VonFranziska Schwarzschließen
Aus dem Ukraine-Krieg ist Jewgeni Prigoschins Wagner-Gruppe anscheinend vorerst raus – inaktiv sind die Söldner deshalb aber nicht.
London/Moskau – Ist die Wagner-Gruppe nach ihrem Putschversuch gegen den Dunstkreis um Wladimir Putin jetzt auf Eis gelegt? Die russische Elite jedenfalls lässt den Wagner-Boss hängen. Doch „von Kaliningrad bis Krasnodar“ glaubt niemand an die Auflösung der Söldnertruppe von Jewgeni Prigoschin, hat die BBC jetzt in Russland recherchiert. Die Wagner-Gruppe rekrutiert weiter.
Ein Beispiel: In der Stadt Murmansk bestätigte eine Frau eines Sportvereins der BBC, dass Wagner dort immer noch Kämpfer für den Ukraine-Krieg verpflichtet: „Wenn jemand gehen möchte, muss er mich nur anrufen und wir vereinbaren einen Termin.“
Zukunft der Wagner-Gruppe: Keine Verträge mit Russland?
Die BBC hat nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Rekrutierungszentren in Russland angerufen und sich als Interessent ausgegeben. Bei den Telefonaten hätten mehrere Rekrutierende bestätigt, dass die Verträge ausschließlich mit der Wagner-Gruppe geschlossen werden – nicht mit dem russischen Verteidigungsministerium.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Zuletzt hatte der Generalstab in Moskau durchgesetzt, dass die Privatarmeen, die aufseiten Russlands im Ukraine-Krieg kämpfen, sich per Vertrag dem Verteidigungsministerium unterstellen. Prigoschin hatte sich dagegen stark gewehrt und der Militärführung mit unter anderem Verteidigungsminister Sergej Schoigu vorgeworfen, ein falsches Bild von der Frontlage im Ukraine-Krieg zu geben – und damit auch Putin zu täuschen.
Im Ukraine-Krieg kämpfen? Prigoschin verspricht Begnadigung
The Moscow Times griff die BBC-Recherche ebenfalls auf und wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass Wladimir Putin im russischen Staats-TV den Wagner-Söldnern anbot, entweder Verträge mit der russischen Armee zu unterzeichnen oder nach Belarus auszureisen. Eine Abmachung unter Vermittlung des belarussischen Machthabers und Putin-Verbündeten Alexander Lukaschenko sieht nach offiziellen Angaben vor, dass auch Prigoschin ins Exil nach Belarus geht.
Wagner-Chef Prigoschin indessen lockte stets auch Gefängnisinsassen mit dem Versprechen, nach halbjährigem Kriegsdienst die Begnadigungsurkunde zu erhalten, schreibt der Spiegel. Doch wo sollen diese Dienste nun eigentlich stattfinden?
Wagner-Söldner kämpfen laut Geheimdienst nicht mehr im Ukraine-Krieg
Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, sagte in einem von der Ukrajinska Prawda eingeholten Statement jetzt, dass die russische Führung durch den Wagner-Marsch auf Moskau „kompromittiert“ wurde und die Söldner von Prigoschin nicht länger gegen den ukrainischen Staat kämpfen werden.
„Wieder einmal wurde der Mythos der Stabilität des russischen Regimes zerstört“, zitierte das Portal Budanow, der noch hinzufügte, dass die Wagner-Gruppe „die effektivste russische Einheit“ gewesen sei.
Wagner soll nach russischen Angaben aber weiter in Afrika aktiv sein, falls die Regierungen der jeweiligen Länder sich für eine Weiterführung der Verträge mit den Söldnern entscheiden. Das sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Freitag (30. Juni) vor Journalisten. Die Söldner-Gruppe galt über Jahre hinweg als bewaffneter verlängerter Arm Moskaus in Afrika. Ihre Einsätze im Ausland wurden durch den abgebrochenen Aufstand in Russland allerdings infrage gestellt. (frs)
Rubriklistenbild: © Alexei Druzhinin/dpa

