufregung. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Michael Kappeler/dpa
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Für Boris Pistorius scheint das bisher nicht zu gelten. Der Verteidigungsminister gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius war von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen. Zuvor war er von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister in Osnabrück. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter.
Das Chefbüro im Bendlerblock gilt gemeinhin als Schleudersitz und damit auch als potenzieller Karrierekiller. Auf Boris Pistorius scheint das bisher nicht zuzutreffen.  © Axel Heimken/afp
Pistorius besucht Artillerietruppe
Der Verteidigungsminister, der von Februar 2013 bis Januar 2023 Innenminister in Niedersachsen war, gilt seit seinem Amtsantritt Anfang 2023 als beliebtester Politiker in Deutschland. Pistorius ist verwitwet und hat zwei Töchter. Im September 2024 besuchte er die Artillerieschule der Bundeswehr. Dabei fuhr er auf einer Panzerhaubitze 2000 über das Gelände. © Boris Roessler/dpa
Nationaler Veteranentag
Am Nationalen Veteranentag auf dem Bürgerfest rund um das Reichstagsgebäude bekam Pistorius ein Trikot vom Laufteam Bundeswehr. Der Gedenktag wurde 2025 erstmals begangen. An diesem Tag sollen jährlich der Dienst, der Einsatz und die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt werden, die im Einsatz stehen oder standen.  © Fabian Sommer/dpa

Die Präsidentin des Bundeswehr-Beschaffungsamtes beschwichtigt: „Sie können uns nicht mit der Einkaufsabteilung eines Autoherstellers vergleichen“, sagt Annette Lehnigk-Emden. Darin mag sie tatsächlich das Problem benannt haben: „Verhandeln da die falschen Leute?“, fragte der Deutschlandfunk. „Das Ministerium wird oft von Fachleuten vertreten, begleitet von Juristen. Die Juristen im Verteidigungsministerium haben intern nicht den besten Ruf. Aufseiten der Industrie, so berichten Bundeswehr-Insider, verhandeln zunehmend Juristen und Kaufleute, nicht mehr allerdings Techniker wie früher.“ Ziel sei der Auftragseingang, alles andere regele sich im Laufe der Produktion.

Die Passage aus dem Deutschlandfunk ist zehn Jahre alt. Das jüngste Desaster der Bundeswehr-Beschaffung kein halbes Jahr her: Eiligst beschaffte digitale Funkgeräte passten nicht in die auszustattenden Fahrzeuge. Bundesverteidigungsminister Pistorius geriet in die Defensive, wie ihn die Neue Zürcher Zeitung zitiert. „Ich wäre davon ausgegangen, dass man sich vor der Bestellung, aber mindestens mit der Bestellung darüber Gedanken macht, wie die Integration erfolgt.“ Er kläre ab, warum das nicht passiert sei und versuche nun „zu heilen, was zu heilen ist“. (Karsten Hinzmann)

Rubriklistenbild: © IMAGO/David Inderlied/ Kirchner-Media

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