Russische Fehde im Ukraine-Krieg

Nach Prigoschins Flucht ins Exil: Wagner rekrutiert weiter – doch für wen eigentlich?

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Aus dem Ukraine-Krieg ist Jewgeni Prigoschins Wagner-Gruppe anscheinend vorerst raus – inaktiv sind die Söldner deshalb aber nicht.

London/Moskau – Ist die Wagner-Gruppe nach ihrem Putschversuch gegen den Dunstkreis um Wladimir Putin jetzt auf Eis gelegt? Die russische Elite jedenfalls lässt den Wagner-Boss hängen. Doch „von Kaliningrad bis Krasnodar“ glaubt niemand an die Auflösung der Söldnertruppe von Jewgeni Prigoschin, hat die BBC jetzt in Russland recherchiert. Die Wagner-Gruppe rekrutiert weiter.

Ein Beispiel: In der Stadt Murmansk bestätigte eine Frau eines Sportvereins der BBC, dass Wagner dort immer noch Kämpfer für den Ukraine-Krieg verpflichtet: „Wenn jemand gehen möchte, muss er mich nur anrufen und wir vereinbaren einen Termin.“

Zukunft der Wagner-Gruppe: Keine Verträge mit Russland?

Die BBC hat nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Rekrutierungszentren in Russland angerufen und sich als Interessent ausgegeben. Bei den Telefonaten hätten mehrere Rekrutierende bestätigt, dass die Verträge ausschließlich mit der Wagner-Gruppe geschlossen werden – nicht mit dem russischen Verteidigungsministerium.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Zuletzt hatte der Generalstab in Moskau durchgesetzt, dass die Privatarmeen, die aufseiten Russlands im Ukraine-Krieg kämpfen, sich per Vertrag dem Verteidigungsministerium unterstellen. Prigoschin hatte sich dagegen stark gewehrt und der Militärführung mit unter anderem Verteidigungsminister Sergej Schoigu vorgeworfen, ein falsches Bild von der Frontlage im Ukraine-Krieg zu geben – und damit auch Putin zu täuschen.

Im Ukraine-Krieg kämpfen? Prigoschin verspricht Begnadigung

The Moscow Times griff die BBC-Recherche ebenfalls auf und wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass Wladimir Putin im russischen Staats-TV den Wagner-Söldnern anbot, entweder Verträge mit der russischen Armee zu unterzeichnen oder nach Belarus auszureisen. Eine Abmachung unter Vermittlung des belarussischen Machthabers und Putin-Verbündeten Alexander Lukaschenko sieht nach offiziellen Angaben vor, dass auch Prigoschin ins Exil nach Belarus geht. 

Wagner-Chef Prigoschin indessen lockte stets auch Gefängnisinsassen mit dem Versprechen, nach halbjährigem Kriegsdienst die Begnadigungsurkunde zu erhalten, schreibt der Spiegel. Doch wo sollen diese Dienste nun eigentlich stattfinden?

Hatten schon einmal ein besseres Verhältnis: Jewgeni Prigoschin (l.) und Wladimir Putin (Archivbild aus dem Jahr 2010)

Wagner-Söldner kämpfen laut Geheimdienst nicht mehr im Ukraine-Krieg

Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, sagte in einem von der Ukrajinska Prawda eingeholten Statement jetzt, dass die russische Führung durch den Wagner-Marsch auf Moskau „kompromittiert“ wurde und die Söldner von Prigoschin nicht länger gegen den ukrainischen Staat kämpfen werden.

„Wieder einmal wurde der Mythos der Stabilität des russischen Regimes zerstört“, zitierte das Portal Budanow, der noch hinzufügte, dass die Wagner-Gruppe „die effektivste russische Einheit“ gewesen sei.

Wagner soll nach russischen Angaben aber weiter in Afrika aktiv sein, falls die Regierungen der jeweiligen Länder sich für eine Weiterführung der Verträge mit den Söldnern entscheiden. Das sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Freitag (30. Juni) vor Journalisten. Die Söldner-Gruppe galt über Jahre hinweg als bewaffneter verlängerter Arm Moskaus in Afrika. Ihre Einsätze im Ausland wurden durch den abgebrochenen Aufstand in Russland allerdings infrage gestellt. (frs)

Rubriklistenbild: © Alexei Druzhinin/dpa

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