VonKathrin Reikowskischließen
Blufft Putin in Bezug auf die Situation der Ukraine in Kursk? Die Annahmen von US-Beobachtern zur Strategie.
Kiew/ Kursk - Sind ukrainische Truppen in der Region Kursk eingekesselt? Diese Frage spielt eine zunehmende Rolle in den Verhandlungen um eine mögliche Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine, die vergangene Woche von den USA angestoßen wurden. Auch am Samstag lässt der Kreml die Ukraine und die USA auf eine Antwort warten. Unterdessen legt Kiew Beweise vor, dass die Armee nicht eingekesselt ist - sich aber zurückzieht.
Unbestritten scheint zu sein: Die Lage der ukrainischen Armee in der russischen Region Kursk ist nicht gut. Moskau verkündete bereits die Rückeroberung der Stadt Sudscha., der Generalstab in Kiew berichtet von Gefechten in der Region. Eine Karte zeigt aber noch etwas anderes: Die mit dem heutigen Lagebericht veröffentlichte Grafik zeigt im Vergleich mit der am Vortag veröffentlichten Karte, dass sich ukrainische Truppen in Richtung ukrainischer Grenze zurückziehen. Damit wären sie nicht eingekesselt - was Putins Behauptungen aus den letzten Tagen widerspricht.
Wladimir Putin lässt USA und Ukraine warten - und besuchte demonstrativ Kursk
Der russische Präsident Wladimir Putin lässt auch am Samstag die Ukraine und die USA auf eine Reaktion zum Vorschlag einer Waffenruhe warten. Während die USA drängen, spielt Putin Beobachtern zufolge auf Zeit. Auf dem Kriegsfeld hatten beide Parteien zuletzt versucht, Stärke zu demonstrieren. Die von Russland überfallene Ukraine startete Mitte der Woche den größten Drohnen-Angriff auf die russische Hauptstadt Moskau. Und Wladimir Putin besuchte die russische Region Kursk, die zu Teilen von der Ukraine besetzt gehalten wird. Sein Besuch soll anlässlich einer erfolgreichen Gegenoffensive der russischen Truppen erfolgt sein. Doch genau daran gibt es jetzt Zweifel - sowohl in den USA als auch in Russland selbst.
Die russischen Truppen sollten Kursk vollständig befreien, sagte Putin Berichten der staatlichen russischen Nachrichtenagenturen RIA und Interfax vom Mittwoch zufolge. „Tatsächlich müssen wir den Feind, der sich in der Oblast Kursk verschanzt hat und hier immer noch Verteidigungsaktionen vornimmt, in kürzester Zeit endgültig besiegen“, sagte der Präsident vor der versammelten Militärspitze. Generalstabschef Waleri Gerassimow erklärte, die ukrainischen Einheiten in Kursk seien eingekesselt. „Die systematische Zerstörung ist im Gange.“ Daraufhin hatte US-Präsident Donald Trump den Kremlchef gebeten, das Leben angeblich eingekesselter ukrainischer Soldaten zu schonen.
ISW sieht keine Beweise für eine Einkesselung der Armee aus der Ukraine
Laut dem Institut für Kriegsstudien (ISW, Understanding War) gibt es „keine geolokalisierten Beweise dafür (...), dass russische Streitkräfte eine bedeutende Anzahl ukrainischer Streitkräfte in der Oblast Kursk oder anderswo entlang der Frontlinie in der Ukraine eingekesselt haben.“ Demnach könnte Putins Besuch in Militäruniform in Kursk nur Teil eines Bluffs gegen die Ukraine gewesen sein. In der Ukraine hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj zumindest indirekt eine schwierige Lage eingestanden. Allerdings hatte das ukrainische Militär immer bestritten, dass die Truppen eingekesselt wurden, wie unter anderem das US-Magazin Politico schrieb.
Dem ISW zufolge hatte Putin schon im Oktober 2024 von einer Einkesselung gesprochen, wofür es auch damals keine Beweise gab. Nun werde die These von der schwierigen Lage der ukrainischen Armee ausgerechnet durch einige russische Militärblogger widerlegt. Es gebe unter ihnen zwar solche, die die These von der Einkesselung stützten. Andererseits hätten andere noch am 13. und 14. März Karten veröffentlicht, die Fluchtwege in die ukrainische Region Sumy zeigten.
Blufft Wladimir Putin? Das könnte hinter der Strategie stecken
Sollte Wladimir Putin hier wirklich bluffen, könnte dahinter eine größere Strategie stecken - ein Ablenkungsmanöver. Kyiv Independent sah in Trumps Bitten um Milde an den Kreml-Chef ein Manöver, dass sich ungünstig auf die Ukraine auswirken könnte. Trump war in seiner Bitte den Aussagen der Russen gefolgt und hatte damit dem Kreml in die Hände gespielt: Sollten die einer Waffenruhe zustimmen, könnte Putin es so aussehen lassen, als habe er trotz der Notlage der Ukraine zugestimmt.
Die These des ISW: „Putin versucht, sich als vernünftiger und barmherziger Führer darzustellen, mit dem Präsident Trump verhandeln kann, und ein neues Narrativ zu schaffen, um von Putins Entscheidung abzulenken, den amerikanisch-ukrainischen Waffenstillstandsvorschlag vom 13. März abzulehnen.“ (Reuters/kat)
