Ringen ums Renten-Paket

Renten-Rebellion gegen Merz: Reiche rückt eigene Aussage zurecht – Senioren-Union pflichtet JU bei

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Der Renten-Streit spitzt sich zu: Die Junge Union bekommt Unterstützung – nur nicht wie erhofft vom Kanzler. Drei Optionen stehen jetzt im Raum.

Update, 19:00 Uhr: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich trotz Verständnis für die Position der Jungen Union im Renten-Streit demonstrativ hinter den Kanzler gestellt. „Wenn der Gesetzentwurf die Beratungen des Bundestags erfolgreich passiert hat, wofür ich werbe, müssen die Ergebnisse der Rentenreform-Kommission noch in dieser Legislaturperiode in die Gesetzgebung einfließen“, zitierte ntv die Ministerin.

Renten-Rebellion setzt Merz unter Druck: Reiche bezieht Position. (Montage)

Noch am Sonntagmorgen hatte Reiche mit Blick auf die Renten-Debatte betont: „Reformen sind hier unumgänglich, und insofern hat die junge Gruppe recht.“ Die Forderung nach Reformen steht für Reiche jedoch offenbar nicht im Widerspruch zu dem Gesetzesentwurf von Union und SPD, sondern soll diesen ergänzen. Auch Merz selbst betonte bei einem Auftritt im „Bericht aus Berlin“ in der ARD, Reiche habe ebenso wie jedes andere Mitglied seines Kabinetts ihre Unterstützung für das Rentenpaket klargemacht.

Renten-Rebellion gegen Merz: Ministerin Reiche wird deutlich – selbst Senioren-Union pflichtet JU bei

Erstmeldung vom 16. November: Berlin – Der Deutschlandtag der Jungen Union hat dem Kanzler in Sachen Rente keine Beruhigung der Lage gebracht – wohl ganz im Gegenteil: Nicht nur CSU-Chef Markus Söder und der Chef der Senioren Union pflichten dem Parteinachwuchs bei. Parallel gab auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche der Jungen Gruppe im Renten-Streit recht.

Zu den notwendigen Renten-Reformen gehöre etwa, dass die Zeit, die man insgesamt im Beruf verbringe, länger werden müsse, sagte die CDU-Politikerin kurz vor ihrer Abreise in die Vereinigten Arabischen Emirate in Berlin auf die Frage eines Journalisten. Die umlagefinanzierte Rente dürfe nicht zu einer weiteren Belastung der Lohnnebenkosten führen: Insofern habe die Junge Gruppe recht, erklärte Reiche.

Streit um die Rente: Junge Union enttäuscht von Kanzler Merz

Im Zentrum des Streits steht die sogenannte Haltelinie bei der Rente, also das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen. Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD vereinbart, bis 2031 die Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent zu verlängern. In dem vom Kabinett beschlossenen Rentengesetzentwurf ist außerdem aber vorgesehen, dass auch nach 2031 das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht liegen soll. Die Junge Gruppe der Unionsabgeordneten kritisiert: das sei im Koalitionsvertrag nicht vereinbart und würde enorme Kosten verursachen.

Bundeskanzler Friedrich Merz dürfte der Renten-Streit zunehmend in Bedrängnis bringen. Beim Deutschlandtag der Jungen Union stieß Merz‘ Auftritt auf verhaltene Reaktionen. Was die Junge Union sich wohl gewünscht hätte, lieferte Merz nicht. Der Kanzler stellte sich in seiner Rede am Samstag im südbadischen Rust hinter den Gesetzentwurf seiner schwarz-roten Koalition und damit gegen den Parteinachwuchs. 

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Klingbeil mach Renten-Ansage – Söder schießt zurück: „Reines SPD-Basta geht nicht“

Parallel zur Rede des Kanzlers sprach dagegen Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil ein Machtwort: „Ich sage euch in aller Klarheit: An diesem Gesetz wird nichts mehr geändert“, sagte der SPD-Chef beim Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg in Ulm. „Wir stehen beim Thema Rente. Das werden wir im Bundestag verabschieden.“ Eine Aussage, der Markus Söder am Sonntag prompt eine Absage erteilte: „So ein reines SPD-Basta von der Seite geht auch nicht“, sagte der CSU-Chef beim Deutschlandtag.

Selbst der Chef der Senioren Union, der 69-jährige Hubert Hüppe, äußerte Verständnis für die Junge Union. „Die Sorgen der jungen Generation sind berechtigt, insbesondere mit Blick auf die Finanzierung der Rente und den demografischen Wandel“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Fronten sind verhärtet und für die Regierung könnte der Streit um die Rente noch zu einem ausgewachsenen Problem werden. Die 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe der Unionsfraktion drohen, das Paket im Bundestag zu blockieren. Ein wirkmächtiges Druckmittel, angesichts der knappen Mehrheit von CDU/CSU und SPD im Bundestag von nur 12 Stimmen. Auf der anderen Seite der Debatte steht eine SPD, die sich weiteren Verhandlungen verweigert: Warum auch, fragen Sozialdemokraten; man habe sich schließlich auf das Paket geeinigt.

Wie also raus aus der verfahrenen Lage? Hier wird wohl Merz gefragt sein – und Unions-Fraktionschef Jens Spahn. Die Junge Gruppe und weitere Kritiker in den Reihen der Union müssten besänftigt oder die SPD zum Nachverhandeln gebracht werden.

Wie kann der Renten-Streit gelöst werden? CDU-Politiker schlägt Aufschub vor

Eine dritte Option brachte nun der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, ins Gespräch: „Die Situation bei der Rente ist maximal verfahren. Statt weiter Züge aufeinander rasen zu lassen, sollte man besser ein Gesamtpaket im nächsten Jahr anstreben“, sagte der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ob sich Union und SPD darauf einlassen, das Paket erst einmal ruhen zu lassen, scheint jedoch fraglich. Sowohl die SPD als auch große Teile der Union haben wohl kein Interesse daran, das Paket noch einmal aufzuschnüren: So sind die darin enthaltene Mütterrente und auch die Aktivrente in erster Linie Anliegen von CDU und CSU. Zumal ein verschobenes Renten-Paket mit Blick auf den versprochenen „Herbst der Reformen“ der Regierung wohl kaum zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen würde. (AFP, dpa, RND) (pav)

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