Auch wegen US-Präsident Trump

Fordert Putin die NATO heraus? Experte warnt: „Die nächsten drei Jahre sind die gefährlichsten“

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Deutschland und die NATO müssen sich laut einem Militärhistoriker auf einen möglichen Angriff von Russland einstellen. Moskau verfolge einen größeren Plan.

Berlin – Die Prophezeiung war düster und dramatisch. Im Frühjahr äußerte Sönke Neitzel, der Sommer 2025 könnte der letzte im Frieden sein. Auf diese schlagzeilenträchtige Aussage wurde der Professor für Militärgeschichte an der Universität Potsdam nun auch bei einem Auftritt in der ARD-Sendung „Maischberger“ angesprochen. Seine heutige Einschätzung lautet: „Ich bin heute ein bisschen optimistischer, das heißt nicht Entwarnung, es kann viel passieren.“

Nimmt die Gefahr aus Russland wahr: Der Militärhistoriker Sönke Neitzel (l.) warnt vor einer möglichen Militär-Attacke von Kreml-Chef Wladimir Putin auf den Westen.

Zum Zeitpunkt seiner Warnung habe er den Zerfall der NATO befürchtet. Zum Glück habe sich US-Präsident Donald Trump jedoch nicht als so destruktiv erwiesen, wie es zu Beginn von dessen zweiter Amtszeit den Anschein gemacht habe. Allerdings schloss sich Neitzel zugleich einer Feststellung an, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zuletzt mehrmals wiederholte. In seinen Worten: „Wir sind nicht mehr im Frieden, wir sind aber auch nicht in einem erklärten Krieg. Wir sind irgendwas dazwischen.“

Muss NATO gegen Russland kämpfen? „Nächste drei Jahre sind die gefährlichsten“

Deutschland und die NATO müssten sich nun auf alles vorbereiten. Das sei seit dem 24. Februar 2022 die neue Realität. An jenem Tag begann Kreml-Chef Wladimir Putin die Invasion und damit seinen Ukraine-Krieg. Dreieinhalb Jahre später sind auf beiden Seiten unzählige Tote zu beklagen, Städte dem Erdboden gleichgemacht, während die russische Offensive längst ausgebremst zu sein scheint. Eine Einnahme von Kiew, das schon nach wenigen Tagen von Moskaus Truppen belagert worden war, dürfte für den Aggressor mittlerweile illusorisch sein.

Neitzel schätzt die Lage für den Westen so ein: „Ich würde nach wie vor sagen, die nächsten drei Jahre sind die gefährlichsten. Es kann nach wie vor zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Truppen zwischen Russland und der NATO kommen und es kann gut sein, dass unsere Truppen in Litauen kämpfen müssen.“ In dem baltischen Staat ist derzeit die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr stationiert, um die Ostflanke des transatlantischen Verteidigungsbündnisses zu stärken.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

„Diese Gefahr ist da, die ist nach wie vor da“, ergänzte der 57-Jährige. Den genannten Zeitrahmen führt er unter anderem auf die bis 2029 gewählte Trump-Administration sowie „die Kosten für die russische Aufrüstung“ zurück. Hinzu komme, dass Putin kaum abwarten werde, bis die Bundeswehr wieder über genug Truppen verfüge.

Russland und die Drohnen: Militärhistoriker hält Bedrohung dadurch für „greifbarer“

Es sei in der NATO die verbreitete Meinung, dass Moskaus Machthaber auch abseits des Ukraine-Kriegs entschlossen sei. Dies sehe auch Neitzel selbst so, denn: „Putin hat in gewisser Weise den Rubikon überschritten und wir sollten nichts ausschließen, sondern wir sollten unsere Hausaufgaben machen.“ Damit zog der Experte einen historischen Vergleich: Als Caesar und seine Truppen im Jahr 49 vor Christus den norditalienischen Fluss überquerten, wurde dies als Kriegserklärung gegenüber dem Römischen Senat aufgefasst.

Neitzel erwähnte auch, infolge der Überflüge von Drohnen und Jets – etwa über Deutschland, Dänemark, Norwegen, Polen oder Estland – sei der aktuelle Zwischenzustand zwischen Frieden und Krieg leichter wahrzunehmen: „Die Bedrohung wird greifbarer.“ Er ließ sich sogar zu der Behauptung verleiten, der Westen müsse „fast dankbar sein für diese Drohnen“. Immerhin würden diese die Dringlichkeit verdeutlichen und wohl eine Reaktion hervorrufen: „Weil Politik handelt leider immer erst, wenn was passiert.“

Hoher Besuch am Waffen-Tisch: Kreml-Chef Wladimir Putin (r.) schaute im September beim Sapad-Manöver seiner Armee vorbei.

Seinen Informationen zufolge ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Russland für diese Vorfälle verantwortlich ist. Auch Merz müsste von BND und Bundespolizei entsprechend gebrieft worden sein, wenn er entsprechende Vorwürfe äußere. Zugleich verwies Neitzel darauf, dass auch immer die Möglichkeit von Trittbrettfahrern in Betracht gezogen werden müsse.

Fordert Putin den Westen heraus? „Genau die Unsicherheit, die man erzeugen will“

Als die Frage nach dem Motiv hinter den Drohnen zur Sprache kam, antwortete Neitzel: „Was die NATO als Szenario durchspielt, ist immer die Schwächung des Westens in einem hybriden Krieg. Die Schaffung von Unsicherheit.“ Jede beobachtete Drohne werde mittlerweile mit Russland in Verbindung gebracht: „Das ist genau die Unsicherheit, die man erzeugen will.“

Auch würden politische und rechtliche Diskussionen die Folge sein. Das Ziel hinter den Drohnen-Attacken sei schlussendlich, „die NATO in dieser Form, wie sie jetzt existiert, die EU in dieser Form zu zerstören und damit wieder die Kontrolle über die osteuropäischen Länder zu bekommen“. Letzteres womöglich auch nur indirekt. Die NATO habe den Eindruck, dass Russland einen „uneinigen Westen“ herausfordern wolle, „indem man Soldaten schickt“.

Deutschland und die Drohnen-Abwehr: „Sicherheitsstruktur kommt aus den 50ern“

Die Bundesregierung bemüht sich als Reaktion auf die Vorfälle um ein Drohnen-Abwehrzentrum. Dieses kündigte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits an. Dann muss auch die Verteilung der Kompetenzen zwischen Bundeswehr und Bundespolizei geklärt werden.

Drohnen als Thema im neuen geplanten Bundespolizeigesetz (Stand: 8. Oktober)

Einsatz und Abwehr von Drohnen werden erstmals gesetzlich geregelt

Bundespolizei darf eigene Drohnen zur Überwachung und Aufklärung einsetzen (bspw. bei Großveranstaltungen oder zur Kontrolle schwer zugänglicher Bahnstrecken)

Bundespolizei erhält Befugnisse zur Abwehr gefährdender Drohnen (bspw. technische Maßnahmen wie elektromagnetische Impulse, GPS-Störungen oder physische Eingriffe)

Quelle: Bundesinnenministerium

Neitzel sieht aber noch viele Probleme auf Deutschland zukommen. Denn es komme erschwerend hinzu, „dass wir den Föderalismus haben und dass wir eine Sicherheitsstruktur haben, die aus den 50er Jahren kommt, mit einer Trennung von innen und außen. Das können sie natürlich heute nicht mehr machen.“

Die Aufrüstung der Bundeswehr werde viel Zeit benötigen. „Ich sage mal, die Bundeswehr braucht 20 Jahre und wir können uns gerne für das Jahr 2045 hier verabreden. Dann wird es wahrscheinlich so sein, dass wir kriegstüchtig sind. Aber ich bin sehr skeptisch, dass es wirklich schnell geht“, gab er eine Prognose ab.

Mahnen Deutschland zu mehr Eile: Militärhistoriker Sönke Neitzel (l.) und Sicherheitsexperte Carlo Masala blicken kritisch auf die Bundeswehr-Reformen.

Kritik an Bundeswehr-Reform: „Können uns nicht ewig Zeit lassen“

Auch Carlo Masala klingt aufgrund der bisherigen Erfahrungen alles andere als zufrieden. Zum Thema Drohnen-Abwehr sagte der Professor für Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Universität der Bundeswehr München im Stern: „In der Vergangenheit wurde das Thema sträflich vernachlässigt.“ Zwar seien die nun geplanten Lieferungen ein erster Schritt: „Aber das ist an Stückzahlen noch viel zu wenig. Und es passiert viel zu langsam.“

Kritisch sieht Masala auch, dass die Beschaffung bei der Bundeswehr nach wie vor wie in Friedenszeiten ablaufe. „Das dauert alles viel zu lange, wie übrigens in allen Bereichen bei der Bundeswehr. Wir sind nicht mehr im Frieden, sondern in Krisenzeiten, da können wir uns nicht ewig Zeit lassen“, wird er deutlich. (Quellen: ARD, Stern) (mg)

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