Nach 14.000 Kilometer-Flug

Putin prahlt mit Superwaffe: Die technische Unfähigkeit besiegt?

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Die „Sturmschwalbe“ soll den Westen auf Distanz halten – dank ihres Atom-Antriebs. Doch ist Russland zu derartigen technologischen Leistungen imstande?

Moskau – „Schließlich handelt es sich um ein einzigartiges Produkt, das es auf der Welt nicht gibt“, sagt Wladimir Putin. Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS prahlt Russlands Diktator mit der „Burewestnik“ (Sturmschwalbe beziehungsweise Sturmvogel), ein Marschflugkörper mit Nuklearantrieb und extra langer Reichweite. Während sich seine Invasionstruppen im Ukraine-Krieg festbeißen, haben seine Ingenieure die, nach ihrem Dafürhalten, ultimative Waffe gegen die NATO entwickelt. Jetzt ist sie erstmals getestet worden.

Zur Präsentation im Tarnanzug: Russland hat den erfolgreichen Test seines Langstrecken-Marschflugkörpers Burewestnik bekanntgegeben. Westliche Analysten bezweifeln den Kampfwert der Waffe, weil dessen nuklearer Antrieb derart revolutionär ist, dass Russland diese Technologie kaum zugetraut wird (Screenshot von Putins Besuch eines Kommandopostens).

Eine Erklärung dazu haben sowohl der Diktator selbst als auch sein Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte abgegeben, berichtet Reuters; Wladimir Putin habe sich dafür eigens in Tarnkleidung gezeigt. „Die Rakete habe eine Strecke von 14.000 Kilometern zurückgelegt und sei etwa 15 Stunden in der Luft gewesen, sagte General Waleri Gerassimow“, wie die Nachrichtenagentur meldet.

Putin habe darauf entgegnet, „dass die entscheidenden Burewestnik-Tests nun abgeschlossen seien und dass nun mit der letzten Phase vor der Stationierung der Raketen begonnen werden sollte“. Aufgrund der langen Reichweite der Waffe und der vermeintlich schwer auszurechnenden Flugbahn halte sie Russlands Potentat gegenüber aktuellen wie künftigen Luftabwehrsystemen für „unbesiegbar“ zitiert ihn Reuters bezüglich der 9M730 Burevestnik, die im NATO-Code als SSC-X-9 Skyfall betitelt wird.

Putin beschwört die Defensive: „Jegliche Aggression gegen Russland und seine Verbündeten zu verhindern“

Die Entwicklung der Rakete habe begonnen, nachdem die USA im Dezember 2001 aus dem ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile Treaty, Vertrag über die Begrenzung von antiballistischen Raketenabwehrsystemen) von 1972 ausgestiegen waren, erläutert die TASS. „Die Schaffung neuer strategischer Waffensysteme ziele darauf ab, die Verteidigungsfähigkeit zu stärken und jegliche Aggression gegen Russland und seine Verbündeten zu verhindern“, zitiert die Nachrichtenagentur das russische Verteidigungsministerium. Burewestnik soll einen nuklearen Antrieb haben und somit über eine globale Reichweite verfügen. Sie könne sozusagen zeitlich unbeschränkt herumlungern und relativ kurzfristig auf ein Ziel gesteuert werden oder ohne Verluste an Energie scheinbar willkürlich herum dirigiert werden – was die Vorausberechenbarkeit für die Luftverteidigung erschwere bis unmöglich machte.

„„Die amerikanischen Bemühungen, deren Einsatz zu verhindern, sollten sich vor allem darauf konzentrieren, die Entschlossenheit zu signalisieren, auf russische Aggression zu reagieren. Die Vorbereitungen zur Abwehr einer russischen Eskalation, falls diese Abschreckung scheitert, sollten sich weiterhin auf die Errichtung und Aufrechterhaltung lokaler konventioneller Überlegenheit konzentrieren.“

Spenser A. Warren, US Army War College

Allerdings ist sie lange in der Luft und dadurch doch früher oder später aufzufinden. Die Stärke der Waffe ist also gleichsam ihre eklatante Schwäche. Sie fliegt lange, dafür aber tief und relativ langsam. Dazu muss sie ein exzellent getarnter Flugkörper sein; interkontinentale Ziele könnte sie nur dann bedrohen, wenn sie gegnerische Frühwarnsystemen austrickst. „Sie ist ausschließlich als Erstschlagwaffe gedacht, da ihr Einsatz nach einem Austausch von Interkontinentalraketen wenig Sinn ergibt. Sollte sie sich als wirksam erweisen, wäre sie daher zutiefst destabilisierend“, schreibt Chris Spedding für den Thinktank „British American Security Information Council“ (BASIC). Offenbar haben Defensiv-Pläne von US-Präsident Donald Trump die russischen Ingenieure zu mehr Eile getrieben, vermutet Reuters.

Jeffrey Lewis vom US-amerikanischen Thinktank „Middlebury Institute of International Studies“, Decker Eveleth vom US-Thinktank „Center for Naval Analyses“ (CNA) und weitere Rüstungskontrollexperten sagten, die Entwicklung der Rakete habe für Moskau an Bedeutung gewonnen, seit Trump im Januar die Entwicklung eines US-Raketenabwehrschilds namens „Golden Dome“ angekündigt habe, so die Nachrichtenagentur. Die Innovation dieser Waffe bestünde laut der Welt darin, dass sie nicht nur selbststeuernd konstruiert sein soll, sondern aufgrund ihres integrierten Atomreaktors „wochenlang über der Erde kreisen, mehrmals die Erde umrunden und dabei, eine Spur radioaktiver Zerfallsprodukte hinter sich herziehend, in unterschiedlichen Höhen manövrieren kann, um Flugabwehrsysteme zu umgehen“, wie Welt-Autor Waclaw Radziwinowicz den russischen Diktator zitiert.

Ukraine-Krieg als Exempel: Zukunftstechnologien als entscheidendes Kriterium für Abschreckungspotenzial

So viel zur grauen Theorie, aber wie sieht die Praxis aus? Kann die Waffe, die von russischer Seite in sie gesetzten Erwartungen erfüllen? „Der Hauptzweck dieses Programms scheint erstens darin zu bestehen, Russlands Gegnern zu signalisieren, dass strategische Überraschungseffekte und die Ausschaltung von Frühwarnsystemen ein zentraler Aspekt seiner zukünftigen Strategie sind“, schreibt Analyst Spedding. Er sieht in der „Sturmschwalbe“ Russlands Versuch, weiterhin als technologische Supermacht gefürchtet zu werden. Offenbar gilt die Hoheit über die Zukunftstechnologien als entscheidendes Kriterium für militärisches Abschreckungspotenzial. Spätestens mit dem Auftauchen von Drohnen im Ukraine-Krieg ist deutlich geworden, dass die klassischen Kriegswaffen wie Panzer, Artillerie, Sturmgewehre oder Massen an Infanterie einen Krieg führbar machen; allerdings zu wenig sind, um einen Krieg zu gewinnen.

In ihrem „Science & Technology Trends 2020-2040“ betitelten Ausblick benennt die NATO acht Technologien, die bis 2040 die großen Veränderungen in der militärischen Nutzung befeuern werden: Big Data and Advanced Analytics, Künstliche Intelligenz (KI), Autonomie, Weltraumfähigkeiten, Hyperschallwaffen, Quantentechnologie, Biotechnologie und menschliche Verbesserung sowie neuartige Materialien und Fertigungsverfahren (NMM, also Novel Materials and Manufacturing). „Diese werden eine entscheidende Rolle in der zukünftigen Kriegsführung und beim Aufbau von Streitkräften spielen, die in mehreren Bereichen entscheidend operieren können“, hat Dominik P. Jankowski bereits 2021 formuliert. Der ein Jahr später entbrannte Ukraine-Krieg hat sowohl der NATO also auch dem Autoren des US-Thinktanks „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) recht gegeben.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Putins Technologie-Hype: eine existenzielle Notwendigkeit aus externen und internen Gründen

Jankowski behauptet, Russland verspreche sich von der eigenen Innovationsfähigkeit auf militärischem Gebiet den Hebel, um seine expansiven Ziele im strategischen Wettbewerb der Großmächte durchzusetzen. Die Burewestnik kann als aktuelles Paradebeispiel gelten. „Russland ist sich bewusst, dass EDTs (Emerging Disruptive Technologies) für die militärische Abschreckung und Verteidigungsposition des Landes von grundlegender Bedeutung sind und dem Regime zudem eine stärkere Kontrolle über die russische Gesellschaft ermöglichen“, schreibt Jankowski. Übersetzt bedeutet das: Wenn eine Waffe wie die Burewestnik den Westen Glauben mache, dass Russland einen Krieg vom Zaun brechen könne, weil die politische Führung einen solchen Waffengang für potenziell siegreich erachte, kann die Bevölkerung um so leichter darauf eingeschworen und an die Kandare genommen werden.

Genau das gleiche Prinzip hat Russland mit dem Ukraine-Krieg angewandt. Aus der vorgespielten Bedrohungslage und einer vermeintlich überlegenen Feuerkraft heraus, hat Wladimir Putin sein Volk weitestgehend reibungslos konditioniert. „Daher erscheint Russlands Einstieg in den Technologiewettlauf weniger eine Wahl als vielmehr eine existenzielle Notwendigkeit aus externen und internen Gründen“, so Jankowski. Das habe Russland auch nötig, bemerkt der Analyst mit Rekurs auf eine Untersuchung von Leonid Göchberg und Alexander Sokolov aus dem Jahre 2017: Im „Russian Science and Technology Foresight“ sollen sie in einer Studie „über die vielversprechendsten Bereiche der Wissenschafts- und Technologieentwicklung in Russland bis 2030“ ein düsteres Fazit gezogen haben.

„Die Studie bestätigte, dass Moskau weiterhin Schwierigkeiten hat, die EDTs sowohl wirtschaftlich als auch militärisch besser zu nutzen“, fasst Jankowski zusammen. Möglicherweise hat die „Sturmschwalbe“ die Studie jetzt Lügen gestraft. Allerdings fragt sich die Welt, was Russland mit dieser Waffe bezwecken will. Für einen Zweitschlag bräuchte sie vermutlich keine lange vorwarnfreie Anflugzeit, da ein Erstschlag einen Zweitschlag ohnehin erwartbar macht. Würde die Waffe für einen Erstschlag in der Luft stationiert, würde das politische Eskalationsmanagement möglicherweise bereits versagt haben und einen Erstschlag des Westens provoziert haben. Spenser A. Warren jedenfalls rät dazu, die Waffe ernst zu nehmen, ihr aber keine allzu große strategische Bedeutung beizumessen.

„Die amerikanischen Bemühungen, deren Einsatz zu verhindern, sollten sich vor allem darauf konzentrieren, die Entschlossenheit zu signalisieren, auf russische Aggression zu reagieren“, schreibt er für das „US Army War College“. „Die Vorbereitungen zur Abwehr einer russischen Eskalation, falls diese Abschreckung scheitert, sollten sich weiterhin auf die Errichtung und Aufrechterhaltung lokaler konventioneller Überlegenheit konzentrieren.“ (Quellen: TASS, Reuters, British American Security Information Council, Center for Strategic and International Studies, US Army War College, NATO, Welt) (hz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kremlin Press Office

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