Lukaschenko sticht Details aus Putin-Gespräch zum Trump-Friedensplan durch
VonMax Nebel
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Donald Trumps Ukraine-Plan sorgt für neue Bewegung – und Misstrauen. Nun plaudert Lukaschenko aus dem Putin-Gespräch und erhöht den Druck auf Kiew.
Bischkek/Moskau/Washington, D.C. – Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat in Bischkek am Rande des Gipfels der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit über ein vertrauliches Gespräch mit Wladimir Putin zum US-Friedensplan für die Ukraine gesprochen. Bei seinem Auftritt am Donnerstagvormittag (27. November) vor Journalistinnen und Journalisten schilderte er ungewöhnlich offen, wie Russland und Belarus die jüngste amerikanische Initiative im Ukraine-Krieg bewerten – und warum der Plan aus ihrer Sicht zwar vorankomme, aber in zentralen Punkten deutlich präzisiert werden müsse.
Wladimir Putin (r.) und Alexander Lukaschenko treffen sich am Rande des Gipfels in Bischkek. Dabei sprachen beide Staatschefs auch über den umstrittenen US-Friedensplan für die Ukraine.
Unabhängig davon trat Wladimir Putin erst später am Tag – nach der eigentlichen Gipfelsitzung – vor die Medien. In diesem gesonderten Briefing äußerte er sich zu den in Genf besprochenen Textpaketen der USA und der Ukraine. Er betonte gemäß Reuters, dass die dortigen Dokumente „die Grundlage für zukünftige Vereinbarungen“ bilden könnten, machte jedoch zugleich deutlich, dass zentrale russische Bedingungen nicht verhandelbar seien.
Lukaschenko steckt Details aus Putin-Gespräch zum Trump-Plan für Ende des Ukraine-Kriegs durch
Im Rahmen seiner Äußerungen vor der Presse in der kirgisischen Hauptstadt rückte Lukaschenko einige Details in den Mittelpunkt. In Gesprächen mit Journalisten erklärte er laut der belarussischen Nachrichtenagentur BelTA, der US-Plan liege zunächst nur als „vorläufige und inoffizielle Version“ vor, sei aber aus seiner Sicht „umsetzbar“. Wladimir Putin erkenne an, „dass dies eine gute Grundlage für Verhandlungen ist“.
Gleichzeitig kritisierte er die aus seiner Sicht zu hastige Erstellung des Dokuments. Alles müsse präzise formuliert werden, „bis auf den Meter, bis auf den Kilometer“. Auch die genaue Position von Truppen müsse festgelegt sein, ebenso die Frage, wer an welchen Abschnitten präsent sein dürfe. „Eine weit gefasste Auslegung“ lade nur zu späteren Streitigkeiten ein.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Ukraine-Krieg: Streit um Trump-Plan: Von 28 auf 19 Punkte
Deutlich lobte Lukaschenko die Rolle Washingtons in den vergangenen Wochen. Die Amerikaner hätten „eine enorme Arbeit geleistet“, sagte er und wies Vorwürfe zurück, der Plan berücksichtige vor allem russische Interessen. Trump habe mit Putin, Selenskyj und europäischen Regierungschefs „gründliche Arbeit geleistet“ und dafür „Anerkennung“ verdient.
Tatsächlich ist bekannt, dass der ursprüngliche Trump-Entwurf mit 28 Punkten in Europa und Kiew auf scharfe Ablehnung stieß, weil er territoriale Zugeständnisse und Einschränkungen für die ukrainische Armee vorsah. In Genf ist daraus nun eine 19-Punkte-Fassung geworden: NATO-Verzicht und Gebietsabtretungen wurden ausgeklammert und sind für mögliche bilaterale Gespräche zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj reserviert.
Ball bei Kiew? Lukaschenko erhöht den Druck auf Selenskyj
Lukaschenko wirft der Ukraine mangelnde Kompromissbereitschaft vor und verweist auf angeblich versäumte Chancen zu Kriegsbeginn. Hätte Kiew die Minsker Vereinbarungen umgesetzt, „gäbe es keinen Krieg“, sagte er gegenüber BelTA. Wenn Selenskyj wolle, „dass die Ukraine innerhalb der heutigen Grenzen bleibt“, müsse er sich auf Verhandlungen einlassen und dürfe „den Prozess nicht vereiteln“.
In einem weiteren Schritt verschärfte er die Warnung: Falls bestimmte Punkte derzeit unlösbar seien, müssten sie „auf später verschoben“ werden – entscheidend sei, dass der Krieg ende, „in dem fremde Kinder sterben“. Andernfalls riskiere Selenskyj, „sein Land zu verlieren“. Ferner kündigte Lukaschenko drohend an, die Ukraine werde den US-Plan am Ende akzeptieren, „sonst wird sie das ganze Land verlieren“.
Neue Friedensarchitektur zwischen Washington, Moskau und Europa
Putin wiederum sendete von Bischkek aus ein deutliches Signal an Washington: Die in Genf entstandenen Texte könnten, zitiert ihn Reuters, „die Grundlage für zukünftige Vereinbarungen“ sein, da die USA „unsere Position berücksichtigen“. Gleichzeitig machte er klar, dass Russland im Zweifel weiter vorrücke. Ukrainische Truppen müssten bestimmte Gebiete räumen, sonst werde man dies „mit Waffengewalt“ erreichen.
Parallel lockt Putin Europa mit einem formalen Nichtangriffsversprechen – und bezeichnet zugleich die Befürchtung, Russland plane einen Angriff auf EU-Staaten, als „vollkommenen Unsinn“. Viele EU-Regierungen wiederum warnen, ein schlecht austariertes Abkommen dürfe keinesfalls den Eindruck erwecken, Aggression werde belohnt werden, schreibt die Novaya Gazeta Europe.
Trumps „Friedensplan“ für die Ukraine: Positionen wichtiger Akteure
Akteur
Aktuelle Position
Ukraine
Neue 19-Punkte-Fassung „entwickelbar“, aber territoriale Fragen offen
Russland
Offen für Diskussion – aber keine „Kernzugeständnisse“
USA
Drängen auf schnellen Durchbruch, Witkoff als zentraler Verhandler
EU/Baltikum
Forderung nach „klaren Bedingungen für den Aggressor“
Belarus
Lukaschenko: Plan sei solide Grundlage, Ukraine müsse verhandeln
Lukaschenkos Warnung vor „Katastrophe“ – und wachsende Skepsis in Europa
Lukaschenko, dessen Land eng an Russland gebunden ist, kritisiert die EU scharf für ihre aus seiner Sicht „negative Rolle“. Der Krieg sei ohne einen klaren Gewinner auf dem Weg, in eine „Katastrophe“ zu führen. In den US-Plänen seien alle großen Streitpunkte berücksichtigt – vom Atomkraftwerk Saporischschja über die russischen Gold- und Devisenreserven bis hin zu US-Interessen. „Trump hat dort seine Spuren als Unternehmer hintelassen“, sagte er gemäß BelTA.
Parallel wächst in Europa die Sorge, Kiew könne unter Druck geraten, überstürzt weitreichende Zugeständnisse zu machen. Diplomaten warnen, dass eine schwache Friedenslösung autoritäre Akteure weltweit ermutigen könnte. Die baltischen Staaten fordern daher weiterhin „klare Bedingungen für den Aggressor“, wie es Estlands Außenminister Margus Tsahkna laut der Newsweek ausdrückt, und pochen darauf, dass Russland keine sicherheitspolitischen Zugeständnisse erhält, die die Souveränität der Ukraine langfristig beschneiden würden.
Was ein möglicher Deal im Ukraine-Krieg bedeuten könnte – und warum das Risiko groß bleibt
Sollte der neue US-Plan tatsächlich als Basis dienen, wäre dies das erste diplomatische Gerüst seit Jahren, das von Moskau zumindest nicht sofort abgelehnt wird. Doch die Machtverhältnisse auf dem Schlachtfeld könnten Kiew in eine schwierige Lage bringen: Russische Truppen sind 2025 stärker vorgerückt als in den Jahren zuvor, was die Verhandlungsmacht Moskaus erhöht.
Zugleich wurde zuletzt bekannt, dass Trump seinen Sondergesandten Steve Witkoff nach Moskau entsenden will, um direkt mit Putin weiterzuverhandeln. Witkoff war zuvor wegen eines geleakten Telefonats mit einem Kreml-Berater in die Kritik geraten, was Trump jedoch als „standardmäßige Verhandlung“ abtat.
Damit zeichnet sich ein kompliziertes, vielschichtiges Ringen um eine neue europäische Sicherheitsordnung ab. Lukaschenko nutzt die Lage, um seine eigene Rolle im Schatten Putins zu stärken – doch ob der von ihm gepriesene US-Plan am Ende tatsächlich Frieden bringt, hängt weniger von Minsk und mehr von Washington, Moskau und einem unter hohem Druck stehenden Kiew ab. (Quellen: BelTA, Reuters, Newsweek, Novaya Gazeta Europe) (chnnn)