VonPatrick Mayerschließen
Die russischen Soldaten versuchen, ihre Panzer irgendwie gegen die ukrainische Offensive und die westlichen Waffen zu schützen. Jetzt sollen selbst gefällte Bäume helfen.
Robotyne – Der BMP-3 sollte für Russland, entwickelt in der ehemaligen Sowjetunion, eine Mischung aus einem leichten Kampfpanzer sowie einem Schützenpanzer für Infanterie sein. Im Ukraine-Krieg hat sich das gepanzerte Fahrzeug auf Ketten, das 1990 erstmals in Dienst gestellt wurde, aber vor allem als Todesfalle für die Besatzungen Moskaus erwiesen.
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine: Moskau hat Hunderte Schützenpanzer verloren
Laut dem im Westen viel zitierten niederländischen Analyseportal „ORYX“ hatten die russischen Truppen in ihrem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg bereits Mitte Dezember 2022 mindestens 208 BMP-3-Panzer auf den Schlachtfeldern zwischen Kiew, Saporischschja und dem Donbass verloren. Seither dürfte noch das eine oder andere Exemplar dazugekommen sein, dass durch die Ukraine erbeutet oder zerstört wurde.
Gemäß Informationen des Generalstabs aus Kiew vom Mittwoch (9. August), sollen es mittlerweile angeblich 8290 Schützen- und Radpanzer sein, die die russische Armee für den Imperialismus von Kreml-Machthaber Wladimir Putin eingebüßt hat. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Immer augenscheinlicher wird aber, wie verzweifelt russische Soldaten versuchen, ihre veralteten Schützenpanzer gegen Drohnen und Panzerabwehrlenkwaffen zu schützen.
⚡️🇺🇦Ukrainian FPV hits an abandoned 🇷🇺Russian BMP-3 near Robotyne, Zaporizhzhia region. pic.twitter.com/bbMLELTqNH
— 🇺🇦Ukrainian Front (@front_ukrainian) August 4, 2023
Was in den meisten Fällen gar nicht gelingt, während die ukrainischen Streitkräfte ihrerseits Moskau mit Drohnen angreifen. Und während plötzlich auch Serbien der Ukraine droht.
Zurück zum BMP-3. Bei Twitter tauchte nun ein Video zu einem mit dem typischen „Z“ gekennzeichneten Schützenpanzers auf, gut erkennbar an seiner vergleichsweise großen und langen 100-mm-Kanone. BMP-1- und BMP-2-Schützenpanzer, die Vorgängermodelle aus der Sowjetunion, haben dagegen deutlich kleinere Kanonen.
| Name: | BMP-3 (Bojewaja Maschina Pechoty) |
| Funktion: | Schützenpanzer für Infanterie |
| Besatzung: | 3 (Kommandant, Richtschütze und Fahrer) plus 7 Fußsoldaten |
| Gewicht: | 18,7 Tonnen |
| Geschwindigkeit: | 70 km/h auf der Straße und 45 km/h im Gelände |
| Bewaffnung: | 100-mm-Kanone 2A70, 30-mm-Maschinenkanone 2A72 sowie 7,62-mm-Maschinengewehr |
Ukraine-Krieg: Russische Besatzung will BMP-3-Panzer mit Bäumen schützen
Laut dem offensichtlich proukrainischen Account (siehe eingebettete Twitter-Videos) hatte die Besatzung des BMP-3 mit ihrem Gefährt bei Robotyne in der Region Saporischschja Stellung bezogen, wo seit Wochen heftige Kämpfe toben. Der Panzer steht offensichtlich an einer verstaubten Landstraße, um diese zu bewachen. Und noch was fällt auf: Die Soldaten haben an den Längsseiten auf Höhe des Turms dicke Baumstämme fixiert.
Ein Rückblick: Bereits beim erfolglosen Versuch der Russen im Frühjahr 2022, in die ukrainische Hauptstadt einzumarschieren, wurde offensichtlich, wie verwundbar die 18,7-Tonnen-Kolosse letzten Endes für Panzerabwehrwaffen sind. Vor allem die westliche Javelin (Javelin Medium Antiarmor Weapon System) erwies sich mit ihrem 8,4-Kilo-Sprengkopf als verhängnisvoll.
⚡️🇺🇦Ukrainian journalist Andrii Tsaplienko inspects the mechanic's seat of the captured 🇷🇺Russian BMP-3.
— 🇺🇦Ukrainian Front (@front_ukrainian) August 2, 2023
This BMP was captured recently by the Ukrainian military from the 15th "Kara-Dag" brigade in the Zaporizhzhia direction pic.twitter.com/d2WjaW9rEr
Russische Armee in der Ukraine: BMP-3-Schützenpanzer haben nur schwache Panzerung
Denn: Die Durchschlagskraft der Tandem-Hohlladungs-Geschosse von bis zu 60 Zentimetern führte zu einem ungleichen Kampf, da Wanne und Turm des BMP-3 nur aus Aluminium bestehen. Nicht aus Stahl. Fatal: Fahrer und Richtschütze sitzen im BMP-3 zudem beide exponiert im Turm, und das auf engstem Raum, wie das Twitter-Video oben veranschaulicht. Im Fallbeispiel von Robotyne sollten die Baumstämme offensichtlich als Puffer dienen, damit die Geschosse vor dem Panzer detonieren und nicht im Inneren einschlagen.
Aber: Die Ukrainer griffen besagten Panzer laut dem Video mit einer Drohne von oben an, eine Käfigpanzerung, wie sie die ukrainische Armee an vielen Panzern anbringt, fehlte. Und so dürfte auch dieser russische Panzer von der südlichen Front zwischen Saporischschja und Asowschem Meer bald unter den Verlusten aufgeführt werden. (pm)
Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@front_ukrainian
