VonJens Kiffmeierschließen
Seine Karriere startete im Problemkiez: Peter Tschentscher (SPD). Bei der Hamburg-Wahl will er sein Bürgermeister-Amt verteidigen. Wie tickt er privat?
Hamburg – Er gilt als akribisch, manchmal auch als Nervensäge und war eigentlich nur als Übergangslösung gedacht: Peter Tschentscher (SPD). Doch bei der Hamburg-Wahl 2025 kann der Sozialdemokrat wohl sein Amt als Erster Bürgermeister verteidigen – und das zum wiederholten Mal. Darauf deuten alle aktuelle Umfragen hin. Doch wer ist der Mann, dessen Karriere in einem Bremer Problemkiez begann und der seit jetzt sieben Jahren unangefochten an der Spitze der Millionenmetropole an der Elbe steht?
| Name: | Peter Tschentscher |
|---|---|
| Amt: | Erster Bürgermeister von Hamburg |
| Alter: | 59 Jahre |
| Ehefrau: | Eva-Maria Tschentscher |
| Kinder: | ein Sohn, keine Tochter |
Auf Rückenwind von der Bundesebene konnte der gebürtige Bremer, der eher als analytisch agierender Organisator denn als machtbewusster Strippenzieher daherkommt, im ausgehenden Wahlkampf zur Hamburg-Wahl nicht zählen. Nach dem vorzeitigen Aus der Ampelkoalition in Berlin steht es nicht zum Besten um die SPD im Bund und die persönliche Beliebtheit ihres Bundeskanzlers Olaf Scholz, der Tschentschers Amtsvorgänger als Regierungschef in Hamburg war.
Peter Tschentscher (SPD): Umfragen sagen ihm Sieg bei Hamburg-Wahl voraus
Dennoch hat sich Tschentscher nicht unterkriegen lassen. Laut den aktuellen Umfragen zur Hamburg-Wahl 2025 kommt seine SPD auf 30 Prozent. Damit liegen die Sozialdemokraten deutlich vor der CDU und den Grünen, die um Platz zwei streiten. „Die Hamburgerinnen und Hamburger wissen ja, dass die Politik in den letzten Jahren in Hamburg besser gelaufen ist als in anderen Bundesländern und im Bund“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den Rathauschef.
Sollten sich die Umfragen in den Ergebnissen der Hamburg-Wahl widerspiegeln, würden die Sozialdemokraten, die 2011 unter Scholz mit 48,4 Prozent die absolute Mehrheit holten und bei der Bürgerschaftswahl 2020 immerhin noch auf 39,2 Prozent kamen, zwar das dritte Mal in Folge massiv Stimmen verlieren. Doch die Mehrheitsverhältnisse scheinen laut den Umfragen auch weiterhin klar, sodass einer Neuauflage der seit 2015 regierenden Koalition aus SPD und Grünen nichts im Weg stehen würde. Beide Parteien sprechen sich klar dafür aus. Nur die Linke könnte ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen. Den genauen Ausgang der Hamburg-Wahl können Sie am Sonntag (2. März) bei uns im Live-Ticker verfolgen.
Tschentscher gegen Fegebank und Thering: Bei der Beliebtheit liegt Hamburgs Bürgermeister klar vorne
Im Wettkampf der Spitzenkandierenden führt Tschentscher ohnehin haushoch. Einer Umfrage zur Beliebheit zufolge wollen ihn rund 50 Prozent weiterhin als Bürgermeister, die Grünen-Spitzenkandidatin und Vizeregierungschefin Katharina Fegebank und den CDU-Herausforderer Dennis Thering nur je 16 Prozent, obwohl der Unionsmann noch auf den Merz-Effekt in den Umfragen hofft. Tschentscher wird zudem einer anderen Befragung zufolge unter anderem als deutlich glaubwürdiger, sympathischer und führungsstärker wahrgenommen als seine Mitbewerber.
Bürgermeister Tschentscher: Favorit der Hamburg-Wahl war ursprünglich nur Übergangskandidat
Als klassischer Macht- und Spitzenpolitiker gilt Tschentscher dabei weniger. Ihn zog es ursprünglich gar nicht in die erste Reihe. Er war Oberarzt in leitender Funktion am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, engagierte sich politisch für die SPD. Zudem war er Abgeordneter in der Bezirksversammlung Wandsbek, zwischen 2008 und 2011 saß er in der Bürgerschaft. 2011 wechselte er als Finanzsenator in den Senat und wurde erst dadurch zu einem hauptberuflichen Vollzeitpolitiker.
Tschentscher war sieben Jahre lang Finanzsenator unter Hamburgs damaligem Bürgermeister Scholz, weitergehende Ambitionen wurden ihm nicht nachgesagt. Als Scholz 2018 als Bundesfinanzminister nach Berlin wechselte, übernahm zwar Tschentscher – allerdings erst, als der als Kronprinz gehandelte damalige Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Andreas Dressel, abwinkte. Viele sprachen daher von einer Übergangsregelung. Böse Zungen behauptete damals, Tschentscher sei nur dritte Wahl gewesen.
Peter Tschentscher in Hamburg: Bürgermeister gilt als akribisch und detailversessen
Nach dem SPD-Sieg bei der Bürgerschaftswahl 2020 aber blieb Tschentscher und etablierte sich. In der eskalierenden Corona-Pandemie setzte der frühere Arzt auf ruhige Kommunikation und bundesweit abgestimmtes Handeln. Sein Politikansatz wird allgemein gern mit dem seines Amtsvorgängers Scholz verglichen.
Tschentscher ist bekannt für seinen detailorientierten Führungsstil. „Immer nur das Ungefähre, so kann man keine Stadt managen. Es sind immer Kleinigkeiten, an denen Projekte scheitern“, erklärt er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Diese Herangehensweise hat ihm den Ruf eines akribischen und selbstbewussten Politikers eingebracht, der sich intensiv mit den Details der Stadtverwaltung auseinandersetzt. Wie das Blatt berichtet, sollen Mitarbeiter in der Verwaltung mitunter genervt sein, weil sich Tschentscher ständig in alles einarbeite und nachfrage. Das Rathaus sei im Gesetzgebungsverfahren ein Nadelöhr, heißt es.
Doch Tschentscher verteidigt sein Vorgehen. In der Regel sei es so, dass die Referatsleiter sich davor scheuten, die wahren Probleme nach oben zu spiegeln – aus Sorge vor Konsequenzen. Doch das wolle er nicht gelten lassen. Er müsse wissen, was in der Stadt vor sich gehe. Damit er nicht nur auf die Informationen aus der Verwaltung angewiesen ist, scheut Tschentscher auch nicht den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Mit seiner Veranstaltungsreihe „Tschentscher live“ klappert er regelmäßig die Bezirke ab und lässt sich vor Ort die Probleme in der Stadt schildern.
Und davon gibt es genug in Hamburg. Durch den starken Zuzug leidet Hamburg unter einem Mietendruck und Wohnungsmangel. Der Verkehr kommt dadurch an seine Belastungsgrenzen. Die Kriminalität steigt. Doch Tschentscher ist Kommunalpolitiker durch und durch. Bundespolitische Ambitionen, um aus dem Kleinklein der hanseatischen Probleme zu fliehen, zeigt er bislang nicht. Sein Platz, so beteuert er stets, sei in Hamburg.
Aufgewachsen in einer Wohnung in Bremen: Tschentscher stammt aus Problemviertel
Dabei stammt Tschentscher noch nicht mal von dort. Geboren und aufgewachsen ist er in Bremen, wo sein Vater als Holzkaufmann und seine Mutter als Schneidermeisterin tätig waren. Die Familie lebte in einer Wohnung im Stadtteil Osterholz-Tenever, einem als sozialer Brennpunkt bekannten Gebiet.
„Gewalt in der Schule ist damals spürbar gewesen“, erzählte der Hamburger Bürgermeister im Podcast der Hamburger Morgenpost. „Es ist nur nicht so viel darüber gesprochen worden wie heute. Ich dachte lange, es sei normal, dass man sich auf dem Schulhof auch körperlich zur Wehr setzen muss. Erst später ist mir klar geworden, dass es auch anders geht.“ In den 1970er Jahren zog die Familie dann in ein gefördertes Reihenhaus.
Nach dem Abitur zog Tschentscher nach Hamburg, um dort Humanmedizin zu studieren. Er spezialisierte sich auf Laboratoriumsmedizin und wurde Privatdozent an der Universität Hamburg. Parallel dazu stieg er in die SPD und in die dortige Kommunalpolitik ein.
Ehefrau und Kinder: So lebt Peter Tschentscher privat in Hamburg
Sein Privatleben hält er weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Seit 1998 ist er mit Eva-Maria Tschentscher verheiratet, und das Paar hat einen erwachsenen Sohn, aber keine Tochter, wie oftmals im Netz vermutet wird. Die Familie zog von Winterhude nach Hamburg-Barmbek-Nord. Tschentscher hat drei Brüder, zu denen er ein enges Verhältnis pflegt. In seiner Freizeit genießt er Spaziergänge in der Natur und liest Krimis. (jek/mit Material der AFP)
Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa/Michael Wigglesworth/Imago/Montage

