Putins Reise nach Budapest: Wie kommt Russlands Machthaber zum Treffen mit Trump?
VonPaula Völkner
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Trump und Putin wollen sich in Budapest treffen. Orban verspricht dem Kreml-Chef sichere Einreise. Wie das trotz EU-Flugverbot gelingen soll.
Moskau/Budapest – Russlands Machthaber Wladimir Putin soll nach Budapest reisen: so jedenfalls der Wunsch von US-Präsident Donald Trump. Ungarns Regierung hat bereits das Go gegeben. Und auch Moskau bestätigte Vorbereitungen für ein mögliches Treffen in der ungarischen Hauptstadt. Eine offene Frage bleibt bei den Vorbereitungen der Gespräche über den Ukraine-Krieg: Wie kommt der russische Machthaber nach Budapest?
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022 gilt ein EU-weites Flugverbot für russische Flugzeuge. Hinzu kommt der internationale Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen Putin. Theoretisch müssten alle Mitgliedsstaaten, über deren Hoheitsgebiet – einschließlich Luftraum – Putin reisen würde, ihn festnehmen. Darunter könnten etwa Ungarns Nachbarn, Polen oder Rumänien, fallen.
Internationaler Haftbefehl: Wie kommt Putin zum Treffen mit Trump?
Auch Ungarn selbst ist formell noch an die IStGH-Verpflichtungen gebunden. Zwar hatte Ungarn im Mai 2025 beschlossen, den IStGH zu verlassen, wirksam wird der Beschluss allerdings erst im Sommer 2026. Konsequenzen drohen dennoch nicht: Dem Strafgerichtshof fehlt es an wirksamen Sanktionsmöglichkeiten bei Nichteinhaltung.
Bislang erklärte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Freitag (17. Oktober) bezogen auf das mögliche Treffen in der ungarischen Hauptstadt lediglich, dass Putins Flugroute „natürlich noch unklar“ sei. Ganz geklärt ist also nicht, wie Russlands Machthaber zu einem Treffen mit Trump nach Ungarn reisen wird.
Trump-Treffen in Budapest: Unmut in Litauen – „Der einzige Ort für Putin in Europa ist in Den Haag“
Was das Flugverbot anbelangt, sieht der EU-Gesetzestext die Möglichkeit für Ausnahmen vor. Nach Angaben der Sprecherin der Europäischen Kommission, Anitta Hipper, müssten solche Ausnahmeregelungen von den Mitgliedstaaten individuell gewährt werden, berichtet Politico. Die EU-Kommission kündigte zudem bereits an, dass Luftraumrestriktionen gelockert werden könnten, wenn dies einem Ende der Kämpfe in der Ukraine diene, heißt es in einem weiteren Bericht des Portals.
Jedoch regt sich in einigen Ländern Unmut über die geplante Einreise des russischen Machthabers. Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys erklärte etwa: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er unseren Luftraum überquert.“ Und kritisierte zudem: „In Europa ist kein Platz für Kriegsverbrecher. Der einzige Ort für Putin in Europa ist in Den Haag, vor dem Tribunal, nicht in einer unserer Hauptstädte.“
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte gemäß Reuters: Dass Putin in die EU einreise, sei „nicht schön anzusehen“. In Frankreich will man die Durchreise des Kremlchefs wohl an Bedingungen knüpfen: „Der angekündigte Besuch Wladimir Putins in der Europäischen Union hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn er zu einem sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand führt“, erklärte der französische Außenminister Jean-Noel Barrot.
Putins Reise zu Trump-Treffen nach Budapest: Diese Routen kommen in Betracht
Für die Reise von Moskau nach Budapest gibt es eine Reihe von Optionen. Direkte Wege sind wohl ausgeschlossen: Dafür müsste Putin die Ukraine überfliegen. Oder, wie die BBC schreibt: „Offensichtlich wird er kein Air Serbia-Ticket nach Belgrad kaufen und den Zug nach Ungarn nehmen, was möglicherweise die direkteste Route wäre.“
Als unwahrscheinlich gilt zudem, dass der Kreml-Chef Polen überfliegen wird – aufgrund der zunehmend angespannten Stimmung zwischen Moskau und Warschau. Eine entsprechende Anfrage an die polnische Regierung, ob sie Putin eine Durchreise gewähren würde, blieb bislang unbeantwortet. Als Alternative käme ein längerer Flugweg über das Schwarze Meer, die Türkei, und anschließend über Bulgarien und entweder Serbien oder Rumänien in Betracht – auch hier bräuchte es eine Ausnahmeregelung. In einem Bericht der Bild-Zeitung wird zudem über eine Route über das Schwarze Meer, die Türkei und schließlich über Montenegro und Serbien spekuliert – so könnte Putin EU-Gebiet umgehen.
Sicherheitsexperte glaubt: „Wenn das Treffen tatsächlich stattfindet, wird Putin auch anreisen können“
Sicherheitsexperte Nico Lange glaubt ohnehin nicht, dass ein Treffen an der Einreise des russischen Machthabers scheitern würde: „Wenn das Treffen tatsächlich stattfindet, wird Putin auch anreisen können“, erklärt Lange gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Dass Staaten die Durchreise verweigern, sollten Putin und Trump ein solches Treffen ausmachen, hält der Sicherheitsexperte für reine Theorie: „Das wäre ehrlicherweise auch so, wenn das Treffen in Berlin, Paris oder woanders angesetzt würde.“
In Ungarn angekommen, kann Putin sich wohl ohnehin auf ein herzliches Willkommen freuen: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán gilt als Verbündeter des russischen Präsidenten. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó versicherte zudem bereits, man werde „sicherstellen, dass er nach Ungarn einreist, hier erfolgreiche Verhandlungen führt und dann nach Hause zurückkehrt“.
Ukraine-Krieg: „Die aufgeregte Showdiplomatie der letzten Monate bringt uns überhaupt nicht weiter“
Die Planung für ein Treffen zwischen Trump und Putin folgt auf ein Telefonat zwischen den Staatschefs am Donnerstag, sowie einen Washington-Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitag. Lange blickt mit gedämpften Erwartungen auf das mögliche Treffen in Budapest.
Mit einem für Kiew hinnehmbaren Ergebnis bei den Gesprächen zwischen Trump und Putin rechnet der Militärexperte nicht: „Ich erwarte nicht, dass Trump etwas erreicht, dem die Ukraine und die Europäer zustimmen könnten. Die aufgeregte Showdiplomatie der letzten Monate bringt uns überhaupt nicht weiter.“ Der Sicherheitsexperte argumentiert stattdessen: „Die Europäer sollten endlich eigene Stärke aufbauen, um selbst Gespräche mit Putin zu erzwingen.“ (Politico, BBC, dpa, Reuters) (pav)