Von Christian Stör
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Der Sturz von Baschar al-Assad verunsichert Russland. Trotz der geopolitischen Krise erkennt die russische Führung jedoch auch Potenziale.
Moskau – Der Schock in Russland saß zunächst tief. Der Sturz von Baschar al-Assad war auch für Wladimir Putin eine herbe Niederlage. Die russische Zeitung Kommersant nannte den Erfolg der Rebellen beim Bürgerkrieg in Syrien gar eine „geopolitische Katastrophe“. Immerhin war Assad der einzige offizielle Verbündete Russlands im Nahen Osten. Jetzt aber braucht der ehemalige Machthaber plötzlich Asyl in Russland .
Assad-Sturz in Syrien ist auch eine schwere Niederlage für Putin Die Gefahr für die Politik in Russland ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Putin betrachtete das Eingreifen in Syrien als Teil eines umfassenderen Ziels in der Region und weltweit. Doch nun muss er um den Einfluss Russlands bangen. Erste Frage: Was geschieht mit dem Marinestützpunkt in Tartus und der Luftwaffenbasis in Hmeimim? Moskaus einzige militärische Außenposten außerhalb der ehemaligen Sowjetunion spielen für Putin in Afrika und im Nahen Osten eine Schlüsselrolle.
Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt und hat das Land verlassen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Im ganzen Land versammeln sich Menschen wie hier in der Hauptstadt Damaskus auf den Straßen. Sie feiern den Sturz der syrischen Regierung und das Ende der über 50 Jahre andauernden Herrschaft der Assad-Dynastie. © dpa/DIA Photo/AP | Ugur Yildirim Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Der im Jahr 2000 verstorbene Hafez Assad war der Vater Baschar al-Assads und herrschte von 1970 bis zu seinem Tod über das Land. Bürgerinnen und Bürger strömten auch in den Präsidentenpalast und in eine Privatwohnung des geflohenen Machthabers. © dpa/AP | Hussein Malla Der Präsidentenpalast wird nach dem Sturz Baschar al-Assads in Syrien zu einem Publikumsmagenten. Hunderte Menschen strömten in den Protzbau des Ex-Präsidenten und wandelten durch die Hallen. © Hussein Malla / dpa Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. Syrische Oppositionskämpfer stehen vor dem beschädigten Eingang der iranischen Botschaft, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © dpa/AP | Hussein Malla Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. Syrische Oppositionskämpfer entfernen eine syrische Regierungsflagge von einem offiziellen Gebäude in Salamiyah, östlich von Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. Überall auf den Straßen feiern Menschen den Sturz Assads. © dpa/AP | Emrah Gurel Ein Satellitenbild von Maxar Technologies zeigt eine riesige Menschenansammlung in Aleppo. Ein von Maxar zur Verfügung gestelltes Satellitenbild zeigt feiernde Menschen auf den Straßen Aleppos. © dpa/Maxar Technologies/AP | Uncredited Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. Rauchschwaden im Hintergrund, während Einwohner und Oppositionskämpfer auf einem zentralen Platz in Damaskus feiern. © dpa/AP | Ghaith Alsayed Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. Menschen versammeln sich zur Feier des Sturzes der syrischen Regierung in einer Glaubensmoschee. © dpa/AP | Emrah Gurel Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. Rebellen-Anführer Abu Mohammed al-Dschulani spricht in der Umayyaden-Moschee nach der Machtübernahme in Syrien. © dpa/AP | Omar Albam Ein Bild von Baschar al-Assad in der Stadt Hama ist durchlöchert von Kugeln. 496721846.jpg © Omar Albam / dpa Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. Überläufer stellen sich in einer Reihe auf, um ihre Daten bei den syrischen Aufständischen in Aleppo, Syrien, zu registrieren. © dpa/AP | Omar Albam Nachdem syrische Rebellen Hama erob ert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. Nachdem syrische Rebellen Hama erobert haben, fliehen Menschen aus der Stadt. © dpa/AP | Ghaith Alsayed Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. Oppositionskämpfer fahren an Panzern der Regierungstruppen vorbei, die auf einer Autobahn zurückgelassen wurden, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad. © Hussein Malla / dpa Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. Eine zerstörte Straße nach einem Angriff der syrischen Armee in Aleppo. © Anas Alkharboutli / dpa Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. Ein syrischer Oppositionskämpfer hält einen Raketenwerfer vor dem Büro der Provinzregierung, an dessen Fassade ein Bild des syrischen Präsidenten Baschar Assad von Kugeln durchlöchert ist. © dpa/AP | Ghaith Alsayed Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. Ein Kind erklimmt eine abgerissene Statue des ehemaligen Präsidenten Hafis al-Assad. In ganz Syrien wurden derartige Statuen gestürzt. © dpa/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire | Juma Mohammad Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. Ein im Bürgerkrieg zerstörtes Fahrzeug der syrischen Armee. © IMAGO/Rami Alsayed Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. Ein syrischer Oppositionskämpfer zerreißt am internationalen Flughafen von Aleppo ein großes Bild, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seinen verstorbenen Vater Hafis al-Assad zeigt. © dpa/AP | Omar Albam Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad Eine zerbrochene Büste des alten syrischen Präsidenten Hafez Assad, Vater des jetzigen Präsidenten Baschar al-Assad, liegt auf einem von Oppositionskämpfern zerstörten Fliesenboden in Aleppo. © dpa/AP | Omar Albam Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. Syrische Oppositionskämpfer stehen auf einem beschlagnahmten Kampfjet auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Hama. © dpa/AP | Ghaith Alsayed Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. Syrer feiern die Ankunft der Rebellen in Damaskus auf einem Panzerfahrzeug. © dpa/AP | Omar Sanadiki Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. Noch im Morgengrauen feierten Menschen die Ankunft der Rebellen in Damaskus. Immer wieder feuerten Syrer mit Gewehren in die Luft. © dpa/AP | Omar Sanadiki Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. Auch in Deutschland feierten die Exil-Syrer die Flucht von Assad. Hier etwa in Mainz. © dpa | Andreas Arnold Nach Angaben russischer Staatsmedien haben die siegreichen Islamisten nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad die Sicherheit der beiden Stützpunkte „garantiert“. Doch es ist unklar, ob Russland als langjähriger Verbündeter Assads tatsächlich die Kontrolle über die Anlagen behalten kann. Satellitenbildern zufolge befand sich am 9. Dezember keines der in Tartus stationierten Kriegsschiffe im Hafen.
Russland hofft auf weiteres Chaos in Syrien Dennoch gibt sich die Führung in Russland nach außen hin optimistisch. „In Syrien kann viel passieren. Die Ereignisse dort könnten erst der Anfang sein“, sagte ein russischer Diplomat der Moscow Times . Es gebe eine bunte Koalition mit verschiedenen Fraktionen. „Ich schließe nicht aus, dass wir einen Zerfall des Landes erleben oder dass die Zentralregierung nicht mehr in der Lage ist, die Kontrolle über das gesamte Land aufrechtzuerhalten. Es gibt also noch viel Spielraum für Russland.“
Zieht seine Marine vorsorglich aus Tartus wegen des Syrien-Krieges ab: Russlands Präsident Wladimir Putin.
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Auch zwei amtierende russische Regierungsbeamte, die früher im Militär und im diplomatischen Korps dienten, spielten den Ernst der Lage herunter im Gespräch mit der Moscow Times herunter. „Assad und Syrien sind für uns zu einem Koffer ohne Griff geworden. Wohin sollen wir von Hmeimim aus fliegen?“, sagte ein Beamter. „Ist es für uns wirklich so wichtig, die Basis in Tartus zu besitzen?“
Syrien-Pleite könnte Russland beim Ukraine-Krieg in die Karten spielen Ähnlich sah es sein Kollege, der sich einen Vorteil für den Ukraine-Krieg versprach: „Das Geld für Syrien wird nun für unsere Operation in der Ukraine umgeleitet. Zusätzliche Staffeln der russischen Luftwaffe können für den Einsatz an ukrainischen Zielen eingesetzt werden.“ (cs)
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