Gaza-Konflikt

Proteste in Israel: Druck für Deal mit Hamas steigt

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Ein Propagandavideo mit einer jungen US-Geisel bringt Bewegung in die Gespräche über eine Waffenruhe in Gaza und erhöht den Druck auf Washington.

Gaza/Washington D.C. – Was zähe Verhandlungen nicht zuwege brachten, könnten nun die Bilder eines 21-jährigen Soldaten bewirken: Nachdem kurz vor dem Pessachfest ein Hamas-Video veröffentlicht worden war, in dem die Geisel Edan Alexander um Hilfe fleht, kommt Bewegung in Gespräche rund um einen neuen Deal für eine temporäre Waffenruhe in Gaza und die Befreiung von Geiseln aus der Gewalt der Hamas.

Teil psychologischer Kriegsführung: Hamas-Geisel bittet Trump in Propagandavideo um Hilfe

In dem Video macht Alexander der israelischen Regierung schwere Vorwürfe. „Präsident Trump, ich habe wirklich geglaubt, dass Sie mich lebend hier herausholen würden. Warum sind Sie auf Netanjahus Lügen hereingefallen?“, fragt er. Das von der Hamas produzierte Video ist Teil der psychologischen Kriegsführung; zu den Aussagen wurde Alexander mutmaßlich gezwungen.

In israelischen Medien gibt es die Übereinkunft, solche Propagandavideos möglichst nicht auszustrahlen. In diesem Fall hat die Familie die Publikation aber ausdrücklich gewünscht.

„Bringt ihn endlich heim“: Protest für ein Geiselabkommen in Jerusalem.

Prompt bemühte sich Netanjahus Büro um ein Treffen mit den Eltern Alexanders. Auch Israels Generalstabschef traf die Angehörigen. Am Montag drangen dann Berichte über einen neuen israelischen Vorschlag für eine Fortsetzung des Geisel-Deals hervor: Demnach bemüht sich Israel um eine Rahmenvereinbarung, die zur Freilassung von zehn Geiseln führen würde – darunter Edan Alexander.

Druck auf Washington steigt: Soldat aus Hamas-Video ist US-Staatsbürger

Dass sich nun alles auf den 21-jährigen Soldaten fokussiert, liegt daran, dass er US-Staatsbürger ist. Die Regierung unter US-Präsident Donald Trump hatte schon zuvor verschiedene Hebel in Gang gesetzt, zum die Freilassung Alexanders zu bewirken. Mit der Veröffentlichung des Videos steigt der Druck aus Washington.

Alexander war in Tel Aviv geboren worden, seine Familie wanderte jedoch in die USA aus. Erst im Jahr 2022 kam Alexander nach Israel zurück, um sich der Armee anzuschließen. Am 7. Oktober kämpfte er im Süden Israels, wurde von den Terroristen nach Gaza verschleppt. Die Nachrichten über den jüngsten israelischen Vorschlag, der im Gegenzug für eine 45-tägige Waffenruhe zehn Geiseln die Freiheit bringen würde, stoßen bei den Angehörigen der Geiseln allerdings auf Ablehnung: Jeder weitere Deal müsse die Freilassung aller Geiseln bringen, fordern sie.

Gaza-Krieg dauert weiter an: Israels Armee will immer mehr Landstriche unter eigene Kontrolle bringen

Der letzte Deal war von Israel gebrochen worden. Seither fährt Israels Armee in Gaza mit schweren Geschützen auf. Am Sonntag hatte das Militär ein Krankenhaus in Gaza-Stadt angegriffen und schwer beschädigt. Laut Armeeangaben habe man auf ein „Kommandozentrum“ der Hamas abgezielt. Israels Armee setzt darauf, immer mehr Landstriche in Gaza unter eigene Kontrolle zu bringen. Da können Israels Verbündete in der Welt noch so oft betonen, dass sie Gebietsabtrennungen in Gaza nicht zulassen werden – sie sind längst Realität.

Israels Premier Netanjahu hat in US-Präsident Trump einen wichtigen Verbündeten.

Israel hat laut Angaben von israelischen Militärs bereits vierzig Prozent der Fläche des Gazastreifens militärisch besetzt. Yaakov Garb, ein Experte für Landnutzung an der Ben Gurion Universität im Negev, spricht gegenüber der Nachrichtenagentur AP sogar von 50 Prozent. Israel begründet dies mit Sicherheitsbedenken: Bei den besetzten Gebieten handelt es sich um eine Pufferzone entlang der Grenze zu Israel, sowie um zwei Korridore innerhalb Gazastreifens, auf dem die Bewegungen der Palästinenser:innen kontrolliert würden.

Vorwürfe gegen Israel: Will Netanjahu eine dauerhafte Präsenz im Gazastreifen?

Die Pufferzonen gehen weit über das hinaus, was in den Verhandlungen vereinbart worden war. Zudem arbeitet Israels Armee daran, das Gebiet zwischen Rafah und Khan Younis weitgehend unter israelische Kontrolle zu bringen – noch eine „Sicherheitszone“. Israel stellt dies als Versuch einer maximalen militärischen Druckausübung auf die Hamas dar. Kritiker:innen sehen einen Vorwand: In Wahrheit gehe es dem rechts-religiösen Kabinett darum, eine dauerhafte israelische Präsenz im Gazastreifen zu sichern.

Bei der Mehrheit der Israelis, die eine Waffenruhe mit dem Ziel der Freilassung aller Geiseln befürworten, stößt das Vorgehen der Armee auf Ärger. Bei Protesten in Jerusalem vor dem Haus des israelischen Chefverhandlers im Tauziehen um einen Deal, Ron Dermer, wurden am Samstag mehrere Personen festgenommen. Unter Dermer der die Verhandlungen seit Februar führt, gehe nichts weiter, klagen Insider.

Viele Prominente schließen sich indes dem Protest gegen den Krieg in Gaza an. Mehr als 250 ehemalige Mossad-Mitglieder setzten ihre Unterschrift unter einen offenen Brief, der die Regierung aufruft, die Kämpfe einzustellen. „Wir sind überzeugt, dass eine Fortsetzung der Kämpfe das Leben der Geiseln und unserer Soldaten gefährdet“, heißt es in dem Brief. „Alles muss versucht werden, um ein Übereinkommen zu erreichen, das dem Leiden ein Ende setzt.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/S. Qaq

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