Warnung an den Westen

Putin droht: „Wir haben in der Ukraine noch gar nicht ernsthaft angefangen“

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Russlands Präsident Wladimir Putin droht, dass der Angriffskrieg in der Ukraine noch nicht einmal richtig angefangen habe.
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Wann endet der Ukraine-Krieg? Diese Frage beschäftigt derzeit die ganze Welt. Putin gab dazu nun ein ernüchterndes Statement ab – der Krieg stehe erst am Anfang.

Moskau – Der Ukraine-Krieg beschäftigt die Welt seit über vier Monaten. Am 24. Februar 2022 marschierten russische Streitkräfte in der Ukraine ein. Seitdem erschüttern Bilder von getöteten Zivilisten, zerstörten Städten und flüchtenden Familien die ganze Welt. Wann wird all das ein Ende haben? Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zufolge ist der Ukraine-Krieg noch lange nicht vorbei: „Jeder sollte wissen, dass wir noch gar nicht ernsthaft angefangen haben“, sagte er im Kreml in Moskau bei einem Treffen mit den Fraktionschefs der Parteien und sprach dabei auch eine Warnung an den Westen aus.

Ukraine-Krieg: Präsident Putin droht mit langem Krieg und warnt den Westen vor militärischer Konfrontation

Die Rede von Putin ist live im Staatsfernsehen übertragen worden und stellte wieder einmal die kämpferischen Absichten des Präsidenten unter Beweis. „Heute hören wir, dass sie uns auf dem Schlachtfeld schlagen wollen. Was soll man dazu sagen? Sollen sie es nur versuchen“, sagte der Kreml-Chef in Moskau und sparte in dem Zuge auch nicht an Vorwürfen an den Westen.

„Wir haben schon oft gehört, dass der Westen uns ‚bis zum letzten Ukrainer‘ bekämpfen will“, äußerte der Präsident und fuhr fort: „Es ist eine Tragödie für das ukrainische Volk, aber es scheint, dass es in diese Richtung geht.“ Dabei ging Putin so weit, den westlichen Ländern als „unmittelbare Anstifter und Verursacher der heutigen Ereignisse“ die Schuld für den Krieg zuzuschieben – die den Konflikt in der Ukraine seiner Meinung nach auch nur dafür nutzen, Russland zu isolieren und zu schwächen.

Putin-News: Sanktionen gegen Russland haben wohl ihr Ziel verfehlt, „Streit zu säen“

Doch ihm zufolge hätten die westlichen Sanktionen gegen Russland ihr Ziel verfehlt, „Spaltung und Streit in unserer Gesellschaft zu säen und unser Volk zu demoralisieren“, so Putin bei dem Treffen mit den Fraktionschefs in Moskau. Tatsächlich scheint die Regierung russischen Medien zufolge im eigenen Land verhältnismäßig gut dazustehen. Demnach „kontrolliert Putin die Emotionen der Russen“ – und hält sie auf diese Weise in Schach.

Doch ob die Sanktionen wirklich so wenig Wirkung zeigen, ist fraglich. Laut Bundeskanzler Olaf Scholz „tun Putin die Sanktionen weh“ und die Brüsseler Behörde verwies bereits darauf, dass die russische Wirtschaft noch in diesem Jahr vermutlich um zehn Prozent einbrechen wird und Putin bald pleite sein könnte.

Wann endet der Ukraine-Krieg? Putin hat Verluste zu beklagen, aber „Munition auf Jahre hinaus“

Aber wie realistisch ist die Aussage von Putin, den Ukraine-Krieg noch lange fortführen zu wollen? Und wie lange kann die Ukraine der Invasion standhalten? Dem britischen Militärexperten Jack Watling zufolge hätten Putins Truppen zwar immer noch erhebliche Verluste zu beklagen, „aber im Moment sehen wir eine Abnutzungsrate, die sie verkraften können, weil sie ihre Verluste ersetzen können“, erklärte Watling dem Spiegel.

Zwar herrsche seit dem gescheiterten Vorstoß auf Kiew ein chronischer Personalmangel, der durch Söldner, Freiwillige und Reservebataillone ausgeglichen werden soll, aber „die Stärke ihrer Einheiten hat nun nicht mehr massiv abgenommen“, so Watling. Im Gespräch mit dem Spiegel stellt der Militärexperte zudem fest: „Russlands Truppen haben ungelenkte Artilleriemunition auf Jahre hinaus.“

Ukraine-Präsident Selenskyj bittet den Westen um weitere Waffenlieferungen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief den Westen unterdessen mit Nachdruck zu weiteren Waffenlieferungen auf. „Je größer die Verteidigungshilfe für die Ukraine jetzt ist, desto eher wird der Krieg mit unserem Sieg enden und desto geringer werden die Verluste aller Länder der Welt sein“, sagte er laut dem Handelsblatt in einer Videobotschaft.

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Dem Konsens stimmt Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), zu. Auf die Frage von ntv.de, wie lange die Ukraine dem Krieg noch standhalten kann, antwortete er: „So lange, wie der Westen die Ukraine militärisch unterstützt, und die Ukraine sich politisch entscheidet, weiterzukämpfen.“ Stefan Meister, der das Programm „Internationale Ordnung und Demokratie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“ leitet, vertrat in dem Gespräch mit ntv.de Anfang Juni die Meinung, dass die Ukraine den Krieg noch lange durchhalten müsse, „da er auf absehbare Zeit nicht enden wird“.

Eklat von Außenminister Lawrow beim G20-Gipfel auf Bali: verließ das Treffen aus Protest

Bundeskanzler Olaf Scholz bekräftigte aber, dass Deutschland die Ukraine in dem Krieg gegen Russland so lange wie nötig unterstützen will. „Wir werden so lange solidarisch sein – das ist jedenfalls mein Wunsch – wie das notwendig ist, damit die Ukraine sich verteidigen kann gegen den furchtbaren und brutalen russischen Angriff“, sagte er dem ZDF.

Der Ukraine-Krieg ist auch auf dem derzeit auf Bali stattfindenden G20-Gipfel eines der dominierenden Themen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sorgte dabei bereits für einen Eklat: Wie Diplomaten mitteilten, verließ Lawrow das Treffen aus Protest, als Bundesaußenministerin Annalena Baerbock Russland für seinen Angriffskrieg in der Ukraine kritisierte.

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