Reaktionen zur Hamburg-Wahl: Machthungrige CDU umgarnt Tschentscher – „Klarer Wahlsieg, Chapeau“
VonJens Kiffmeier
schließen
Die Ergebnisse zur Hamburg-Wahl 2025 sind da: Die SPD gewinnt, die CDU hat plötzlich eine Machtoption – und umwirbt Wahlsieger Tschentscher. Alle Reaktionen.
Hamburg – Jetzt beginnt das Gerangel um die Macht: Nach der Verkündung der ersten Ergebnisse bei der Hamburg-Wahl 2025 steht die SPD als klarer Sieger fest. Entgegen dem Bundestrend seiner Partei holte der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ein deutliches Ergebnis jenseits der 30-Prozent-Marke. Doch mit wem soll er regieren? Rot-Grün oder doch Rot-Schwarz? Die CDU diente sich umgehend als neuer Partner an. Doch lässt sich die SPD darauf ein? Alle Reaktionen auf die Ergebnisse, Hochrechnungen und mögliche Koalitionen – hier im Überblick.
Reaktion auf Ergebnisse zur Hamburg-Wahl: Tschentscher zieht Lindenberg-Vergleich
Nach der Verkündung der Ergebnisse zur Hamburg-Wahl 2025 zeigte sich der große Wahlsieger des Abends in einer ersten Reaktion erleichtert. So sieht Hamburgs Erster Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Peter Tschentscher (SPD) in seinem Erfolg auch ein bundesweites Signal. „Wir sollten uns daran erinnern, dass wir als SPD in Deutschland Wahlen gewinnen können“, sagte Tschentscher auf der Wahlparty der Sozialdemokraten. Das sei eine wichtige Botschaft von Hamburg an den Rest der Republik. „Die Lage war für uns knifflig, würde Udo Lindenberg sagen.“ Dennoch sei es anderen Parteien nicht gelungen, die SPD „von rechts und links“ zu überholen.
SPD feiert Sieg bei der Hamburg-Wahl 2025 – Reaktionen auf die Wahlergebnisse
Nach den Prognosen und Hochrechnungen rutscht die SPD bei der Hamburg-Wahl 2025 auf 33,5 bis 34,5 Prozent ab. Vor fünf Jahren hatte sie noch 39,2 Prozent geholt. Doch damit liegen die Sozialdemokraten vor den Grünen, die mit der Spitzenkandidatin und Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank auf 17,5 bis 20 Prozent kommen und die damit ebenfalls gegenüber ihrem Rekordergebnis von 2020 (24,2 Prozent) verloren haben. Die CDU von Spitzenkandidat Dennis Thering kann dagegen nach ihrem historischen Tief vor fünf Jahren (11,2 Prozent) deutlich zulegen und liegt nun bei 19,5 bis 20 Prozent.
Steht nach der Hamburg-Wahl im Mittelpunkt: Peter Tschentscher (SPD, rechts). Bei der Koalitionsbildung wollen Katharina Fegebank und CDU-General Carsten Linnemann gerne mitreden.
Die Linke steigert sich auf 11,5 Prozent (2020: 9,1 Prozent). Die AfD verbessert sich auf 7 bis 8,5 Prozent (2020: 5,3 Prozent), ist in Hamburg damit aber nicht mal halb so stark wie auf Bundesebene. Die FDP scheitert erneut an der Fünf-Prozent-Hürde.
Reaktion auf Ergebnisse bei der Bürgerschaftswahl: Linnemann hofft auf Koalition mit Tschentscher
Mit Blick auf das Wahlergebnis bei der Hamburg-Wahl liefern sich CDU und Grüne damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen – und zwar auch um die Macht. Am liebsten will die Tschentscher-SPD mit den Grünen weiterregieren. Rechnerisch möglich ist aber auch eine rot-schwarze Koalition. Die CDU diente sich schon einmal als Bündnispartner an. Sowohl von der Landes- als auch der Bundesebene kamen versöhnliche Töne als erste Reaktion. „Klarer Wahlsieg, Chapeau“, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im ZDF. Sollte seine CDU tatsächlich im endgültigen Endergebnis den zweiten Platz einfahren, käme Tschentscher nicht drumherum, zumindest mit seiner Partei einmal die Koalitionsmöglichkeiten auszuloten.
Linnemann sagte, die CDU habe in Hamburg einen eigenen Wahlkampf mit den richtigen Themen Wirtschaft, Sicherheit und Verkehr gemacht. „Die Grünen haben massiv verloren, die CDU hat massiv gewonnen, und eigentlich wäre es vielleicht an der Zeit, ein neues Aufbruchssignal jetzt für Hamburg zu senden, nämlich Rot-Schwarz.“ Und Hamburgs Spitzenkandidat Thering ergänzte, dass seine Partei für Gespräche jederzeit bereitstehen würde.
Fortsetzung von Koalition nach Hamburg-Wahl: So reagieren die Grünen auf die Ergebnisse
Bei den Grünen hofft man indes, dass Tschentscher das Werben der Christdemokraten überhört und zunächst mit den nach Prognosen drittplatzierten Grünen statt mit der CDU Gespräche führt. „Das hat er angekündigt“, sagte Bundesparteichef Felix Banaszak in der ARD. SPD und Grüne kämen „aus einer erfolgreichen Landesregierung“. Es sehe so aus, als hätten die Grünen wie zuvor schon bei der Bundestagswahl an Union und Linke verloren. Ähnlich äußerte sich auch Co-Parteichefin Franziska Brantner.
Bei den Koalitionsoptionen hat Tschentscher jetzt die Qual der Wahl. Jedoch hatte er sich im Vorfeld der Hamburg-Wahl schon fast festgelegt und Rot-Grün als seine Wunschkonstellation bezeichnet. Die CDU in Hamburg hatte er indes als „zukunftsfeindlich“ gegeißelt. Vor diesem Hintergrund verwunderte es nicht, dass Tschentscher am Wahlabend ankündigte, erst einmal mit den Grünen zu sprechen.
„Es geht so schnell, wie es geht. Wir werden als Erstes mit den Grünen sprechen und hoffen, dass wir dort eine klare Vereinbarung darüber bekommen, wie es dann in Hamburg weitergehen soll“, sagte Tschentscher im ZDF. „Aber wir werden auch mit der CDU sprechen.“ Das habe man auch vor fünf Jahren getan.
Was macht Tschentscher besser? Klingbeil sonnt sich in Tschentscher-Ergebnis bei Hamburg-Wahl
Für Tschentscher, der dem Bundestrend der SPD erfolgreich trotzte, könnte es nun die dritte Amtszeit werden. Hanseatisch nüchtern führt er seit Jahren die Stadt als Nachfolger von Olaf Scholz (SPD). Nun fragen sich viele in der SPD: Was macht der Hamburger Bürgermeister anders? Nach vielen Wahlschlappen bei Landtagswahlen und einem nüchternen Ergebnis bei der Bundestagswahl feiert die Bundes-SPD den Hamburger Erfolg aber gerne mit.
Brauer, Scholz und Tschentscher – alle Bürgermeister Hamburgs in der Übersicht
So will SPD-Chef Lars Klingbeil, dass Union und SPD aus der Wahl in Hamburg auch für ihre Sondierungsgespräche im Bund lernen. „Die Menschen erwarten, dass die Politik handelt, dass die Politik Dinge vorantreibt, dass die großen Fragen unseres Landes geklärt werden – und das am besten in einem Stil, wo man sich nicht jeden Tag auf offener Bühne kritisiert, wo man sich nicht streitet, sondern wo man gemeinsam die Dinge einfach voranbringt“, sagte der Parteichef in Berlin. „Und da kann man von Hamburg einiges lernen.“ (jek/mit Material der dpa)