Trump-Fan, Hooligans, Boxer

Polnische Präsidentschaftswahl: Kandidat Karol Nawrocki polarisiert

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Bei der Präsidentschaftswahl in Polen misst sich Karol Nawrocki mit dem Warschauer Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski. Den Politiker belasten ernste Vorwürfe.

Warschau – Deutschlands Nachbar Polen wählt an diesem Sonntag (1. Juni) einen neuen Präsidenten. Nach zwei Amtszeiten und zehn Jahren darf Amtsinhaber Andrzej Duda gemäß Verfassung nicht mehr antreten. Eine Stichwahl wird stattdessen zwischen Rafał Trzaskowski und Karol Nawrocki entscheiden.

Präsidentschaftswahl in Polen 2025: Gerüchte um Kandidat Karol Nawrocki

Der 53-jährige Trzaskowski ist Stadtpräsident der Hauptstadt Warschau, Nawrocki ist ein in Danzig an der Ostsee geborener Historiker und ehemaliger Boxer. Der eigentlich parteilose Nawrocki kandidiert bei der Präsidentschaftswahl 2025 für die rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Er ist Leiter des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau und gilt im Umfeld von Ukraine-Krieg sowie internationaler Russland-Aggression als besonders Moskau-kritisch. So seriös seine Jobbeschreibung als Geschichtswissenschaftler klingt, umso heiklere Vorwürfe begleiten den 42-Jährigen. Laut US-Nachrichtenmagazin Politico geht es um mutmaßlich kriminelle Machenschaften und Verbindungen zur polnischen Unterwelt, die seine Eignung für das höchste repräsentative Amt des Staates in Frage stellen sollen.

Bewirbt sich um das polnische Präsidentenamt: der Historiker Karol Nawrocki.

Präsidentschaftskandidat Karol Nawrocki: Rechtskonservativer und Trump-Fan

Sein Kontrahent Trzaskowski gehört dem liberalen Lager an, dem Nawrocki Lügen im Wahlkampf vorwirft. Trzaskowski war dem ebenfalls nationalkonservativen Duda bei der Präsidentschaftswahl 2020 unterlegen. Zwei Tage vor der Wahl lag der Warschauer Rathauschef laut Politico jüngsten Umfragen zufolge einen Prozentpunkt vor Nawrocki, dem rechtspopulistische Tendenzen und eine Nähe zum US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump nachgesagt werden.

Die Wahl ist für das deutsche Nachbarland mit seinen rund 38,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mit Blick auf dessen Rolle in der Europäischen Union (EU) außenpolitisch enorm wichtig, während Kreml-Autokrat Wladimir Putin mit seinem völkerrechtswidrigen Imperialismus in Europa zwischen Danzig, Breslau, Krakau und Lublin große Sorgen bereitet. Der liberale Regierungschef Donald Tusk will das Land vehement mehr in die Entscheidungen der EU integrieren und Warschau in eine Führungsrolle innerhalb des Staatenbündnisses hieven.

Im aktuellen polnischen Präsidentschaftswahlkampf ist es ein wichtiges Argument, welcher Kandidat die beste Diplomatie gegenüber den USA gewährleisten würde.

Polen-Experte Dr. Jens Boysen bei FR.de von IPPEN.MEDIA

Präsidentschaftswahl in Polen 2025: Annäherung an Donald Trump und die USA gesucht

Trzaskowski dürfte diesen Kurs im Falle einer Wahl unterstützen, darin sind sich etliche Beobachter einig. Amtsinhaber Duda und Nawrocki gelten als EU-kritischer. Während Polen seine Armee wegen der russischen Bedrohung an der Nato-Ostflanke immens aufrüstet, wollen laut eines Experten beide polnische Präsidentschaftskandidaten die USA unter Trump unbedingt im Militärbündnis halten.

„Die Bindung an die USA wird in Polen als alternativlos betrachtet – und zwar parteienübergreifend. Trumps sprunghafte und schwer berechenbare Politik hat in Polen zweifellos Besorgnis hervorgerufen, zumal Polen ja seit Jahren vor der russischen Revisionspolitik gewarnt und 2022 dann leider Recht behalten hat“, erklärt Dr. Jens Boysen von der Civitas University in Warschau FR.de von IPPEN.MEDIA: „Auch im aktuellen polnischen Präsidentschaftswahlkampf ist es ein wichtiges Argument, welcher Kandidat die beste Diplomatie gegenüber den USA gewährleisten würde.“

Polen
Einwohnerinnen und Einwohner:38,1 Millionen
Hauptstadt:Warschau
Fläche:312.696 km²
Größte Städte:Warschau (1,8 Millionen Einwohner), Krakau (780.000), Lodz (670.000), Breslau (640.000), Posen (530.000), Danzig (470.000)
Nachbarländer:Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ukraine, Belarus, Litauen, Russland (Exklave Kaliningrad)

Präsidentschaftskandidat Karol Nawrocki: Keine gute Basis mit Regierungschef Donald Tusk

Es ist eine der wenigen politischen Parallelen zwischen Trzaskowski und Nawrocki. Ansonsten polarisierte die Wahl 2025 sehr. Der proeuropäische Ministerpräsident Tusk wirft der nationalistischen PiS offen vor, Nawrockis Präsidentschaftskandidatur zu unterstützen. Ansonsten ist Nawrocki über Polen hinaus umstritten. So deutete er laut Politico zum Beispiel einmal an, als früherer Boxer an Schlägereien unter Fußball-Hooligans beteiligt gewesen zu sein.

Das Problem zwischen Nawrocki und Tusk: Gemäß Verfassung ist der Staatspräsident dazu ermächtigt, ihm vorgelegte Gesetze zur Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit an den Verfassungsgerichtshof weiterzuleiten. Duda wandte dieses Prozedere wiederholt an und blockierte damit Tusks‘ Reformpolitik. Dasselbe wird bei einer Wahl Nawrockis nicht ausgeschlossen. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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